Recycelte Kunst, Erotik und viel Holz

Ausstellung »Körperhaftes«: Gemälde und Skulpturen sollen ab 27. Januar erneut in Tannheim zu sehen sein

Holzskulpturen stehen in einem Raum
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Lebensgroße Holzskulpturen sind in der Ausstellung „Körperhaftes” in der Galerie Augenblick in Tannheim zu sehen. Diese soll ab 27. Januar wieder für Besucher geöffnet werden.

Tannheim – „Kunst contra Corona” – so könnte man den Versuch bezeichnen, den die Galerie Augenblick in Tannheim Ende Dezember unternommen hat, drei außergewöhnlichen Künstlern eine Plattform zu bieten. Sandra Brugger, Marika Wille-Jais und Manfred Hellweger präsentierten Gemälde, Skulpturen und Plastiken unter dem Titel „Körperhaftes“ in den Räumen der Galerie – ganze sechs Tage lang. Dann musste Veronika Kunz-Radolf den Anordnungen der österreichischen Regierung Folge leisten und die Ausstellung schließen. Diese wird nun erst ab Mittwoch, 27. Januar, wieder zu sehen sein. 

Ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag durften Museen und Galerien in Österreich nicht mehr öffnen. Kamen zur Ausstellungseröffnung in der Galerie Augenblick, bei der alle drei Künstler anwesend waren, noch 35 Gäste, so tröpfelte der Besucherandrang an den folgenden Tagen nur so vor sich hin. Durch das Einreiseverbot für deutsche Urlauber nach Österreich scheint der Ort derzeit wie ausgestorben zu sein. Von Mittwoch, 27. Januar, bis Sonntag, 31. Januar, möchte die Galerie einen neuen Versuch bei der Ausstellung „Körperhaftes” starten, sofern die Grenzen wieder offen sind und Kanzler Sebastian Kurz kein kurzfristiges Veto einlegt.

Sandra Brugger, geboren 1986 in Schwarzach im Pongau, wohnt jetzt in Pettneu am Arlberg. Von 2009 bis 2013 besuchte sie die Fachschule für Kunsthandwerk und Design in Elbigenalp und ist seit 2013 selbstständige Bildhauerin. In Tannheim ist ihre „Recycle Kunst” zu sehen. Aus OSB, einem Material, das man sonst eher aus dem Baumarkt kennt und aus dem Amerikaner ihre Häuser bauen, schafft sie Büsten. Außerdem sind in der Ausstellung ihre Miniatur-Skulpturen aus Harz und Stein zu sehen. Mit geschickter Hand hat sie erotische Torsos geformt, die aus mehreren Schichten zusammengesetzt sind und an alte römische Statuen erinnern.

Meist großformatige Bilder in satten Farben

Von der weiblichen Erotik hat sich auch Marika Wille-Jais bei ihren Bildern inspirieren lassen. Sie lebt und arbeitet in Tarrenz in Tirol als freischaffende Künstlerin und stellt seit 1996 in verschiedenen Galerien und bei diversen Veranstaltungen aus. Ihre meist großformatigen Bilder sind geprägt von weiblichen Aktmotiven in sattem Rot, frühlingshaftem Gelb, warmen Braun- und Ockertönen, gelegentlich kombiniert mit eingearbeiteten Postkarten oder Paketverpackungen. In zahlreichen Mehrtageskursen, die für dieses Jahr geplant sind, gibt die Künstlerin ihr Wissen an Kunstinteressierte weiter.

Der Dritte im Bunde ist Bildhauer Manfred Hellweger. Er hat nicht nur den Geburtsjahrgang und den Wohnort mit Sandra Brugger gemeinsam, sondern er hat auch bei verschiedenen Gelegenheiten mit seiner Kollegin zusammengearbeitet. So haben sie unter anderem 2017 in der Iglu Lodge in Oberstdorf und seit 2014 im Schneedorf Hochötz gemeinsam die Eiswände künstlerisch gestaltet. Auch er hat während seiner Ausbildungszeit die Fachschule für Kunsthandwerk in Elbigenalp besucht.

Zarte Oberflächen

Nach Tannheim hat er mehrere lebensgroße Holzskulpturen mitgebracht, die aus verschiedenen Hölzern zusammengefügt sind. Deren Oberflächen sind so zart und glatt, dass so mancher Betrachter dazu neigt, diese berühren und streicheln zu wollen.

Sandra Brugger und Manfred Hellweger sind die einzigen österreichischen Künstler, die in dem Projekt „gemeinsam für die Kunst 2020“ der Bildhau KG/Köln mit ihren Werken vertreten waren. Die 25 im Katalog präsentierten Arbeiten hatte eine Jury aus rund 130 eingereichten Bewerbungen ausgewählt.

Wer die Künstler treffen möchte, hat dazu am Sonntag, 31. Januar, beim voraussichtlichen Ende der Ausstellung Gelegenheit. Diese soll von Mittwoch, 27. Januar, bis Sonntag, 31. Januar, mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen sein.

hg

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