Preisträger stehen fest

Elke Wieland und Julia Vordermeier sind die diesjährigen BBK-Preisträger

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Als „beste Künstlerin“ aus den Reihen des BBK wird Elke Wieland in Füssen ausgezeichnet: ihre sehenswerte Skulptur trägt den Titel „Kokon“.

Füssen – „Kunst darf und soll provozieren“, unterstrich Bürgermeister Paul Iacob (SPD) am Freitagabend im Refektorium des ehemaligen Klosters St. Mang, wo alljährlich der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Allgäu/Schwaben Süd mit einer Überblicksausstellung gastiert.

Der Rundgang nach der offiziellen Eröffnung mit zwei Preisvergaben an die Künstlerinnen Elke Wieland (Immenstadt) und Julia Vodermeier (München) bot dem Betrachterauge allerdings nichts Skandalöses. Der Skulptur „Wer bin ich?“ von Marina Aletsee, die einen nackten menschlichen Torso aus Holz mit einem mittels Schnur angebundenen Glaspenis zeigt, wurde eher mit aufgeklärter Heiterkeit begegnet. 

In heutiger Zeiten, in denen bereits kleine Kinder regelmäßig den Blick aufs Display senken, laden Künstler wie Eva Andersson, die am Gymnasium unterrichtet, dazu ein, wieder nach oben zu schauen und die eigene Fantasie spielen zu lassen. Dann könnte es durchaus gelingen, die Partitur der gezeichneten Graphit-Linien auf schmalem Holz im Längsformat kreativ weiter zu spinnen. 

Dies zeichnet die BBK-Ausstellung 2018 letztlich aus: Besucher können lernen, mit Muße genau hinzusehen und werden dafür von den Künstlern immer wieder aufs Neue belohnt. Auf internationaler Ebene gewinnen Künstlerinnen einen Wettbewerb eher selten. 

Der diesjährige Förderpreis geht an Juli Vodermeier, gebürtig aus Kaufbeuren.

Auf der regionalen Szene aber können sie oft die Jury überzeugen. So wurden zwei kreative Frauen im Rahmen der Eröffnung der alljährlichen Ausstellung „Aktuelle Kunst im Museum“ ausgezeichnet. Vom Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Allgäu/Schwaben Süd, der als Gast in Füssen die Schau noch bis einschließlich Sonntag, 13. Mai, zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums präsentiert, ließen sich Freitagabend die Besucher in Scharen anlocken. 

Das beste in der Auswahl von 49 präsentierten Werken in unterschiedlichen Techniken stammt von der Steinbildhauerin Elke Wieland aus Immenstadt. Diese mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung – Sponsoren sind die Stadt und der Hotelier Wolfgang Sommer – wurde erstmals vergeben und galt dem Wieland-Werk „Kokon“. 

Den in gleicher Höhe dotierten „Füssener Sonderpreis für junge Kunst“ nahm Julia Vodermeier entgegen, die aus Kaufbeuren stammt. Eigene Installation Die BBK-Ausstellung verteilt sich auf mehrere Museums-Kabinette im ehemaligen Benediktinerkloster St. Mang. Ein Raum steht für die „Sonderschau“ zur Verfügung. Der Künstler Franco Zazzaretta, gebürtig 1940 in Rom und seit 1975 wohnhaft in Pfronten, machte sich auch einen Namen, indem er Projekte der Lebenshilfe Kaufbeuren für Kinder mit Handicap organisiert hat. Seine eigens für die Ausstellung geschaffene Installation trägt den Titel „Ein Raum, zwei Symbole und ein noch nicht geschriebener englischer Roman“. 

Zazzaretta lädt dazu ein, seine zeichnerischen Vorgaben in der Fantasie für eine eigene Geschichte zu nutzen. Bevor die zahlreichen Besucher einen Rundgang starten konnten und dabei einmal mehr neuen, sehenswerten Bildern von Lokalmadatoren wie Barbara Perras oder Wolf Maurer begegneten, machte Bürgermeister Paul Iacob durch eine Zugabe nach der Laudatio und der Urkundenübergabe auf die große Kunst der Preisträgerin Elke Wieland aufmerksam. 

Die Cristalina-Marmor-Skulptur begeisterte den Rathauschef ganz besonders. Daher skizziert er bei der Vernissage im Refektorium die Arbeitsschritte vom massigen Steinblock zum auf den Sockel gehobenen Kunstwerk. Preisträgerin Elke Wieland stammt aus Württemberg und studierte von 1988 bis 1992 Kunst und Kunsttherapie an der Hochschule Nürtingen. Sie übt den Beruf Kunsttherapeutin aus, lehrt als Dozentin an unterschiedlichen Akademien und arbeitet als freischaffende Bildhauerin in Immenstadt. 

In der Schwebe

Aus München angereist war die aus Kaufbeuren stammende Julia Vodermeier, um den ebenfalls mit 1000 Euro dotierten „Förderpreis“ aus den Händen von Dr. Christoph Hilz entgegenzunehmen. Hilz vertrat Sponsor EWR. Der Wettbewerb steht inzwischen Künstlern unter 40 Jahren offen, die übrigens nicht Mitglied beim BBK sein müssen und ist durch diese neu eingesetzte Regelung für eine Bewerbung in Schwung gekommen. „Wir hatten eine gute Auswahl“, unterstrich Dr. Karin Haslinger, Vorsitzende des BBK und Jurymitglied, auf Nachfrage des Kreisbote mit Blick auf die für den Förderpreis eingereichten Arbeiten.

Julia Vodermeier, die sich hier durchsetzte, wurde 1981 in Kaufbeuren geboren und wuchs in Marktoberdorf auf. „Neben meiner Tätigkeit als Redakteurin bei einem Fachverlag beschäftige ich mich auch weiterhin intensiv mit Kunst“, erklärte die Preisträgerin im Gespräch. Die ausgezeichnete Tuschezeichnung trägt den Titel „Schweben“ und überzeugte durch eine hohe handwerkliche Qualität der Arbeit, die vielfältige Formensprache und die grafischen Details. 

Betrachter, so die Jury weiter, könnten vielleicht einen Schmetterling entdecken oder einen Fisch. Auch „Anmutung von asiatischer Grafik“ stelle sich ein. Die Jury lobte: Vodermeiers Zeichnung „Schweben“ bleibe selbst in der Schwebe, „zwischen den Kulturen und zwischen gegenständlichen und abstrakten Assoziationen“. Am Sonntag, 13, Mai, führt der Künstler Franco Zazzaretta übrigens um 11 und 15 Uhr durch seine Sonderschau. Ein weiterer Tipp kam von Museumsleiter Dr. Anton Englert: Er freute sich, dass Angelika Böhm-Silberhorn 2017 vor Ort schaffend ein sehenswertes großes Ölgemälde mit dem Titel „Blick ins Refektorium“ gelungen ist.

cf

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