Auf ein Rekordjahr folgt die Ernüchterung

Tief in den roten Zahlen: Die Corona-Krise verhagelt auch der Forggenseeschifffahrt die Bilanz

MS Füssen und MS Allgäu auf dem Forggensee
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Nach einem Rekordjahr 2019 wird die Corona-Krise der Forggenseeschifffahrt die Bilanz für dieses Jahr gehörig verhageln. Schon jetzt ist absehbar, dass der städtische Eigenbetrieb heuer rote Zahlen schreiben wird.

Füssen – War das Geschäftsjahr 2018 für die Forggenseeschifffahrt wegen des nicht aufgestauten Sees ein wahrer Alptraum, verzeichnete der städtische Eigenbetrieb für das Jahr darauf das zweitbeste Geschäftsergebnis in seiner über 60-jährigen Geschichte: rund 106.000 Euro Gewinn blieben 2019 unterm Strich in der Kasse. Und hätte die MS „Füssen“ wegen eines kaputten Motors nicht für drei Tage im Dock gelegen, „wäre das Ergebnis noch besser gewesen“, wie Schifffahrtsleiter Helmut Schauer vergangene Woche im Werkausschuss berichtete. Doch das war nicht der einzige Rekord, den beiden Schiffe im vergangenen Jahr aufstellten. Gegenwart und Zukunft sehen hingegen weniger rosig aus.

Neben dem zweitbesten Geschäftsergebnis in der Geschichte der Füssener Schifffahrt registrierte der Eigenbetrieb der Stadt im vergangenen Jahr mit 109.509 Passagieren in fünf Monaten auch einen neuen Fahrgastrekord – nicht zuletzt auch deshalb, weil die beiden Schiffe zwei Wochen länger bis Anfang November fahren durften. Auch beim Umsatzerlös stellte die Schifffahrt einen neuen Bestwert auf: Über 1,1 Millionen Euro sind laut Schauer Rekord. Neben den hohen Fahrgastzahlen ist dieser auch auf die höheren Ticket-Preise zurück zu führen.

Zwar fiel der Gesamterlös mit rund 1,16 Millionen Euro etwas niedriger aus als veranschlagt (1,17 Millionen Euro). Da das Unternehmen im gleichen Zeitraum aber auch 117.400 Euro weniger ausgab als prognostiziert, bleibt unterm Strich ein Gewinn von 106.500 Euro. Das Jahr zuvor schloss die Schifffahrt noch mit einem Minus von nahezu 547.000 Euro ab.

Dennoch lief auch 2019 nicht alles rund bei dem Eigenbetrieb. So fiel die MS „Füssen“ im Juni wegen eines Defekts an dem erst 2018 neu eingebauten Motor vier Tage lang aus. Der Ausfall des Triebwerks ereignete sich während des laufenden Linienbetriebs, wobei die Fahrgäste aber alle sicher an der Anlegestelle Dietringen von Bord hätten gehen können.

Von dort wurden sie anschließend mit der MS „Allgäu“ zu den jeweiligen Schiffsanlegestellen gebracht. Die MS „Füssen“ konnte mit Hilfe der Notsteuerung auf ihren Liegeplatz in Füssen manövriert werden, blickte der Schifffahrtleiter zurück. Außerdem ereigneten sich im Laufe der Saison zwei Arbeitsunfälle, bei denen jeweils ein Mitarbeiter verletzt wurde. „Mittlerweile sind beide aber wieder genesen“, berichtete Schauer.

Viel Vorarbeit

Vor der Saison seien beide Schiffe, die Anlegestellen, Bootshäuser sowie das Betriebsgebäude aufwändig renoviert und modernisiert worden. „Auch die Optimierung des Marketings, grundlegende Qualitätsverbesserungen des gastronomischen Angebots und weitere kleinere Maßnahmen führten insgesamt zu einem neuen und ansprechend modernen Erscheinungsbild der Schifffahrt, das sich im Jahresergebnis widerspiegelt“, freute sich Schauer.

