Stracke packt mit an

Ganz in Weiß: Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke betätigt sich als Pflegehelfer. Foto: gau

Um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen und auch weil er selbst im Gesundheitsausschuss der CSU in Berlin sitzt, ist der Kaufbeurer Bundestagsabgeordnete Stefan Stracke für eine Schicht lang in die Kluft eines Altenpflegers geschlüpft. „Alle Achtung“, zollte Pflegedienstleiterin Nicole Klinger Oerdner ihm Respekt für seine Arbeit. Er habe eben nicht nur eine halbe Stunde zugeschaut sondern mit angepackt.

Es müsste Schule machen, so Nicole Klinger, was Stephan Stracke in seinen acht Stunden geleistet hatte. Um 6.15 Uhr begann der Politiker gemeinsam mit der Frühschicht seine Arbeit, half dabei, die Bewohner, viele davon auch schon dement, zu mobilisieren, das Essen auszuteilen und die Medikamente (unter Aufsicht), die Betten zu machen und sich mit den Senioren zu beschäftigen oder auch bei Körperpflege zu helfen. Das alles, so Stracke unter dem Aspekt, Pflege hautnah kennenzulernen, vor allem aber auch die Problematik Demenz, auf die man bei der Reform der Pflegestufen ein Hauptaugenmerk legen möchte. Dazu aber half Stracke im Alten- und Pflegeheim Heilig-Geist-Stiftung, das durch den bpa vertreten wird, nicht nur mit, sondern suchte auch das Gespräch mit den ausgebildeten Pflegekräften. Für seine Schicht war Stracke zum Pflegeassistenten gekürt worden, in der Norm müssen die Pfleger drei Jahre lang diesen Beruf erlernen ehe sie helfen dürfen. Dafür konnte sich Stracke aber auch davon überzeugen, auf welch hohem Niveau die Pflegearbeit in Nesselwang steht, durchaus nicht selbstverständlich. Vor allem bekam Stracke auch mit, dass der Beruf des Altenpflegers nicht so angesehen ist, es gibt durchaus auch einen Fachkräftemangel auf diesem Gebiet. Auch kämpft man seitens der Verwaltung und des Pflegepersonals mit der notwendigen Dokumentation. So erfuhr Stracke, dass eine Leistung, etwa Zähneputzen, nur dann abgerechnet werden kann, wenn auch notiert wurde, dass diese Arbeit ausgeführt und wieviel Zeit dafür aufgewendet wurde. Eine Dokumentation, die das Pflegepersonal leisten muss und entsprechend weniger Zeit hat, sich um die Bewohner zu kümmern. Beeindruckt war er vor allem aber auch von der Hingabe des pflegenden Personals: „Der Einsatz, den ich zu sehen bekommen hab, vor allem die pflegerische Hingabe“, so Stracke, habe ihm imponiert. Problem Schichtarbeit So sei man auch nur zu Gast bei den Bewohnern im Heim, die hierher eben nicht abgeschoben würden, sondern soweit als möglich ein selbstbestimmtes Leben führen könnten. Und er habe eben den Beruf des Pflegers zu schätzen gelernt, wobei sich allein schon aus der Schichtarbeit wieder weitere Probleme ergäben, wie Stracke erfuhr. Denn welche Kita nimmt schon morgens um sechs Uhr den Nachwuchs auf? So würden viele Fachkräfte schleichend aus dem Beruf abgezogen, wer nach zehn Jahren Muttersein wieder zurückkommen wolle, sei abgehängt von der Entwicklung. Bei der anstehenden Reform der Pflege, möchte Stephan Stracke seine neuen Erfahrungen mit einbringen. Und falls er irgendwann nicht mehr Politiker sein möchte, hat er bereits jetzt das Angebot, nach drei Jahren Ausbildung, als Altenpfleger arbeiten zu können. Ein Job mit Zukunft.

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