Gemeinde Pfronten nimmt die Mobilfunkanbieter in die Pflicht

Die Fronten verhärten

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Dr. Peter Nießen genießt während der Gemeinderatssitzung das Vertrauen der Bürger und Räte. Genauestens zeigt er auf, welche Alternativen es gäbe.

Pfronten – Es waren deutliche Worte, die die Vertreter der Mobilfunkriesen Vodafone und Telekom fanden. Allerdings keine, die Balsam gewesen wären für die besorgten Bürger.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Dr. Peter Nießen seine Varianten zum geplanten Standort für einen Mobilfunkmasten in der Tirolerstraße vor, ging auf Grenzwerte und die Strahlungsbelastung ein. Für die Gemeinde machte Bürgermeisterin Michaela Waldmann dagegen klar, dass man auf der Prüfung der Alternativen bestehe, auch wenn die Mobilfunkvertreter diese vorauseilend schon ablehnten. 

Wie beteits mehrfach berichtet, wollen die beiden großen Mobilfunkkonzerne in der Tirolerstraße einen neuen Sendemast aufstellen. Doch das stößt bei der Bevölkerung auf Widerstand. Nach der Bekanntgabe des Wunschstandortes hatte die Gemeindeverwaltung deshalb den bundesweit tätigen und anerkannten Experten Dr. Peter Nießen aus Köln beauftragt, alternative Standorte zu finden. Denn nach einem Übereinkommen zwischen den kommunalen Spitzenverbänden und den Mobilfunkbetreibern haben die Kommunen das Recht, alternative Standorte vorzuschlagen, die die Netz-Betreiber auch prüfen müssen. 

Dr. Peter Nießen ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für elektromagnetische Umweltverträglichkeit und leitet das EMF-Institut in Köln. Dieses, so die Aussage auf der Homepage, wissenschaftlich fundierte und verlässliche Informationen und Analysen bietet zu vorliegenden EMF-Belastungen und Einschätzungen zu möglichen Gefährdungen sowohl für den Menschen und die belebte Umwelt als auch für technische Einrichtungen. 

Hohe Grenzwerte 

Für die Vorstellung ging der Kölner Experte zunächst auf die Grenzwerte ein, die es weltweit gibt. Von denen die deutschen aber mit am höchsten sind und bis 10.000 Milliwatt pro Quadratmeter reichen. Im Vergleich dazu sieht der Salzburger Vorsorgewert von 2002 für den GSM-Funk 0,001 bzw. 0,01 mW/m2 vor, die Resolution Bürgerforum und die Expertenrunde Elektrosmog empfehlen maximal 0,1 Milliwatt für „Wachbereiche“, für Ruhebereiche liegen die Empfehlungen ein vielfaches darunter. Ausgehend von den vorgelegten Werten hatte Dr. Nießen berechnet, welche Strahlenbelastung die Menschen – entsprechend der Masthöhe und in Abhängigkeit von deren Standort, ob nun Straßenniveau oder im zweiten Obergeschoss eines Hauses – treffen würde. 

Und dann diese Werte korreliert mit seinen Alternativstandorten, die möglichst niedrige Werte für die Bevölkerung bedeuteten würden. Auch dabei werden Maximalwerte für die Menschen in Obergeschossen von fast zehn Milliwatt erreicht. Deutlich schlimmer sind die Werte allerdings rund um den geplanten Standort. Nießen: „Wir negieren nicht, dass wir alle Handys nutzen. Aber ich bitte Sie (die Mobilfunkbetreiber, Anm.d.Red.), die Bedenken der Bevölkerung ernst zu nehmen und nach Alternativen zu suchen“. 

In der Folge entwickelte sich ein Schlagabtausch zwischen Experte und Betreibern sowie den Pfrontener Gemeinderäten, die ebenso ihre Bedenken vortrugen. Frank Peter Käßler vonder Telekom sagte: „Wir haben uns diese Standorte zum Teil schon angeschaut und sind für uns nicht zu gebrauchen“, so der Telekom-Mann. „Damit ist keine sinnvolle innerörtliche Versorgung sicherzustellen“ 

Vodafone droht 

Er argumentierte vor allem damit, dass Daten- und Sprachdienste nicht vergleichbar seien und dass zwei Masten, wie sie Nießen vorgeschlagen hatte, für den nördlichen und südlichen Bereich aufgrund ihrer Nähe nicht funktionierten. Argumente, die jedoch kaum jemand im Raum nachvollziehen konnte, insesondere, da das im großstädtischen Bereich sehr wohl funktioniere. 

Die unverholene Drohung Schillings, man werde sich über die Bevölkerung und den Gemeinderat hinwegsetzen und am Wunschstandort bauen, nannte Alfons Haf lächerlich: „Sie sind Weltfirmen. Und als solche nicht in der Lage, für ein Dorf wie Pfronten eine technische Lösung zu finden“, sagte er. Zuvor schon hatte Schillings Äußerung, man könne sich keine zwei Standorte leisten, für Gelächter im Publikum gesorgt. Und für die Replik seitens des Gemeinderates, dass die Technik dem Menschen zu dienen habe, nicht umgekehrt. 

Die Mobilfunkbetreiber hätten die ethische Verantwortung, den Bedürfnissen der Menschen entgegenzukommen. Ein Entgegenkommen, das viele der Räte insgesamt nicht erkennen konnten in der Diskussion. Um die Diskussion abzuschließen, forderte Bürgermeisterin Waldmann die Mobilfunkgiganten schließlich auf, die Alternativen – so wie es vereinbart sei – ergebnisoffen zu prüfen. Eine Zusage, die zwar eher zögerlich, dann aber doch von beiden Vertretern gegeben wurde. Auch Experte Dr. Peter Nießen möchte seine Parameter abermals überprüfen, kündigte er an. Dafür benötigt er aber weitere Details der geplanten Masten wie Sendeleistung und Höhe.

gau

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