Minister Rupprechter weiht einzigartiges Hochwasserschutzprojekt bei Ehenbichl ein

Nie wieder "Land unter"

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Minister Andrä Rupprechter auf dem Einlaufbauwerk zur Geschiebefalle am Lech.

Ehenbichl – Dass die Kindergartenkinder von Ehenbichl einen Hauptpart bei der offiziellen Übergabe der „Schotterfalle“ zwischen Höfen und Ehenbichl bildeten, hat Symbolcharakter.

Das österreichweit einzigartige Hochwasserschutzprojekt soll auf Generationen hinaus Hochwassersicherheit für die Unterlieger bilden.

Als die jüngsten Bürger der Reuttener Nachbargemeinde dem „Hohen Tier“ aus dem Lebensministerium im fernen Wien Lechsteine übergaben, kam auch die Anerkennung der Bevölkerung für das so wichtige Wasserbauwerk zum Ausdruck. Jeder der Anwesenden konnte sich noch mit Schaudern an die Hochwasserereignisse 1999 und 2005 erinnern, als es „Land unter“ hieß. Solch bittere Situationen dürften sich nach menschlichem Ermessen nicht mehr wiederholen können. 

Die Geschiebefalle Hornberg in Ehenbichl/Höfen besteht aus einem neu angelegten Umgehungsgerinne und einem Geschiebeablagerungsbecken im alten Flussbett. „Investitionen in den Schutz und die Vorsorge vor Naturgefahren sind angesichts der häufigen extremen Wetterereignisse wichtiger denn je“, betonte Bundesminister Andrä Rupprechter. 

2017 fließen seinen Angaben zufolge in Tirol fast 66 Millionen Euro in umfangreiche Schutzmaßnahmen. „Die Geschiebefalle hält im Hochwasserfall Schotter und Geröll zurück, schützt so 300 Häuser vor Überflutungen und bietet gleichzeitig zahlreichen Arten neuen Lebensraum“, betonte Rupprechter.

Niedrigere Kosten

Erfreuliches Detail dabei: Die Kosten, die ursprünglich mit über sechs Millionen Euro veranschlagt waren, konnten um fast 20 Prozent reduziert werden. Die Kosten des Projektes, das in vierjähriger Bauzeit fertiggestellt wurde, haben sich das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sowie die Gemeinden Ehenbichl, Höfen, Lechaschau, Pflach und Reutte – in moderaten Verhältnissen für die Kommunen – geteilt. 

Vorreiter sind die Außerferner auch in Sachen Betrieb und Instandhaltung der Geschiebefalle. „Die 16 Gemeinden entlang des Lech sowie Infrastrukturpartner haben sich zu einem Wasserverband zusammengeschlossen. Sie werden gemeinsam dafür sorgen, dass das Geschiebeablagerungsbecken regelmäßig geräumt wird, damit es im Hochwasserfall auch seine volle Schutzwirkung entfalten kann“, freute sich Hubert Steiner, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Tirol. 

Der Erlös aus dem Schotterverkauf bleibt in der Region und wird in die Erhaltung bestehender Schutzwasserbauten am Lech reinvestiert. 

Technisches Meisterwerk

Technisch sei die Geschiebefalle Hornberg eine Meisterleistung, die vor Baubeginn in einem Modellversuch auf Herz und Nieren getestet wurde. 

„Die Geschiebefalle funktioniert. Wir hatten seit Fertigstellung zwar noch kein Hochwasser, haben aber bereits 70.000 Kubikmeter Schotter umweltschonend aus der Geschiebefalle entnommen“, erklärte Wolfgang Klien, Leiter des Fachbereichs Wasserwirtschaft im Baubezirksamt Reutte. Umweltschonend deshalb, weil die Geschiebebewirtschaftung konzentriert an einer Stelle erfolgt und der Fluss nicht über weitere Strecken mit schwerem Gerät ausgebaggert werden muss. 

Führt der Lech Normalwasser, fließt der überwiegende Teil des Wassers nunmehr im neuen Umgehungsgerinne. Dieses neue Gerinne sorge auch für den weiterhin notwendigen, aber reduzierten Geschiebetransport und die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers.

Je mehr Wasser der Lech führt, desto mehr verbleibe davon im alten Flussbett. Dort fließt das Wasser samt Schotter und Geröll über eine Rampe in ein 700 Meter langes Ablagerungsbecken. „Wir stellen dem Lech eine Falle. Bei einem 100-jährlichen Hochwasser bleiben 80 Prozent des mitgeführten Geschiebes im Ablagerungsbecken liegen“, führte Klien aus.

 „Durch den Hochwasserschutz werden unsere Gemeinden sicherer und als Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiver“, so Ehenbichl Bürgermeister Wolfgang Winkler. Rund 300 Häuser in Ehenbichl, Höfen, Lechaschau, Pflach und Reutte werden mit dem nunmehr offiziell eingeweihten Projekt vor Hochwasser geschützt. 

Dass die Arbeiten am Gewerk zum großen Teil von heimischen Firmen erbracht wurden, sei darüber hinaus ein weiterer positiver Aspekt an der „Falle“ von Hornberg.

niko

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