Dazu gehörten unter anderem der Umbau des Fahrgastraumes der MS „Allgäu“. Die Planung eines Hochwasserliegeplatzes für beide Schiffe erfolgte im Herbst des vergangenen Jahres, die Umsetzung nach erteilter Genehmigung durch die Wasserschutzbehörde heuer im Frühjahr.

Bewährt hat sich laut Betriebsleiter Schauer auch die bereits 2018 beschlossene Fahrplanänderung für die kleine Rundfahrt. Mit der Umstellung seien die Ein- und Ausstiegszeiten für die Fahrgäste verlängert worden, was zur Gästezufriedenheit beigetragen habe. „Neben der Einsparung von rund 600 Litern Kraftstoff und zahlreichen anderen Vorteilen war somit die Änderung des Fahrplans eine zutreffende Entscheidung und hat dadurch insgesamt zu einer wesentlichen Verbesserung im Ablauf des Linienverkehrs beigetragen“, bilanzierte Schauer.

Darüber hinaus habe sich die Aufführung des Musicals „Der Schwanenprinz“ an Bord der MS „Füssen“ einmal mehr als Publikumsmagnet erwiesen. Unter dem Motto „LeseLotte geht an Bord“ wurde zusammen mit der Stadtbibliothek Füssen in der abgelaufenen Saison erstmals und erfolgreich auch ein eigens für Familien mit Kindern abgestimmtes Fahrprogramm mit positiven Effekten für das Image der Schifffahrt angeboten.

Neue Hiobsbotschaft

So gut das vergangene Jahr aus wirtschaftlicher Sicht auch war, heuer stellt sich die Situation bereits wieder ganz anders dar. „Es war wieder eine Hiobsbotschaft nach 2018“, erinnerte Schauer an den Ausbruch der Corona-Pandemie. Zwar konnten die MS „Füssen“ und MS „Allgäu“ im Sommer dank eines ausgeklügelten Hygienekonzepts ablegen. Doch an ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr ist aufgrund der stark reduzierten Passagierzahlen kaum zu denken. So waren statt der möglichen 420 Sitzplätze auf der MS „Füssen“ nur 128 belegbar. Bei der MS „Allgäu“ waren es statt 200 nur 75. „Das Ganze war sehr sehr aufwändig, hat sich aber aus touristischer Sicht gelohnt“, so Schauer.

Die Gewinn- und Verlustrechnung für den Zeitraum Januar bis Oktober weist dennoch einen Verlust von über 323.900 Euro aus (der Kreisbote berichtete). Zum Vergleich: im Vorjahr befand sich die Schifffahrt zum gleiche Zeitraum mit 352.000 Euro in der Gewinnzone. Optimistisch stimmen Schauer aber zumindest die Erträge in Höhe von rund 605.000 Euro. „Vor zehn Jahren war das noch ein erfolgreiches Jahr, von daher stimmt uns das nicht ganz so negativ“, sagte er. Das Ziel sei, das Defizit für dieses Jahr unter 200.000 Euro zu drücken. „Dann ist es noch vertretbar.“

Große Hoffnungen auf staatliche Unterstützung hegt der Werksleiter derzeit nicht, wie er auf Nachfrage von Ilona Deckwerth (SPD) erklärte. Ausgleichszahlungen für entgangene Einnahmen seien derzeit nur für den November vorgesehen, wovon die Schifffahrt jedoch nicht profitieren werde. „Im November fährt kein Schiff!“ Wie sich die Situation aber künftig entwickeln werde, „wissen wir alle nicht“.

Für das kommende Jahr geht Schauer von einem Minus in Höhe von 135.000 Euro aus. „Die Umsatzerlöse stehen mit großer Wahrscheinlichkeit auch 2021 noch im direktem Einfluss der Pandemie und deren wirtschaftlichen Auswirkungen.“ Daher rechne er mit Gesamterträgen von 805.300 Euro. An Ausgaben sind laut Wirtschaftsplan aber insgesamt 940.300 Euro vorgesehen.

mm

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