Deutlich weniger, dafür andere Gäste in Füssen

Tourismus in Füssen bricht wegen Corona zum Teil dramatisch ein

Geschlossen-Schild an Hotel in Füssen
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Aufgrund des monatelangen Corona-Lockdowns sind die Tourismuszahlen im vergangenen Jahr zum Teil deutlich eingebrochen.
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr in Füssen nicht nur zu deutlichen Rückgängen bei den Gäste- und Übernachtungszahlen geführt – auch die Klientel hat sich dadurch verändert. Dank einer außerordentlich guten Sommersaison konnte sich die Stadt aber im Pandemiejahr unter den „Übernachtungsmillionären“ im Allgäu behaupten: Mit knapp 1,1 Millionen Gästeübernachtungen war 2020 dennoch ein Minus von rund 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Das teilte Füssen Tourismus- und Marketing (FTM) am Dienstag mit.

Bereinigt werden müssen demnach die Vergleichszahlen zusätzlich um die Übernachtungen der Zweitwohnungsbesitzer, die – teilweise pauschaliert, teilweise tagesgenau berechnet – im vergangenen Jahr erstmals in die Bilanz eingeflossen sind. Dann beträgt der Einbruch gegenüber 2019 sogar fast 27 Prozent. Dass die 300.493 Gästeankünfte (ohne Zweitwohnungsbesitzer) im Vergleich zu 2019 einen Rückgang von mehr als 45 Prozent markieren, ist vor allem dem Ausbleiben von Touristen aus dem Ausland geschuldet. Statt der internationalen Gäste, von denen vor allem die Überseetouristen üblicherweise nur kurz, teilweise nur eine Nacht bleiben, logierten 2020 vor allem deutsche Gäste aus Deutschland in den heimischen Hotelbetten. Diese Entwicklung sorgte für eine Steigerung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 2,6 in 2019 auf 3,5 Übernachtungen in 2020.

Lässt man die nicht exakt zu ermittelnden Übernachtungen von Campern und Zweitwohnungsbesitzern sowie von Gästen ohne Herkunftsangabe unberücksichtigt, hat das Übernachtungsaufkommen der Inlandsgäste 2020 einen Anteil von 91,5 Prozent an den Gesamtübernachtungen ausgemacht. Das ist eine Steigerung um 17,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die „großen Drei“ waren einmal mehr Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Hessen und Rheinland-Pfalz.

Über 80 Prozent weniger Touristen aus dem Ausland

Bei den Gästen aus dem Ausland verzeichnete FTM dagegen einen Rückgang von 80,4 Prozent und 75,6 Prozent bei den durch sie generierten Übernachtungen. Dabei kamen die internationalen Gäste vor allem aus Europa. Lagen 2019 noch China und die USA an der Spitze, so wird das 2020er-Ranking angeführt von der Schweiz und den Niederlanden.

Die vielen Stornierungen von Reisegruppen aus Übersee dürften auch für die überproportionalen Rückgänge in Füssen-Stadt (Übernachtungen: minus 28,4 Prozent; Gäste: minus 45,1 Prozent) und Bad Faulenbach (Übernachtungen: minus 45,4 Prozent; Gäste minus 68,3 Prozent) verantwortlich sein, da sich in diesen beiden Stadtteilen die meisten auf ausländischer Touristen spezialisierten Hotels befinden.

Dabei hatte das Jahr gut angefangen: Nachdem der Tourismus zu Jahresbeginn gut angelaufen war und im Januar und Februar Übernachtungszuwächse von 12,9 und 18,7 Prozent verzeichnet wurden, spiegelt die weitere Verteilung der Übernachtungszahlen die Lockdown-Phasen der Hotellerie, die von Mitte März bis Ende Mai und dann wieder ab November keine Gäste beherbergen durfte, wider: 78,8 Prozent der Gesamtübernachtungen fielen im Zeitraum Juni bis Oktober an. Während der Re-Start der Übernachtungsbetriebe im Frühsommer zunächst zögerlich anlief (Juni: minus 22,1 Prozent), erreichten die Übernachtungszahlen in den Monaten August (plus 1,2 Prozent) und vor allem im September (plus 9,2 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr neue Spitzenwerte.

Bessere Bettenauslastung

Basierend auf dem Übernachtungsaufkommen ohne Camping- und Wohnmobilplätze sowie eigengenutzte Zweitwohnungen, war 2020 jedes Gästebett an durchschnittlich 112 Tagen belegt. Zieht man die Lockdown-Phasen ab, entspricht das bei 232 Öffnungstagen 2020 einer Jahresauslastung von 48,4 Prozent. Die Übernachtungen in Sanatorien und in der Fachklinik Enzensberg sind dabei nicht berücksichtigt, da für diese Häuser kein Lockdown, sondern nur eine teilweise Bettenreservierung für Corona-Notfälle galt. Damit wurde 2020 sogar eine bessere Bettenauslastung als 2019 erreicht: Damals lagen die Vergleichswerte (ohne Übernachtungen Sanatorien und Fachklinik) für das Gesamtjahr mit 365 Öffnungstagen bei 154 Belegtagen, was einer durchschnittlichen Auslastung von 42,2 Prozent entsprach.

„Die Verwerfungen durch die Corona-Pandemie sind mit nichts vergleichbar, was wir in den letzten Jahren im Tourismus erlebt haben“, lautet das Fazit von Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. „Für den Gast ging es bei seinem Urlaub nicht allein darum, was er sich wünscht und finanzieren kann, sondern welche Urlaubsmöglichkeiten ihm überhaupt offenstehen, die darüber hinaus noch möglichst sicher sein sollen.“ Die starke Nachfrage in der Hauptsaison sei somit eine Folge aus einer Zwangssituation einerseits, aber andererseits auch der sehr hohen Attraktivität und Begehrlichkeit geschuldet, die die Urlaubsregion und die Marke Allgäu über die letzten Jahre aufgebaut hätten.“

kb

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