Tegelberg soll für Kinder und Familien attraktiver werden

Mehr Eigenverantwortung auf der Piste

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Auch künftig können die Skifahrer die Abfahrt vom Tegelberg genießen. Allerdings kann die Piste unter Umständen nicht ganz so perfekt präpariert sein wie hier – Skiroute bedeutet nur Schutz vor Lawinengefahr.

Schwangau – Wenn jetzt die ersten Schneeflocken fallen und allerorten im Allgäu die Schneekanonen dafür sorgen sollen, dass die Fans des weißen Sports auf ihre Kosten kommen, können sich die Verantwortlichen am Tegelberg ein wenig entspannen.

Denn mit Beginn der neuen Wintersaison wird ein neues Konzept umgesetzt, das den Tegelberg vor allem für Familien und Kinder attraktiver machen soll. Auch auf der Skihauptabfahrt ändert sich etwa – diese wird zur Skiroute umgewidmet. Wer in ein Skigebiet fährt um dort seinem Sport zu fröhnen, muss sich in der Regel keine Gedanken über die Rahmenbedingungen machen: Mit dem Skipass bekommt der Skifahrer präparierte Pisten und ist sicher vor Lawinen und anderen Gefahren – aber nur auf der Piste. 

Für diese ist der Betreiber verantwortlich, erzählt Frank Seyfried. „Der Skifahrer muss nicht damit rechnen, dass plötzlich ein Hindernis auf der Piste auftaucht“, erklärt der Geschäftsführer der Tegelbergbahn. „Wenn etwa der Wind einen Baum umgeworfen hat“. Eine Piste, so Seyfried, muss geschützt werden vor atypischen Gefahren. Was aber hat das nun mit dem neuen Konzept zu tun, das Seyfried für den Tegelberg verfolgt? 

Bislang stellte diese Situation auf der Piste ein Problem dar – die Begegnung von Tourengängern und Abfahrern. Auf der Skiroute am Tegelberg ist nun jeder für sich Verantwortlich und muss mit solchen Begegnungen rechnen.

Der vergangene Winter brachte es an den Tag: Auf der Tegelberghauptabfahrt lag Schnee, aber die Skifahrer konnten nicht fahren, vor allem nachdem ab Ende Dezember der Schnee fehlte. Zwar lag dank der Beschneiung genug Schnee im unteren Bereich, doch man habe die Piste nicht „perfekt“ herstellen könne, erklärt Seyfried. Dazu gehöre zum Beispiel auch, etwa einen Sturzraum schaffen zu können.

Aber man habe des Öfteren Stimmen gehört, die forderten, „Ich will fahren“. Man habe aber die Skipiste nicht eher öffnen können, denn die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Skipiste schreiben explizit vor, dass nicht nur der Schwierigkeitsgrad (leicht-mittel-schwer) markiert sein muss. Auch muss die Piste ausreichend breit markiert sein, nach Möglichkeit präpariert, vor allem auch kontrolliert und schließlich eben geschützt vor typischen (Lawinen) und atypischen (Windwurf) alpinen Gefahren. 

Demgegenüber steht im so genannten organisierten Skiraum, zu dem auch die Piste zählt, die Skiroute. „Die muss ich nur markieren und vor Lawinen schützen“, erklärt Seyfried. Es genügt also, ein Schild aufzustellen, dass das Areal zu einer Route erklärt und die Nummer.

Alle werden bedient

Die dritte Variante schließlich ist der freie Skiraum, den vor allem Tiefschneefahrer und Tourenskigeher nutzen, abseits jeglicher Pisten, unpräpariert und nicht kontrolliert und schon gar nicht geschützt vor typischen oder atypischen Gefahren. Doch das ist am Tegelberg ohnehin eher nicht möglich. Mit dem Konzept, das Seyfried heuer erstmals auf dem Schwangauer Hausberg umsetzen wird, werden verschiedenste Ansprüche bedient. 

Da sind zu einem die Familien mit ihren Kindern, wo vor allem die Kinder Skifahren sollen bzw. es erlernen sollen. Die Tallifte werden auch weiterhin beschneit und präpariert, damit hier sowohl Anfänger als auch Familien fahren können. 

