Füssener Bahnhof wird nicht als Denkmal eingestuft

Bahnhofsfreunde kämpfen weiter

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Nach den Originalbauplänen haben Dr. Christoph Böhm und Pierre Chaubert dieses Modell eines sanierten Bahnhofs erstellt. In die ehemalige, eingeschossige Güterhalle (rechts) könnten Läden, in die eingeschossige Wartehalle (links) ein Bistro einziehen.

Füssen – Die erste Runde haben sie verloren, doch aufgeben kommt für die Bahnhofsfreunde nicht in Frage: Obwohl das Landesamt für Denkmalpflege den Bahnhof nicht unter Denkmalschutz gestellt und die Baufirma Hubert Schmid mit dem Abriss begonnen hat, wollen sie weiter für eine Sanierung kämpfen.

Denn „solange ein Stein auf dem anderen steht, besteht Hoffnung“, so Dr. Christopher Böhm im Gespräch mit dem Kreisboten. 

Nachvollziehen kann Böhm die Entscheidung des Landesamt für Denkmalpflege nicht. 1888 hat der Großvaters des jetzigen Bauherrns Hubert Schmid den Füssener Bahnhof als sogenannter Typenbau errichtet. Ähnliche Gebäude sind zur damaligen Zeit im sogenannten Schweizerhausstil in ganz Bayern entstanden. Doch nach Einschätzungen des LfDs ist der Füssener Bahnhof „als Typenbau des späten 19. Jahrhunderts nach den Umbauten der letzten 100 Jahre nicht mehr anschaulich.“ 

Er erfülle deshalb nicht die Kriterien, die nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz ein Denkmal definieren. Böhm und seine Interessensgruppe sind jedoch anderer Meinung. Denn andere Gebäude dieses Typenbaus seien entweder alle weit weg oder „schauen ganz anders aus“, so Böhm. Abgesehen davon sei die Originalbausubstanz unter dem Putz noch erhalten. Das habe man beim Abriss der Güterhalle und des Zollgebäudes sehen können. Die Bruchsteine, Ziegel und Balken des Fachwerkhauses waren von 1888, genau wie die Raumaufteilung. „Bei anderen Bauten ist der Putz kein Problem und verhindert nicht den Denkmalschutz“, sagt Böhm. Seiner Meinung nach „wurden verschiedene Teile nicht angeschaut, die im Originalzustand vorhanden sind.“ 

Kurz nach der Stellungnahme des LfDs rollten bereits die Bagger an, um mit dem Abriss zu beginnen. Gegen den spricht nun nichts mehr, wie Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte. Denn hier bestehe keine Genehmigungspflicht. Außerdem hat das Landratsamt Ostallgäu den Abriss unter der Voraussetzung bestätigt, dass alle zusammenhängenden Gebäudeteile in einem absehbaren Zeitraum beseitigt werden. Dass die Güterhalle und das Zollgebäude bereits weg sind, davon lassen sich die Bahnhofsfreunde aber nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil: Sie „waren in einem sehr maroden Zustand“, so Böhm. Deshalb habe das Bauunternehmen ihnen, so paradox es klingen mag, mit dem Abriss einen „kleinen Gefallen getan“. Stattdessen sollen beide Gebäude rekonstruiert werden. Dann könnten in die Güterhalle Läden und in das Zollgebäude eine Braugaststätte wie in Vils oder Schwangau einziehen. Das fehle bisher schließlich in Füssen. 

Vorbild Leutkirch 

Finanzieren soll die gesamte Sanierung eine Genossenschaft. Anregungen dafür haben sich die Bahnhofsfreunde beim Bürgerbahnhof in Leutkirch geholt (der Kreisbote berichtete). Auch dort sollte der historische Bahnhof abgerissen werden, doch Bürger engagierten sich in einer Genossenschaft, kauften den Bahnhof und erwirtschaften jährlich sogar einen kleinen Gewinn. Ein solches Modell schwebt auch den Füssener Bahnhofsfreunden vor. Nach den Originalplänen haben Böhm und Pierre Chaubert bereits ein Baumodell erstellt, das aber auch an die Bewirtschaftung des Bahnhofs angepasst ist. „Wir wollen den Rückbau nicht im Exzess betreiben.“ 

Tips von Experten 

So könnte in die Wartehalle die Prinzregentenstube einziehen. Bilder von berühmten Gästen des Bahnhofs wie Sissi, Steve McQueen, der Schah von Persien oder König Ludwig III. sollen die Touristen zum Verweilen einladen. Tipps dafür haben sich die Bahnhofsfreunde von Marketingexperten und Betreiber anderer Bahnhöfe geholt. Den Füssener Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier haben sie bereits auf ihrer Seite. Doch das Konzept steht oder fällt mit dem Bauunternehmen Hubert Schmid, das dafür den Bahnhof der Genossenschaft verkaufen, selbst mitmachen oder selbstständig nach historischem Vorbild sanieren müsste. 

Doch derzeit schaut es nicht danach aus, als ob die Marktoberdorfer hierbei mitmachen werden. Denn „ein Verkauf des bestehenden Gebäudes oder Gründung einer Genossenschaft ist von Seiten der Firma Hubert Schmid nicht vorgesehen”, wie die Baufirma dem Kreisboten jetzt mitteilte. Die Bahnhofsfreunde wollen sich jedoch nicht unterkriegen lassen. Denn „die Heimat ist es wert, sich dafür einzusetzen“, sagt Böhm. Mit den Bahnhofsfreunden ist der CSU-Stadtrat derzeit dabei Unterstützer zu suchen und eine Genossenschaft zu gründen. A

m Mittwoch, 26. November, wollen sie um 19 Uhr im Hotel Hirsch ihr Konzept interessierten Bürgern und auch der Firma Hubert Schmid vorstellen. Aber auch die Stadt Füssen ist dabei, das Thema Bahnhof weiter voranzubringen. Allerdings stehen hier die Zeichen für einen Neubau. Zunächst muss sich der Stadtrat aber mit den Besitzern des Luitpoldpark Hotels auf ein Verkehrskonzept einigen und den Bebauungsplan W43 weiter voranbringen. Dann erst kann Hubert Schmid beim Bahnhofsumbau aktiv werden. 

Zuvor muss er dafür aber einen neuen Bebauungsplan bei der Stadt einreichen. Intern wurden bereits erste Pläne vorberaten, wie Angeringer erklärte. In einer Sondersitzung des Stadtrates am Donnerstag, 27. November, soll darüber abgestimmt werden.

Katharina Knoll

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