"Da muss man kämpfen!"

Max Streif blickt auf eine 25-jährige Erfolgsgeschichte als Riedener Bürgermeister zurück

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Nach 25 Jahren als Bürgermeister von Rieden a.F. geht Max Streif jetzt in den Ruhestand.

Rieden a.F. – Max Streif blickt auf ein Rieden, das durch seinen Einsatz, seine Kämpfen, seine Initiative und seine Hartnäckigkeit in den vergangenen vier Jahrzehnte zu dem wurde, was es heute ist.

Von Anfang an im Tourismusverein, war Streif zunächst als Gemeinderat, dann als stellvertretender Bürgermeister und schließlich die vergangenen 25 Jahre als Rathauschef federführend. Am Donnerstag ist er nun in den Ruhestand gegangen. Wenn Streif von der Entwicklung des Dorfes erzählt, ist es ein Bericht über Erfolge und voller Stolz, aber auch Bescheidenheit. „Ich hab nur das Glück hier in Rieden Bürgermeister sein zu dürfen.“ 

Als Streif vor 40 Jahren mit der Kommunalpolitik anfing, glaubte er selbst nicht, einmal Chef der Forggenseegemeinde zu werden. „Nein, das war nie das erklärte Ziel. Nein, nicht mal ein Gedanke“, blickt Streif zurück. Der damalige Bürgermeister Wilhelm Drollmann sei für ihn ein Lehrmeister und Pate gewesen. „Er war ein Kämpfer, dem es um die Sache ging. Der ist für mich ein Vorbild gewesen.“ 

Auf Drollmann folgte Franz Winkelmaier. „Ich hab dann den Vize gemacht, wir haben viel miteinander gearbeitet. Er war ein toller Theoretiker, der hat die Paragrafen im Kopf gehabt wie sonst noch was. Und ich war eben der Praktiker. Und so haben wir zum Beispiel das Haus am Kalkofen gebaut.“ 

Dieses Haus bauten sie damals hauptsächlich in Eigenleistung. „Das waren 23.500 Stunden, ehrenamtlich, ohne Geld.“ 182 Festmeter Holz machten die Riedener dafür. Bis heute steht das Haus am Kalkofen „wie eine Eins“ und erfüllt seinen Zweck als Mehrzweckhalle. Nach dem Bau verlor Streif innerhalb weniger Wochen sein Vorbild Drollmann und seinen Kollegen Winkelmaier. „Dann stehst du da, drehst dich um und es ist hinten leer. Drum hab ich es angepackt.“ 

Streifs Kandidatur 1995 für das Bürgermeisteramt war jedoch nicht ganz einfach: Sieben Stimmen fehlten im ersten Anlauf und es kam zur Stichwahl. Am 23. Juli jedoch war Streif dann aber offiziell der neue Bürgermeister. „Es galt von der ersten Stunde weg in den laufenden Prozess einzusteigen.“ Ein solcher war vor allem, Gewerbe ins Dorf zu holen. „Als wir selbstständig wurden hatten wir 41 Arbeitsplätze.“ Heute sind es 921. „Das ist viel Arbeit, das ist viel Kampf!“ 

Einige Betriebe haben sich mittlerweile angesiedelt. Und das trotz der topografisch anspruchsvollen Fläche. „Da muss man Ideen habe, wie bekomme ich die Firma so gebacken, dass es möglich ist.“ Die Lösung war, Gebäude auf Etagen zu bauen. Dafür musste er viel Überzeugungsarbeit leisten.

Neue Wanderwege

Schon als junger Mann begann Streif, Rieden nach Vorne zu bringen. Im Jahr 1972, während der zweiten Flurbereinigung, war Streif als „junger Bursche mit gestandenen Männern vom Dorf“ dabei, zu überlegen, wo neue Wanderwege benötigt werden. Immer unter dem Aspekt: „Wie kann ich die Gegend und das Umfeld der Heimatgemeinde so machen, dass es auch für Gäste interessant erscheint?“ 

1973, mit 18 Jahren, trat er das Amt des Schriftführers im Verkehrsverein (heute Tourismusverein) an, das er bis heute inne hat. Streif suchte in der Folgezeit strategische Partnerschaften. „Als kleine Gemeinde gilt es, wie bei allen Sachen: Wenn du alleine bist, bist du verloren. Deshalb gilt es, sich Gleichgesinnte zu suchen.“ 

Gemeinsam mit Roßhaupten, Eisenberg, Seeg, Rückholz und Hopferau zusammen kreierten sie die Tourismusgemeinschaft Südliches Allgäu GbR, „wo die Gemeinden zusammenarbeiten, miteinander Werbung machen können, gemeinsam investieren.“ 

Damit mussten sie auch unter der Dachmarke „Vitales Land“ aufgenommen werden. Eine Aufnahme, die deren Mitglieder zunächst verwehrten. „Das sind so Sachen, die kosten Herzblut, da musst du kämpfen wie sonstwas“, erinnert sich Streif. 

Steigende Zahlen

Als Mitglied des „Auerbergland e.V.“ bekam Rieden Zugang zu den begehrten Leader-Fördermitteln. Damit wurden unter anderem die DAV-Kletterhalle, drei Badestellen am Seeufer mit Kinderspielplätzen und die Sozialeinrichtung „Wia dahoam“ im Dorf gebaut. 

Diese Einrichtung zeichnet Rieden aus. Sie bietet Kinderbetreuung für Berufstätige und Senioren bekommen dort Mittagessen und haben eine Anlaufstelle, um aus der Isolation raus zu kommen. „Das ist unglaublich wertvoll.“ Bis zu elf Ehrenamtliche helfen dort „Und das sind lauter Neubürger. So kommen die Neuen mit den Einheimischen zusammen. Das ist sozial gesehen unglaublich toll.“ 

In Streifs Jugend zählte Rieden rund 2000 touristische Übernachtungen im Jahr. „Jetzt liegen wir zwischenzeitlich bei 143.000 Übernachtungen. Das ist aber alles nicht geschenkt, da muss man kämpfen, kämpfen, kämpfen!“

Für den Tourismus gleichermaßen wie für die Schule. „Die steht seit dem Jahr 1907, altehrwürdig, aber innendrin nicht gut, sondern top. Jetzt gilt es, die jungen Leute nicht nur her zu holen, du musst sie auch halten.“ 

Günstiges Bauland

Der Weg zu diesem Ziel ist nach Max Streifs Überzeugung günstiges Bauland in der Gemeinde. Im Rahmen des „Einheimischen Modells“ erwarb Rieden dafür bislang 103 Bauplätze, die ausschließlich an junge Paare und Familien vergeben werden. 

Zukunftsorientiert, das ist die Sache, von der Streif bei all seinem Tun spricht. Als 1. Bürgermeister waren seine Tage mehr als ausgefüllt. Auf 18 Stunden pro Woche wird der Ehrensold des Riedener Bürgermeisters ausgelegt. 

Doch kontinuierlich hat Streif „mehr als das Doppelte der Zeit gemacht.“ Seit Amtsantritt machte er nicht einen Tag Urlaub. Da ist Streif seiner Frau sehr dankbar, die dieses Leben schon immer mit ihm teilte und ihn unterstützte. Vieles muss eine kleine Landgemeinde schultern, um nicht unterzugehen. 

„Das Gefühl, dass man so ein Dorf nach vorne bringt, dass füllt mich mehr aus als jeder Reichtum.“ Und so wird Streif auch jetzt nicht die Füße hochlegen. „Das ist nicht mein Leben!“

Selma Höfer

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