Auch für die Skiclubs gilt das Angebot, die unter anderem am Reithlift neben der Beschneiung auch eine beleuchtete Piste vorfinden. Wer es sich zutraut, kann auch mit der Gondel auf den Tegelberg fahren und dort über die Hauptabfahrt zu Tal sausen. Allerdings muss er oder sie sich der Gefahren bewusst sein. „Wir setzen bei der Skiroute auf die Eigenverantwortung der Nutzer“, so Seyfried. 

Wer in Folge eines Steins auf der Piste oder eines anderen Fleckens stürzt oder auch mit einem Tourengänger zusammen stößt, kann sich nicht beschweren. „Auf der Skiroute muss ich mit aufwärts gehenden Tourengehern rechnen“, so der Seilbahnbetreiber, der auch für den Breitenberg in Pfronten und den Buchenberg in Buching zuständig ist. Dort soll sich aber im Moment nichts an der rechtlichen Situation ändern. 

Gut für Hüttenwirte

Mit Hinblick auf die Tourengänger, die auch schon früher auf den Tegelberg aufgestiegen sind, hofft Seyfried trotzdem, dass sie über den Schutzengelweg aufsteigen werden. Und die neue Situation sei gut für die Hüttenwirte wie auf der Rohrkopfhütte, bis wohin ja auch beschneit wird. So müssen die Skifahrer für den Einkehrschwung nicht unbedingt mehr von oben kommen. Nachdem viele der Tourengeher – manchmal auch etwas negativ als Pistengeher bezeichnet – gerne am Feierabend aufsteigen, werde es auch keine Probleme mit den Pistenraupen mehr geben

. Denn die mussten bislang, nachdem die Skilifte ruhten, raus und die Abfahrten für den nächsten Tag herrichten, was nun ja entfällt bzw. nicht mehr zwingend nötig ist. Seyfried: „Wir können alles machen, also Beschneien, Präparieren und auch kontrollieren. Aber wir müssen es nicht!“. 

So werde man auch weiterhin die Pisten präparieren, so der Geschäftsführer der Tegelbergbahn. Aber künftig gibt es nicht unbedingt mehr einen Sturzraum, etwa, wenn zu wenig Schnee liegt. Man könne in Schwangau angesichts der Verhältnisse nicht mit großen Skigebieten mithalten, ist sich der Geschäftsführer bewusst. 

Vor allem die an manchen Stellen steile Hauptabfahrt stellt schon eine Herausforderung für die Skifahrer dar. Somit sei das neue Konzept ein wenig „Zurück zu den Wurzeln“, näher an der Natur. Das sehe auch das Angebot vor, den Gästen in Schwangau ein Wintererlebnis bieten zu wollen. 

Neuer Aussichtspunkt

Neben dem Langlauf und den Skiliften im Tal gehört dazu ein ausgebauter Wanderweg, der auch im Winter geräumt wird, damit die Gäste nur etwa zehn Gehminuten von der Bergstation entfernt die weiße Winterlandschaft erleben können. 

Dazu hatten auch die Mitarbeiter der Tegelbergbahn eigens einen Aussichtspunkt geschaffen. „Es geht darum, dass die Gäste Spaß haben“, so Seyfried. Dazu gehören nicht unbedingt Skier, vielleicht aber Schneeschuhe, mit denen man Wandern kann. Oder ein Schlitten bzw. Rodel. Das werde man heuer ein wenig testen. Analog zur Sommerrodelbahn könnte sich Seyfried nämlich auch eine Snowtubing-Anlage unterhalb der Tragseile der Tegelbergbahn vorstellen. 

Dazu werde man heuer die ersten „Gehversuche“ wagen und die ehemalige Skipiste in diesem Bereich für die Rodler präparieren, kündigt Seyfried an. Und last but not least gehört zum neuen Winterkonzept auch die neue Marketingstrategie, die nun mit den ersten Prospekten umgesetzt werden soll – ein klein wenig auch hier, zurück zu den Wurzeln.

Oliver Sommer

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