Stracke und Levringhaus werben in Nesselwang für eine demokratische Haltung

"Das ist Demokratie!"

+
Stellvertretender Landrat Lars Levringhaus hält beim Neujahrsempfang die Rede des Kaufbeurer CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke.

Nesselwang – Zwei schlechte Nachrichten musste Bürgermeister Franz Erhart am Samstag beim Neujahrsempfang im Pfarrheim Sankt Andreas verkünden.

Zunächst die Sperrung der Pfarrkirche Sankt Andreas wegen Schäden im Altarraum und dann das Ausbleiben des Ehrengastes Stephan Stracke (CSU), der sich aufgrund eines freudigen Ereignisses entschuldigte – seine Frau und er erwarteten ihr drittes Kind. Nesselwang habe eine Hürde genommen und darf sich nach der ganzen Diskussion um die Feinstaubbelastung jetzt für die nächsten zehn Jahre weiterhin Luftkurort nennen. „Gehen sie raus und atmen sie tief durch“, forderte der Rathauschef die Gäste eingangs mit einem Augenzwinkern auf. 

In der Gemeinde sei vieles umgesetzt worden – Gutes und weniger Gutes. „Als ich jung war, war ich der Überzeugung Geld ist das Wichtigste. Heute weiß ich es – neben der Gesundheit“, so Erhart. Er wünschte den anwesenden Gästen und Ehrengästen alles erdenklich Gute für das kommende Jahr. 

Der katholische Pfarrer Werner Haas, der seit November die Pfarreiengemeinschaft Nesselwang-Pfronten leitet, und sein evangelischer Amtskollege Jörn Foth wünschten ebenfalls alles Gute für das neue Jahr. „Wir würden euch ja Asyl anbieten, aber leider haben wir kein Gebäude in Nesselwang“, so Foth an seinen Amtskollegen wegen der Schließung der Nesselwanger Pfarrkirche (siehe eigener Bericht auf Seite 4 dieser Ausgabe). „So muss unser Mitgefühl reichen“. 

Foht forderte von der Gesellschaft mehr Empathie, die Fähigkeit und Bereitschaft Gefühle anderer zu erkennen und auch den Willen in die Haut anderer zu schlüpfen. „Auch wenn wir nicht immer alles gut finden“. Mit einer fabelhaften Rede – drei Fabeln – wünschte Pfarrer Haas allen Anwesenden Mut zum Träumen sowie Mut über den eigenen Rand hinauszuschauen und die Bereitschaft zu geben. 

Starke Wirtschaft

In Vertretung für den Bundestagsabgeordneten Stracke übernahm stellvertretender Landrat Lars Levringhaus (CSU) die Rolle des Gastredners mit der Rede des Bundestagsabgeordneten. Darin verwies Stracke bzw. Levringhaus auf den hohen Standard in Deutschland. „Wir erleben ein Republik, die persönliches Glück und Fortkommen ermöglicht und Chancengerechtigkeit bietet“. Er betonte die wirtschaftliche Stärke von Deutschland und Bayern. „Deutschland gehört zu den Globalisierungsgewinnern – politisch, ökonomisch und sozial“. Die schwierige Regierungsbildung mit dem Abbruch der Jamaika-Koalitionsgespräche durch die FDP und die derzeit laufenden Sondierungen mit der SPD, deren Ausgang noch nicht absehbar ist, griff er ebenfalls auf. 

Er mahnte an, dass Deutschland eine stabile Regierung benötige um für die Zukunft gewappnet zu sein. Die Staatsschulden- und Flüchtlingskrise des vergangenen Jahres waren Prüfungen, die Europa enorme Anstrengungen gekostet hätten – aber erfolgreich gemeistert worden seien. Dennoch blieben viele weitere Baustellen offen – zum Beispiel Klima- und Umweltschutz, Wirtschafts- und Währungsunion und weitere. 

Diskurs ist Wettbewerb

Die gesellschaftliche und politische Situation würde in der Bevölkerung den Wunsch nach einer starken Führungspersönlichkeit wecken. Der russische Präsident Putin, der türkische Präsident Erdogan und US-Präsident Trump stellten sich zwar als solche dar, aber ihre Politik missachte die Individualität, die Unterschiedlichkeit, die Pluralität. „Eine solche Politik ist keine demokratische Politik!“ 

An dem Ringen nach gemeinsamen Lösungen und das Vertreten dieser Lösungen, „daran ist eine parlamentarische Demokratie zu erkennen“. Der politische Diskurs sei ein Wettbewerb der Parteien, in dem nicht das Gefühl aufkommen dürfe, „das die da oben alle unter einer Decke“ stecken. Es müsse an Wahrheiten und Tatsachen festgehalten werden, sonst entstehe wie oft in den sozialen Netzwerken zu lesen, Gerüchte, Verschwörungstheorien und Halbwahrheiten. Diese beeinflussten dann auch Emotionen, Ängste und Sorgen und damit verbunden auch die Meinungsbildung. „Gute Politik müht sich, die Angst der Menschen zu verkleinern“, forderte Stracke. 

Zum Vergleich brachte er die Geschichte von Michael Ende mit Lukas dem Lokomotiv-Führer und dem Schein-Riesen Tur Tur, der beim Näherkommen gar kein Riese mehr war, sondern ein älterer Herr mit Strohhut und dünner Stimme. 

Zukunft gestalten

Er zitierte Alt-Bundespräsident Joachim Gauck: „Die entscheidende Trennlinie in unserer Demokratie verläuft nicht zwischen Christen, Muslimen, Juden oder Atheisten, auch nicht zwischen Alteingesessenen und Neubürgern. Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten. Es zählt nicht die Herkunft, es zählt die Haltung“.

 Abschließend forderte Stracke die anwesenden Gäste und Vertreter der Kirchen auf, die Zukunft gemeinsam zu gestalten – auch im Kleinen wie dem Ort, dem Kreis oder der Region. „Das ist Demokratie!“ Vier junge Nesselwang Sänger, das „Albert-Weinstein-Quintett“, sorgten für die musikalische Gestaltung des traditionellen Neujahrsempfangs. Anfangs seien sie auch tatsächlich zu fünft gewesen. Aber seit den ersten Proben und der Namensgebung sei das fünfte Mitglied nicht mehr aufgetaucht, erklärte Manuel Endras, einer der Sänger, die Diskrepanz zwischen dem Namen und der Anzahl der Sänger.

hoe

Auch interessant

Meistgelesen

Gala im Festspielhaus: Zuschuss für Bildung
Gala im Festspielhaus: Zuschuss für Bildung
Füssen: Vier Bergrettungseinsätze am Samstag
Füssen: Vier Bergrettungseinsätze am Samstag
Füssen: Keine Wohnungen im Gewerbegebiet
Füssen: Keine Wohnungen im Gewerbegebiet
Ist Ihr Kind fit für das neue Schuljahr?
Ist Ihr Kind fit für das neue Schuljahr?

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.