Macht und Abschreckung

Theologe referiert bei den Kurgesprächen über Friedensethik

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Kann die Idee vom „gerechten Krieg” durch die vom „gerechten Frieden” abgelöst werden? Theologen wie Professor Dr. Reiner Anselm (rechts), den Pfarrer Jörn Foth (links) vorstellte, suchen darauf eine Antwort.

Füssen – Viel Stoff zum Nachdenken haben die Besucher jetzt beim Vortrag „Aktuelle Herausforderungen in der Friedensethik” während der „Füssener Kurgespräche” erhalten. 60 Zuhörer versammelten sich dafür im Franziskanerkloster, um Professor Dr. Reiner Anselms Ausführungen zu lauschen.

Dem Theologen, der 2014 auf einen Lehrstuhl an der Ludwig-Maximilians-Universität München berufen wurde, habe bei seinem ersten Kurgespräche-Vortrag „Füssen so gut gefallen”, dass er gerne wieder gekommen sei, erklärte Pfarrer Jörn Foth aus dem Team der „Füssener Kurgespräche” gut gelaunt. Viel gesehen von der Stadt hat der Hochschullehrer diesmal allerdings nicht. Gerade noch pünktlich vor 20 Uhr angekommen, musste er um 21.30 schon wieder am Bahnhof sein, um die letzte Möglichkeit der Rückreise wahrzunehmen. Entsprechend kurz fiel daher die Frage- und Diskussionsrunde aus, die sich jedem Vortrag im Rahmen der ökumenischen Reihe anschließt. 

Dies war jedoch kein Manko, denn der einstündige akademische Vortrag „Aktuelle Herausforderungen in der Friedensethik”, den die Besucher mit viel Beifall aufnahmen, regte das Publikum zum gründlichen Nachdenken an. Wenn demokratische Staaten der westlichen Welt Armeen nicht allein aus wirtschaftlichen Interessen in Krisengebiete schicken, sondern „mit flammender Empörung” über schwere Menschenrechtsverletzungen mit eigener Gewalt auf die herrschende Gewalt reagieren, verstärke sich dadurch oft noch das Chaos vor Ort. „Moralischer Hochmut”, erklärte Anselm, könne Konflikte verstärken. 

Als Beispiel aus der jüngeren Zeitgeschichte führte er das ehemalige Jugoslawien an. Die Auflösung geschah bekanntlich auf sehr blutige Weise. 

Kompromiss finden 

Anselms Vortrag beleuchtete die zentrale Frage, nach welchen Kriterien Entscheidungen über Krieg und Frieden getroffen werden müssten, „um sie nicht einfach dem Ränkespiel der Kräfte zu überlassen”. Hilfreich sei es für westlich orientierte Rechtsstaaten – auch ungewöhnliche – Partnerschaften einzugehen, um letztlich gemeinsam Lösungen – sprich einen Kompromiss – zu erreichen. 

Der pazifistischen Bewegung hielt Anselm entgegen: „Macht und Abschreckung bleibt weiter Teil der Friedensethik und Friedensarbeit.”. Ohne den kostspieligen militärischen Schutz im Ausland wären fachmännische Aufbauprojekte problematisch, weil die dort engagierten Menschen ihren Einsatz überleben sollten. Die Friedensethik habe „von der Realität der Gewaltanwendung auszugehen”, wie Anselm an Beispielen deutlich machte. Im grundsätzlich herrschenden fünfteiligen Spannungsfeld – Schutz vor Gewalt, Förderung von Freiheit, Abbau von Not und Anerkennung von kultureller Verschiedenheit – sei es erklärtes Ziel der Gewaltanwendung weniger Raum zu lassen. 

Szenische Lesung

Am Dienstag, 13. August, um 20 Uhr referiert Wiltrud Stieger aus Innsbruck über „,Bist Du sicher Martinus?' – Die Tischreden der Katharina von Bora”. Die Besucher erwartet eine szenische Aufführung der „ungehaltenen Reden“ der ehemaligen Nonne Katharina von Bora (Wiltrud Stieger) an ihren angetrautenMann Martin Luther.

kb

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