1000 Kilometer in fünf Tagen geradelt

Der Sportbeauftragte der Stadt Füssen, Markus Gmeiner (links) begrüßt Rainer Coordes vor dem Rathaus. Foto: Knoll

Füssen – In nur fünf Tagen ist Rainer Coordes über 1000 Kilometer von Flensburg nach Füssen geradelt. Damit wollte er 25 Jahre nach seinem Unfall für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr werben. Am Dienstag kam er in Füssen an, wo ihn der Sportbeauftragte der Stadt, Markus Gmeiner, begrüßte.

„Langsam merke ich die Beine“, gab Cordes bei seiner Ankunft in Füssen zu. Rund 220 Kilometer hat er bei seiner letzten Etappe von Roth in Mittelfranken nach Füssen zurückgelegt. Kurz vor dem Ziel kam er in einen Regenschauer, aber ansonsten war das Wetter gut. Über 1000 Kilometer legte er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h zurück. „Normale Leute, die nicht so viel Sport machen, können sich das gar nicht vorstellen“, so Coordes. Doch der Triathlet ist gut in Form. Seit Jahrzehnten nimmt der 49-Jährige an Ironmans, Triathlons und Volksläufen von fünf Kilometer bis Marathon teil, trotz seines schweren Verkehrsunfalls, der ihn beinahe zum Invaliden gemacht hat (der Kreisbote berichtete). 

Bei Langdistanz-Triathlons radelt Coordes 180 Kilometer und muss zudem 3,8 Kilometer schwimmen und 42 Kilometer laufen. Bei seiner jetzigen Tour fielen Laufen, Schwimmen und auch der Zeitdruck weg, dafür sei er „ein paar Kilometer mehr geradelt“ und das circa acht Stunden am Tag. Wie sein Körper das verkraftet, da hat sich der 49-Jährige auf sein Bauchgefühl verlassen. „Ich habe mir überlegt einen Pulsmesser dranzuhängen, aber das macht dich nur verrückt.“ Auch im Wettkampf verzichtet der Hildesheimer darauf. 

Probleme gab es dann allerdings bei der Navigation. Denn Google, das Navigationsgerät seines Begleitfahrzeugs und sein Rennrad-Navi haben zum Teil unterschiedliche Strecken angezeigt, mal wollten sie ihn auf die Autobahn lotsen, mal auf einen Feldweg schicken. Doch meistens hat die Navigation „gut funktioniert“, worüber Coordes erleichtert war. Denn unterwegs hatte er schon ein „bisschen Bammel“. Thüringen „war die große Unbekannte“, da musste er sich komplett auf das Gerät verlassen.

Rücksichtslose Fahrer

Zu kämpfen hatte er dann aber beispielsweise in Hamburg mit dichtem Verkehr, in Bad Salzung mit Kopfsteinpflaster und in Schwabbach fuhr er auf einem Radweg einen Anstieg hoch, um oben festzustellen, dass die Weiterfahrt für Radler verboten war. Insgesamt war die Strecke von den Höhenunterschieden aber gut machbar, nur im Thüringer Wald und auf den letzten Kilometern nach Füssen war das Gelände anspruchsvoll, sagt Coordes. 

Mit seiner Tour wollte der 49-Jährige für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr werben. Unterwegs musste er aber feststellen, dass „die Leute nach wie vor viel zu unvernünftig unterwegs sind“. Bereits in Flensburg flog ihm eine Blechdose um die Ohren, auf die ein Autofahrer beim Überholen gefahren war. Im Turner Wald überholte ihn eine alte Frau im BMW, obwohl sie sich zuvor nur unter Schmerzen mit zwei Gehhilfen ins Auto gequält hatte und laut Coordes bestimmt nicht mehr Auto fahren durfte. In Hamburg wurde er schließlich ausgebremst. 

Circa 80 Euro hat der Hildesheimer unterwegs in seiner Sparbüchse für die ZNS-Hannelore-Kohl-Stiftung gesammelt. Auch die Stadt Füssen will dafür spenden, sagte Gmeiner. Und der Betrag „wird ein bisschen höher sein. Wir freuen uns, dass sie hier in Füssen sind. Große Hochachtung dafür, was sie in den letzten Tagen geleistet haben“, sagte der Sportbeauftragte. kk

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