Füssener Getränkehersteller will keine Schwulenbar beliefern

Keine Limo aus Füssen für Schwule

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Waldmeister-Limonade der Marke „Phantasia“ aus Füssen. Nur für Heterosexuelle gedacht?

Füssen/Stuttgart – Klappern gehört gerade für Jungunternehmer zum Handwerk. Das dachten sich wohl auch Markus und Thomas Kern, Geschäftsführer des Füssener Getränkeherstellers TMW Kern GbR, und boten ihre neue Waldmeister-Limonade „Phantasia“ der „Boots Westernbar“ in Stuttgart an.

Diese sollte die Brause aus dem Ostallgäu in der schwäbischen Metropolregion bekannt machen. Doch der Schuss ging nach hinten los: Als die Kerns merkten, dass die „Westernbar“ eine Schwulenbar ist, zogen sie ihr Angebot zurück. „Homosexuelle gehören leider nicht in unsere Zielgruppe“, erklärte Markus Kern Bar-Betreiber Thomas Drewitz. 

Der war empört und machte die Sache im sozialen Netzwerk facebook öffentlich. Seitdem sieht sich die TMW Kern einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt, der mittlerweile sogar Thema in Bundestagskreisen ist. 

Dabei fing alles ganz harmlos an. Um die Waldmeister-Limo „Phantasia“ der im vergangenen Jahr gegründeten TMW Kern GbR aus Füssen-Weißensee über das Ostallgäu hinaus bekannt zu machen, boten die beiden 25 Jahre alten Füssener Zwillingsbrüder Thomas und Markus Kern ihr Produkt unaufgefordert Thomas Drewitz von der „Boots Westernbar“ an. Der suchte gerade nach neuen Alternativen in seinem Angebot und war zunächst begeistert von der Offerte aus dem Ostallgäu: „Das kam uns wie gerufen“, erzählte er am Mittwoch dem Kreisboten, „Wir hätten gerne mehr davon genommen“. 

„Das Angebot und die beiliegenden Erläuterungen haben uns sehr beeindruckt und daher möchten wir gerne unseren Gästen diese Getränke zum Probieren anbieten“, schrieb er deshalb per E-mail an Kern und bat gleichzeitig um 20 Pappaufsteller, „damit wir gut die Werbetrommel für Ihr Produkt rühren können!“ 

"Starker Tobak" 

Doch statt der erwarteten Zusage erhielt Drewitz eine Mail von Kern, mit der er im Leben nicht gerechnet hätte. „Das war schon starker Tobak, was ich da zu lesen bekam“, sagte er gegenüber dem Kreisboten. In seinem Schreiben zog Kern sein Angebot kurzerhand zurück, da Schwule nicht zur Zielgruppe der Firma gehörten. „Das soll auf keinen Fall abwertend wirken“, schrieb Kern. „Markenaufbau ist nur leider ein ganz heikles Thema und man rutscht ganz schnell in eine Schiene und wird damit verbunden“, so der Füssener weiter. „Sofern Ihre Bar keine Schwulenbar ist, würden wir Ihnen natürlich gern einen 24er-Tray zukommen lassen, gar keine Frage“, schloss er sein Schreiben an den Barbetreiber. 

Drewitz war empört und machte die Sache auf der facebook-Seite der Bar öffentlich. Seitdem erfährt er im Internet eine Woge der Solidarität. „Wir kriegen Zuschriften aus ganz Deutschland.“ 

Die Kerns dagegen sehen sich einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt. Innerhalb kürzester Zeit verurteilten hunderte Nutzer zum Teil recht deutlich auf facebook das Verhalten der Firma, das Telefon der Firma in Weißensee stand nicht mehr still. Irgendwann wurde es den Kerns zu viel und sie nahmen Anfang der Woche ihre Homepage offline und stellten das Telefon ab. „Es ist eine Welle der Verachtung losgegangen“, erklärte Markus Kern. Sogar seine Schwester sei am Telefon bedroht worden. 

Selbst zwei am Dienstag und Mittwoch in facebook veröffentlichte Entschuldigungen von ihm würden von der wütenden Internetgemeinde nicht akzeptiert, klagt er. „Alle Kommentare sind weiterhin abwertend.“ 

Menschlicher Fehler 

„Mir ist ein menschlicher Fehler unterlaufen. Ich habe das völlig missverständlich formuliert“, sagte er. 

Mit seiner Mail an Drewitz habe er eigentlich zum Ausdruck bringen wollen, dass er seine Waldmeister-Limo grundsätzlich lieber nicht im Nachtleben sehen würde. „Unser Naturprodukt passt da nicht hin“, so Kern. „Unsere Zielgruppe sind Kinder, Familien und Freizeitparks.“ Homophob oder gar schwulenfeindlich sei er keineswegs. Er habe sogar homosexuelle Kumpels. „Wir haben das niemals diskriminierend gemeint“, betonte er. 

In dieser Hinsicht ist sich Thomas Drewitz in Stuttgart allerdings nicht sicher. „Wenn ein oder zwei Sätze blöd formuliert wären...“, meinte er. „Aber das ist vom ersten bis zum letzten Satz homophob.“ Dennoch könne es nicht angehen, dass die Kerns und Angehörige nun bedroht würden. „Unbeteiligte sollten da nicht reingezogen werden. Das kann ich nicht tolerieren“, mahnt er zu Besonnenheit. 

Ohnehin sei die Sache für ihn zunächst einmal erledigt. Zumal Markus Kern angekündigt hat, dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) eine Spende zukommen zu lassen. „Das wäre okay“, so Drewitz.

 Bleibt noch die Politik. Einem Bericht des online-Portals queer.de zufolge hat der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) die Antidiskriminierungsstelle des Bundes um eine Prüfung des Vorfalls gebeten. „Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz besagt, dass niemand auf Grund von sexueller Identität im Zivilrecht benachteiligt werden darf", erklärte der Grünen-Politiker laut queer.de am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung. 

Beck warf dem Getränkehersteller laut queer.de Dummheit vor: „Limonade verkauft sich nicht besser mit homophoben Marketingstrategien von vorgestern.“ Beck kündigte an: „Wir trinken solange eine andere Limo.“

Matthias Matz

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