Füssener Stadtrat torpediert mit seinen Beschlüssen womöglich seinen eigenen Ziele

Steckt Hopfen bald im Funkloch?

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Beim Wasserbehälter auf dem Galgenbichl soll einer der neuen Sendemasten gebaut werden.

Füssen – Frank-Peter Käßler ist einiges gewohnt. Als Kommunalbeauftragter Mobilfunk der Telekom sitzt er mehrmals in der Woche in Stadtrats- oder Gemeinderatssitzungen, um den Räten zu erklären, warum da oder dort ein Sendemast gebaut werden muss und warum ein Standort der bestmögliche ist oder nicht.

In der vergangenen Woche aber wurde Käßlers Geduld auf eine harte Probe gestellt. Dreieinhalb Stunden lang diskutierte der Stadtrat über die Mobilfunkstandort Galgen- und Fischerbichl, um sich am Ende doch nur auf einen Minimalkompromiss zu einigen. 

Doch mit genau diesem Kompromiss könnten die Stadträte erreichen, was sie eigentlich verhindern wollten – nämlich dass die Telekom mehrere kleinere Anlagen auf Privathäuser in Wohngebieten baut oder dass die Verbindung künftig deutlich schlechter wird. Denn das Gremium stellte sein kommunales Einvernehmen für die beiden auserkorenen Standorte, wie bereits berichtet, nur in Aussicht und machte dies von einigen Zugeständnissen der Telekom abhängig. So soll unter anderem vertraglich festgehalten werden, dass die politischen Gremien eine spätere technische Aufrüstung der beiden Anlagen durch die Provider absegnen müssen. 

Außerdem soll ein Arbeitskreis binnen zwei Monaten einen Lösungsvorschlag für den geplanten Standort Hopfen/Eschach unterbreiten. 

Klare Ansagen 

Ob die Mobilfunkanbieter darauf tatsächlich eingehen, ist allerdings fraglich. Frank-Peter Käßler machte bereits in der Sitzung vor den chaotischen Abstimmungen mehrmals deutlich, dass die Geduld der Telekom mit den Füssenern sich dem Ende neigt. Denn der Vertrag mit dem Grundstückeigentümer in Eschach, auf dem derzeit eine große Sendeanlage steht, läuft Ende des Jahres aus. Deshalb müsse spätestens im Oktober mit dem Bau der neuen Anlagern begonnen werden, erklärte er. Dieser könnte bis zu zwei Jahre dauern. 

Er habe zwar Verständnis für die Bedenken einzelner Stadträte, aber nach vier Jahren Standortsuche müsse nun eine Entscheidung her. „Wir werden diese acht Wochen nicht warten“, machte er unmissverständlich klar. „Wir haben uns schon viel viel Zeit gelassen. Eine never-ending-story bringt niemandem etwas.“ 

Auch der Forderung des Gremiums nach Mitbestimmung bei einem technischen Ausbau der Masten erteilte er eine klare Absage: „Wir unterzeichnen Verträge, in denen eine Leistungsreduzierung festgeschrieben werden soll, nicht!“ Könne sich der Stadtrat nicht einigen, „werden wir in die weitere Akquise gehen“, warnte er. Das könne unter Umständen bedeuten, dass der Konzern mehrere kleine, genehmigungsfreie Sendeanlagen in Füssen und Hopfen auf Privathäuser mitten in einem Wohngebiet baut. 

Einigung machbar? 

Genau dieser Fall könnte nach der Entscheidung vom vorvergangenen Dienstagabend nun eintreten. Dementsprechend enttäuscht äußerte sich Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Tag nach der Sitzung über das Ergebnis. Zwar müsse die mit großer Mehrheit gefällte Entscheidung des Stadtrats akzeptiert. Aber: „Jetzt kommt es drauf an, wie die Telekom reagiert“, sagte er gegenüber dem Kreisboten. „Aber das kann ich heute noch nicht sagen.“ 

Sei er die Telekom, wisse er jedoch, wie er auf die Auflagen reagieren würde: „Ich würde das als Provider nicht mitmachen“, betonte er. 

Zwei Tage nach der Sitzung relativierte Käßler seine Aussagen vom Dienstag gegenüber dem Kreisboten etwas. Hinsichtlich des Standorts Galgenbichl sei er zuversichtlich, mit der Stadtverwaltung zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, erklärte er. „Wir gehen von einer Einigung aus“, sagte er am Donnerstag. 

Etwas anders sieht die Sache aber beim Fischerbichl aus, wo noch einmal zwei Monate Aufschub gewährt werden soll. Das müsse innerhalb des Konzern zunächst noch beraten werden, erklärte Käßler. „Das ist noch ein laufender Prozess.“ Nichtsdestotrotz stehe fest, dass im Oktober mit dem Abbau der bestehenden Anlage in Eschach begonnen werden müsse. „Ab Ende Oktober sieht es dann sehr schlecht mit der Mobilfunkversorgung in Hopfen aus“, erklärte er. 

Eine weitere Option, das Problem doch noch zu lösen, gibt es übrigens noch: Die Telekom lässt sich das kommunale Einvernehmen von dem der Stadt übergeordneten Landratsamt erteilen.

Matthias Matz

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