Beatles-Musical: Mit ihrem musikalischen Können überzeugen "Twist & Shout" das Publikum

Die "Beatles" verführen zum Tanzen

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John Brosnan als George Harrison überzeugt wie seine Bandkollegen mit seinem musikalischen Können das Publikum im Festspielhaus.

Füssen – Das Füssener Publikum jubelte: Nach zirka drei Jahren hat das sogenannte „Beatles Musical“ jetzt im Festspielhaus vor 500 Besuchern ein begeisterndes Comeback gefeiert.

Im Publikum wurde sogar getanzt. Klatschende Hände und wippende Füße, hier und da ein Hüftschwung: man machte richtig munter mit, als auf der Bühne vom Erfolgsweg der „Pilzköpfe“ berichtet wurde, die größer werden wollten als Elvis, der King. 

Von der politisch stark bewegten Zeit damals weiß die professionell servierte Produktion so gut wie nichts zu berichten. Alles dreht sich um die Musik, die damals aus der Musicbox in der Stammkneipe kam. Wer erinnert sich nicht gern an „Penny Lane“, diese musikalische Perle? „ Yeah, yeah, yeah“ mitsingen und in Erinnerungen an den ersten Plattenspieler „Mister Hit“ schwelgen zu können – dafür verdient das im Festspielhaus gastierende Ensemble Dank. 

Nur nach Zugaben durfte Paul & Co. schließlich zurück in den Tourneebus. Zur Musik hatte ein Pärchen getanzt. Es war allerdings kein Walzer, wie in der Tanzschule um 1960 in Provinzstädten und auf dem Dorf mühsam erlernt.

 Siegeszug des Rock´n Roll 

In den Jahren danach war der Rock `n Roll unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Das lag auch am Radio. Die Botschaft der Beatles lautete wie der Titel des erneuten Gastspiels „All you need ist love“. Viele andere, weniger erfolgreiche Bands, wurden deutlicher: worum es geht, ist Sex. Ziemlich verklemmt: im Musical-Buch zur Karriere, die in Clubs auf St. Pauli beginnt, fehlen Frauenrollen. Nur der Roadie macht Andeutungen, dass es Groupies und Musen gab. 

Mädchengesichter in Ekstase sind auf schwarzweißen Originalfilmausschnitten im Rücken der technisch versierten Band „Twist & Shout” aus den USA zu sehen Gewisse Ähnlichkeiten mit den vier Beatles sind gegeben. Dass die vier Hauptdarsteller das Charisma der Persönlichkeiten, die sie darstellen, nicht einmal ansatzweise haben, kann ihnen nicht vorgeworfen werden. Es schmälert auch die live vorgetragene, gute Leistung an diesem nostalgischen Abend nicht.

 Nicht nur Dr. Paul Wengert applaudierte lange in der ersten Reihe. Dem SPD-Landtagsabgeordneten und Präsident des schwäbischen Sängerbunds hatte wie den meisten Leuten die Livedarbietung gut gefallen. Auch an die Originalkleidung hielten sich die Musiker. 

So mussten sie mehrmals die Kostüme wechseln. Schließlich trugen die Beatles in Hamburg speckige Lederjacken, wurden in England in biedere Anzüge gesteckt und suchten sich fürs „Sgt. Pepper“-Album Fantasieuniformen für den Auftritt aus. Legendär ist das Cover dieses Beatles-Albums aus dem Jahr 1967, wie die Großprojektion in Erinnerung ruft. Das Publikum, in dem kaum jüngere Leute zu entdecken waren, lernte nach zwei einleitenden Songs der Band einen Roadie kennen, der vom steilen Aufstieg von John, Paul, George und Ringo erzählt. 

Süße Band für Mädchen 

Aus der Begleitband von Tony Sheridan, der im Hamburger Starclub Rock & Roll spielt, wird ein musikalisch vielseitige Gruppe, die Platz eins in der Hitliste der amerikanischen Musikindustrie erobert. Dann gibt es Streit. Jeder der Vier startet eine Solokarriere, die jedoch nicht annähernd solche Erfolge nach sich ziehen, wie sie die Gruppe in den zehn Jahren zuvor mit den gelungenen Studio-Experimenten feierte. So stehen auch die Hits der Beatles im Vordergrund der Show. Handlung – wie sie ein Musical verlangt – ist auf ganz wenige Kurzszenen beschränkt. 

Beispiel: Im Plattenladen gibt es kistenweise Schlager-Singles aber bis dato noch keine „Negermusik“, wie das selbst in den 1970er Jahren vorm Wohnzimmerradio noch hieß. Fidel Castro, kraftstrotzend mit Zigarre, die Studenten-Demonstrationen, aber vor allem Konzertmitschnitte sorgten kurz für einen Eindruck jener Jahre, als Jugendliche keine Lust mehr auf das graue Leben der Eltern hatten. 

Den mittlerweile 80-Jährigen würde die Show vermitteln, dass zumindest von diesen vier Liverpooler Bubis mit gewöhnungsbedürftiger Frisur keinerlei Provokation beabsichtigt war. 

Eher unfreiwillig zeigt die Musicalshow, dass diese bald geschniegelten Beatles die süße Band für Mädchen waren. Ja, sie haben auch schwache Titel wie beispielsweise „Ob-Lal-Di, Ob-La-Da“ veröffentlicht. 

Keine Interpretation 

Dem Publikum werden neben der Musik Verhandlungen der Manager Kämpfert und Epstein gezeigt. Sie erfahren zudem, dass Anrufe bei Plattenfirmen und Rundfunkanstalten keine Resonanz bringen: ins Programm gehöre nur „anständige Musik“. 

Guter Gag des Abends: In der Pause wird „Ich will `nen Cowboy als Mann“ von Gitte gespielt. Nach „I want to hold your hand“ hätte es ein Höhepunkt im zweiten Teil werden können, als der Paul-Darsteller Tony Kishman allein auf der Bühne sanft den Song „Yesterday“ anstimmte. 

Doch zu hören war von ihm keine persönliche Interpretation eines Meisterwerks von John Lennon und Paul McCartney – denn vom Band wurde sofort der Orchestergeigen-Schmalz eingespielt. Was aber in einem Beatles-Titel an Substanz steckt, bewies eindrucksvoll seit Woodstock immer wieder aufs Neue Joe Cocker.

Chris Friedrich

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