Festspielhaus Füssen zeigt ab Sonntag Ludwigs Ideen in 3-D-Präsentation

Ludwigs Visionen auf Leinwand

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Für Entwicklung und Bau eines lenkbaren Luftschiffes erhielt Gustav Koch Geld von Ludwig II. Nach dessen Tod wurde das Projekt aber eingestellt.

Füssen – König Ludwig II. hatte viele Ideen und Visionen, war Neuem und vor allem technischen Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen. Was sich der Monarch vor über 100 Jahren schon vorgestellt hat bzw. was für ihn bereits realisiert wurde, das kann man ab kommenden Sonntag, 2. Juli, im Festspielhaus sehen. 

Bei einem Preview erklärte der Intendant des Festspielhauses, Florian Zwipf-Zaharia, am Freitagabend zusammen mit dem Dramaturgen Carsten Golbek die Entstehung des neuen Films „Ludwigs Visionen in 3 D“.

Schloss Falkenstein, hoch über dem Vilstal bei Pfronten, wurde nie gebaut. Nach den Plänen wäre es noch fantastischer geworden als Neuschwanstein. Auch der Pfauenwagen, der König Ludwig einem waagrechten Aufzug gleich von Schloss Neuschwanstein zum Alpsee hätte bringen sollen, gibt es nur auf Skizzen und Plänen. Dass man beides nun erleben und sogar begehen kann, das ist das Verdienst von Florian Zwipf und seinem Team aus Computerprogrammierern, einem Autoren und einem Professor für Robotik.

 Die Idee sei gewesen, so Florian Zwipf, dass man etwas für Haus haben wollte, um damit täglich Gäste hierher zu bringen. Was sei daher nahe liegender gewesen, als „ die schillernde Figur, den Mythos der Region anzugehen, Ludwig II.“ Aber, betonte Zwipf, nicht als Musical, nicht als Schauspiel. Sondern in einer ganz besonderen Form, „nämlich als großen Visionär und Träumer, der große Entwicklungen angestoßen hat und grandiose Pläne hatte“. 

Die er, teils vorbereiten ließ und teils auch schon umsetzen habe lassen. Die Idee sei, eine Bühnenschau zu kreieren, die die bühnentechnischen Gegebenheiten des Hauses kombiniere mit den Bühnenelementen zu einer Geschichte, die das Leben Ludwigs erzählt.

Spezielle Technik im Einsatz

Entstanden ist ein computeranimierter Film, der alte Pläne, Skizzen und Ansichten, wie sie Ludwig vorgelegen haben, zu einer dreidimensionalen Wirklichkeit auferstehen lässt. Mit Hilfe der speziellen Technik, die der Münchner Prof. Gerd Hirzinger entwickelt hat, können so, in Echtzeit, reale Aufnahmen kombiniert werden mit den Computeranimationen. 

Zwipf hatte schon im Jahre 2000, zusammen mit dem Autor Jean Louis Schlim, die Ausstellung „Ludwig II. und die Technik“ im Kloster von Füssen organisiert und veranstaltet. Seinerzeit hatte Gerd Hirzinger einen Vortrag über Ludwigs „Technik-Visionen“ gehalten und Video-Sequenzen über verschiedene technische Visionen von Ludwig II. gezeigt.

Mit Beginn der inhaltlichen und konzeptionellen Planungen für das Ludwigs Festspielhaus sei sehr schnell die Idee einer „Bühnenshow“ unter Verwendung der Videosequenzen von Hirzinger entstanden, erklärte Zwipf den Pressevertretern. 

Eine Idee, von der Hirzinger, der für die DLR (Deutschen Luft-und Raumfahrtagentur) arbeitet und dort ein spezielles Scanning-Verfahren entwickelt hat, mit dem man im Mikrometerbereich Aufnahmen machen kann. 18, zum Teil schon existente Videosequenzen, so Zwipf, habe man herausgesucht bzw. neu aufgebaut bzw. aufgearbeitet, teilweise wurden die Ausschnitte komplett neu entwickelt und zu denen Carsten Golbeck als Buchautor und Konzeptmitentwickler dann die Texte geschrieben hat.

Keine Schauspieler

 Schließlich wurde das inhaltliche Konzept in einem Buch niedergeschrieben, so Golbeck, und anschließend seien die Sprachsequenzen und die Musikeinspielungen in einem Tonstudio zusammen eingesprochen worden, die als Basis für die Zusammenschnitte der Videosequenzen dienten.

Hier wurden die virtuellen Räume in filmische Sequenzen umgewandelt, sprich Szenen geschaffen, die den vorgesprochenen Textinhalten entsprechen. Zu sehen sein wird kein Schauspieler auf der Bühne, so Golbeck. 

Stattdessen begleitet der Zuschauer Sissi und Ludwig, die, entsprechend ihren gegenseitigen Kosenamen Möwe (Sissi) und Adler (Ludwig) durch den Film fliegen und dabei die Schauplätze von Ludwigs Visionen, etwa Pfronten, den Alpsee oder den Tegelberg, wo das großartige Luftschiff hätte kreuzen sollen, besucht. 

Dabei unterhalten sich die beiden über die Visionen und was Ludwig davon sogar schon realisieren konnte. Wie etwa den Dachgarten auf der Residenz in München, den es heute aber so nicht mehr gibt.

Gab es am vergangenen Freitag ein erstes Preview des Films, der da noch nicht komplett fertig war, soll am Sonntag, den 2. Juli die Premiere steigen für den Film, den man nur mittels 3D-Brille sehen kann. Bis dahin haben die Programmierer noch einige Überstunden vor sich, damit die Visionen Ludwigs ebenso spektakulär erscheinen, wie die beiden Musicals, von denen Ludwig2 ebenfalls im Sommer wieder auf die Bühne kommen wird. 

Der Film, so Zwipf, ist für die gesamte Familie gedacht, bei Preisen, die einem Kinobesuch entsprechen. Zu sehen ist der Film täglich (ab dem 2. Juli) um elf Uhr vormittags. So dass im Anschluss auch noch Musicals oder andere Inszenierungen auf die Bühne kommen können. 

Manko bislang: der Film ist komplett in Deutsch, sodass Gäste, die der Spräche nicht mächtig sind, nur den Bildern folgen können, nicht aber die Details verstehen können. Abhilfe sollen hier Flyer schaffen, man sei aber dabei, eine Lösung hierfür zu finden, so Zwipf. Gedacht ist der Film natürlich auch als Ergänzung zum Schlossbesuch, quasi als eigenes Format.

gau

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