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Tirol schließt nach sechs Jahren Renaturierungsprojekt am Lech ab

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Von: Katharina Knoll

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Hängebrücke über den Lech in Forchach
Auf der neu erbauten Fußgänger-Hängebrücke in Forchach können Besucher den Lech von oben erkunden. © Land Tirol/Christanell

Reutte – Nach sechs Jahren Laufzeit wird im September das zweite LIFE-Projekt „Dynamic River System Lech“ abgeschlossen. Damit fließt der Tiroler Lech wieder in natürlichen Bahnen. Das ist nicht nur gut für die Artenvielfalt, sondern auch für den Hochwasserschutz. Den Abschluss des Projektes feierten Politiker und Vertreter der zuständigen Institutionen jetzt in Forchach, wo sie die neue Fußgänger-Hängebrücke eröffneten.

Ausgedehnte Sand- und Kiesbänke, verzweigte Flussläufe und ein weitläufiges Flussbett mit einer Breite von bis zu 400 Metern sowie seltene Fauna und Flora wie Purpurweiden, gefleckte Schnarrschrecken, Flussläufer und Kreuzkröten – all das ist im Naturpark Tiroler Lech im Bezirk Reutte zu finden.

Auf rund 65 Kilometern Länge stellt der Lech in Tirol eines der letzten naturnahen alpinen Flussgebiete Österreichs und eine der letzten größeren zusammenhängenden Wildflusslandschaften im nördlichen Alpenraum dar – doch das war nicht immer so: Erst durch die Renaturierungsarbeiten im Zuge zweier „LIFE-Projekte“ fand die Flusslandschaft zu mehr Natürlichkeit und Dynamik zurück.

Im Jahr 2000 wurde das Flusssystem Lech als „Natura 2000 Gebiet“ ausgewiesen und damit unter besonderen Schutz gestellt. Von 2001 bis 2007 bekam der Fluss im Rahmen des LIFE-Projekts „Wildflusslandschaft Tiroler Lech“ seine Natürlichkeit an vielen Streckenabschnitten im Mittel- und Unterlauf zurück. Darauf aufbauend startete 2016 das zweite LIFE-Projekt „Dynamic River System Lech“.

23 Hektar mehr Raum

Insgesamt 13 Flussbauarbeiten zur Re-Dynamisierung des Lechs wurden im Rahmen des mit sechs Millionen Euro dotierten Projektes im Oberlauf des Lech sowie im Grenzverlauf auf deutschem Staatsgebiet umgesetzt. Unter anderem entfernten Arbeiter Flussverbauungen, verbreiterten das Flussbett, legten Nebenarme an und kürzten Querverbauungen. Dabei trugen sie rund 72.000 Kubikmeter Flussbausteine ab und entfernten über 7000 Meter an Längsverbauungen.

Gleichzeitig wurde auch der Hochwasserschutz verbessert: „Durch die Flussaufweitungen konnten rund 23 Hektar an zusätzlichen Flussraum geschaffen werden – das entspricht einer Fläche von rund 32 Fußballfeldern. Diese Flächen wirken als zusätzlicher Puffer bei Hochwassergefahr“, erklärte Landshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP). Dadurch kann sich der Lech in Zukunft auf über 60 Hektar entwickeln.

Bedrohte Tiere und Pflanzen schützen

Auch unterschiedliche Schritte zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten wurden getan. So entstanden mehr als 50 neue Laichgewässer für Amphibien und Libellen. Auch aus der Lech-Region nahezu verschwundene Pflanzenarten wie der Zwergrohrkolben wurden wieder angesiedelt.

„Im Rahmen eines umfangreichen Monitoringprogrammes werden die getätigten Maßnahmen auch in Zukunft laufend kontrolliert und gegebenenfalls adaptiert“, sagte Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Die Grüne).

„Der Lech ist ein Paradebeispiel zukunftsfähiger Gewässerentwicklung und zeigt, dass Hochwasserschutz, Gewässerschutz und Naturschutz Hand in Hand gehen können“, erklärt Geisler, der für Wasserwirtschaft zuständig ist.

Naturschutzreferentin Felipe ergänzt, dass der Lech in der Vergangenheit durch Flussregulierungen stark eingeengt wurde, wodurch Tiere und Pflanzen ihren natürlichen Lebensraum verloren. „Durch die LIFE-Projekte konnten wir diese Eingriffe weitestgehend rückgängig machen. Heute ist der Lech mehr denn je ein einzigartiges Naturjuwel.“

Besucher sensibilisieren

Das untermauert auch Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann (ÖVP), die aus dem Bezirk stammt: „Das gesamte Außerfern besticht durch eine einzigartige Naturlandschaft, die auch vom Lech geprägt wird. Als über die Grenzen hinweg bekannter Wildfluss ist er in seiner Art und seinem Charakter zu schützen. Projekte wie diese sind es, die dafür sorgen, dass auch kommende Generationen von unserer Natur in der Form profitieren können.“

Ein wesentlicher Teil des „LIFE-Projektes“ ist die Bewusstseinsbildung: „Informationsveranstaltungen und geführte Exkursionen durch das Gebiet bringen Interessierten die Wildflusslandschaft näher, sensibilisieren für eine nachhaltige Gewässerentwicklung und steigern die Akzeptanz für das Projekt in der Bevölkerung“, erklärte Markus Federspiel.

Neue Hängebrücke eröffnet

Gleichzeitig könne so der Besucherstrom gelenkt und die empfindliche Naturzone entlastet werden. Zur Bewusstseinsbildung gehört auch die neue Hängebrücke in Forchach, die sich 150 Meter über den natürlich fließenden Lech erstreckt. Direkt am Ausgangspunkt der Brücke findet sich zudem ein neuer Erlebnis- und Erholungsraum. Neben Informationen zum Thema Wildfluss bieten Grillplätze und ein Auwald-Niederseilgarten unterschiedliche Freizeitangebote.

Projektträger von „Dynamic River System Lech“ ist die Bundeswasserbauverwaltung Tirol. Als Projektpartner sind zudem die Abteilung Umweltschutz des Landes und das Wasserwirtschaftsamt Kempten mit an Bord. Der „LIFE-Natur-Fonds“ der Europäischen Union fördert die Kosten zu 60 Prozent.

kb

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