Staatliches Bauamt will neuen Radweg am Forggensee bauen

Radweg fast zum Nulltarif

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Für Radfahrer gefährlich: Die Situation in der Ehrwanger Straße Richtung Wertstoffhof. Nun sollen sowohl die Straße als auch ein Radweg neu gebaut werden.

Füssen – Einmaliges Schnäppchen oder unnötige Verschwendung von Steuergeldern?

Um diese Frage entspann sich am Dienstagabend im Bauausschuss eine durchaus kontroverse Diskussion, als die Stadträte den Lückenschluss des Radweges in der Ehrwanger Straße am Forggensee berieten. 

Trotz eines Alternativvorschlags von Dr. Christoph Böhm (CSU) setzte sich schließlich bei einer Gegenstimme von Böhm die Bauverwaltung mit ihrem Konzept durch. Demnach soll entlang der Ehrwanger Straße auf der Ostseite der Straße bis zum Wertstoffhof ein neuer drei Meter breiter Radweg gebaut werden. 

Beim Wertstoffhof soll außerdem eine etwa 50 Meter lange Verbindung zwischen dem alten und dem bereits nördlich des Wertstoffhofes entlang der B16 verlaufenden Radweges entstehen. 

Der Clou: Weil die Ehrwanger Straße in diesem Bereich in einem miserablen Zustand ist, will das Staatliche Bauamt in Kempten diese bis zum Wertstoffhof gleich komplett neu bauen – und würde den Großteil der Baukosten von insgesamt prognostizierten rund 313.000 Euro gleich noch mit übernehmen. 

Das seien die Ergebnisse drei Jahre währender Verhandlungen mit der Staatlichen Behörde in Kempten, teilte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Dienstagabend nicht ohne Stolz dem Gremium mit. 

Zumal die Bedingungen der Straßenbaubehörde überschaubar bleiben. So darf die Situierung des Einmündungsbereichs B16/Ehrwanger Straße nicht geändert werden, der neue Radweg auf der Ostseite verlaufen und die Verbindung am Wertstoffhof muss hergestellt werden. Allerdings bekommt die bislang gerade Straße künftig kurz nach der Einfahrt einen Knick. Zwar wird die Stadt Füssen sich mit voraussichtlich etwa 63.000 Euro an den Baukosten beteiligen müssen (die notwendigen Grundstücke sind bereits in ihrem Besitz). 

Der Großteil der Ratsmitglieder reagierte dennoch erfreut über diese Wendung. Schließlich ist die Situation vor allem an den Samstagvormittagen insbesondere für Radfahrer nicht ungefährlich. „Der gesamte Radverkehr muss in diesem Abschnitt auf der Ehrwanger Straße im Fahrbahnbereich abgewickelt werden“, erklärte Martin Köpf vom Tiefbauamt. Das führe vor allem während der Sommermonate während der Öffnungszeiten des Wertstoffhofes zu gefährlichen Situationen. 

„Das ist die ideale Lösung“, freute sich CSU-Stadtrat Michael Jakob. „Wir wären ja gepinselt, wenn wir das nicht in Anspruch nehmen würden“, spielte er auf die Baukostenübernahme durch das Staatliche Bauamt bzw. den Bund an. Wenn man es jetzt nicht schaffe, den Radweg umzusetzen, gehöre der Stadtrat eigentlich nach Hause geschickt, so der Christsoziale weiter. 

Auch SPD-Fraktionskollege Lothar Schaffrath und dessen CSU-Kollege Heinz Hipp sprachen sich für den Vorschlag der Bauverwaltung aus. „Besser kann man das nicht machen“, lobte Hipp. 

Kritik von Böhm

Zweifel äußerten jedoch Dr. Martin Metzger (BfF) und Dr. Christoph Böhm. Während Metzger zwei für Radfahrer gefährliche Stellen in den Planungen erkannt haben wollte, kritisierte Böhm die Idee grundsätzlich. 

Vor allem bemängelte er, dass sechs Bäume für die Verlegung der Straße und den neuen Radweg gefällt werden müssen. „Die alte Allee wird damit dahin sein“, sagte er. Stattdessen schlug er vor, den Radweg direkt entlang der B16 zu bauen. Das sei günstiger, es müssten keine Bäume gefällt werden und es würden keine Ausgleichsflächen benötigt werden. „Da verstehe ich das Staatliche Bauamt nicht“, sagte Böhm. „Das Bauamt scheint danach zu planen: Was ist der größte Schaden für die Natur.“ 

Durch den Knick werde der Einfahrbereich sogar eher noch gefährlicher gemacht, so der CSU-Stadtrat weiter. „Der größte Schmarrn wird gemacht, wenn es Zuschüsse gibt!“ 

"Mündige Menschen"

Bürgermeister Iacob widersprach vehement. Die Ehrwanger Straße könne im jetzigen Zustand keinesfalls belassen werden, erklärte er. Baue man jetzt aber keinen Radweg, müsse die Stadt die Sanierung der Straße selbst bezahlen. Dazu komme, dass die Einmündung in die B16 für Autofahrer gefährlich sei. Diese Situation würde durch querende Radfahrer nur noch zusätzlich verschärft. 

Zwar kritisierte auch Magnus Peresson (UBL) das Fällen der Bäume. Martin Köpf vom Tiefbauamt konnte aber beruhigen: So sei eine weitere Voraussetzung für den Bau, dass möglichst wenig Bäume gefällt und anderweitig durch den Neubau beeinträchtigt werden. Heinz Hipp widersprach Böhm ebenfalls. Dessen Lösung werde niemals von den zahlreichen Radlern angenommen, meinte er. 

Auch Jürgen Doser (FW) warb um mehr Augenmaß. „Die Extremgefahren, die wir hier manchmal aufbauen, haben wir nicht“, betonte er. Er verwahre sich dagegen, Radler permanent als Schutzbedürftige in den Vordergrund zu stellen. „Das sind mündige Menschen!“ Metzger forderte dennoch, die Situation in der Einfahrt in der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses zu beraten. 

Dr. Anni Derday, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, fragte sich dagegen, ob der Aufwand in Relation zum Ertrag stehe. 313.000 Euro für ein paar hundert Meter Radweg – stimmt da die Verhältnismäßigkeit noch?“, fragte sie. Da aber dadurch der Lückenschluss im Radwegenetz rund um den Forggensee erreicht werden könne, werde auch sie dem Antrag der Bauverwaltung zustimmen, kündigte sie an.

Matthias Matz

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