Plansee ein "Fels in der Brandung"

Nun ist die neue Halle der Plansee Group fertig. Fotos: gau

Reutte - „Die Zahlen schauen auf den ersten Blick erschreckend aus. Aber in der Summe sind wir sehr zufrieden", meinte Dr. Michael Schwarzkopf. In einem Pressegespräch äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Plansee Holding AG über das abgelaufene Geschäftsjahr und die Weltkonjunktur.

Die Plansee Holding sei so etwas wie der Fels in der Brandung, so Schwarzkopf im Hinblick auf die Weltkonjunktur und eine massive Banken- und Staatsschuldenkrise. Man befinde sich aktuell in etwas wie einer Seitwärtsbewegung, so Schwarzkopf. Nach dem enormen Aufschwung nach den Krisenjahren 08/09 fehlten jetzt konjunkturelle Impulse. Vor allem vermisse er den Wirtschaftsmotor China, das noch nicht zur alten Stärke zurückgefunden habe. Vielleicht gebe es jetzt eine zweite, schwächere Wachstumsphase, statt zehn vielleicht nur sieben Prozent, spekulierte der Reuttener. 

Positiv für die Plansee-Gruppe aber entwickelten sich die Rohstoffpreise, vor allem im Hauptsegment der Gruppe, Wolfram und Molybdän, wo man aktuell ein Minus bis zu einem Viertel des Ausgangspreises erlebe. Dies alles berücksichtigend, konnte Schwarzkopf vermelden, dass das abgelaufene Geschäftsjahr das zweitbeste in der Firmengeschichte mit einem Umsatz von 1,225 Milliarden Euro gewesen ist. Und das, obwohl sich die Plansee-Gruppe von ihrem Füssener Werk PMG getrennt hatte. 

Wie immer vermied es der Chef des in Mühl beheimateten Unternehmens, konkrete Zahlen zum Gewinn der Unternehmensgruppe zu nennen. Den Umsatz generiert die Gruppe aber nach wie vor in der Hauptsache in Europa mit knapp 50 Prozent, ein Drittel entfällt auf Amerika und 20 Prozent auf Asien. Er halte langfristig aber eine paritätische Verteilung (also je ein Drittel) des Umsatzes für wahrscheinlich. Nach dem Verkauf von PMG (vorwiegend Automobilindustrie) liegt nun der Schwerpunkt der Firmengruppe auf dem Maschinenbau, knapp gefolgt von der Automobilsparte und der Unterhaltungselektronik. 

Wobei Schwarzkopf anmerkte, dass man kaum Zuwachsraten in den einzelnen Segmenten verzeichnen konnte, Ausreißer seien aber die Medizin- und Energietechnik. So werden beispielsweise in Lechbruck Teile für die Krebstherapie hergestellt, in Reutte, vor allem aber im Werk Towanda in den USA entstehen Teile für Brennstoffzellen. 

Fokus auf Wolfram und Molybdän

Obwohl Schwarzkopf keine exakten Zahlen nennen wollte, rechnete er vor, dass man sofort alle laufenden Kredite tilgen könnte und immer noch über eine positive Nettoliquidität verfügte. Das Unternehmen hat eine Eigenkapitalquote von 59 Prozent. Seit einigen Jahren schon verfolgt die Plansee-Gruppe die Fokussierung auf Hochleistungswerkstoffe aus Molybdän und Wolfram, zu diesem Zweck wurde auch die Beteiligung an Erzunternehmen wie Molymet und GTP forciert. 

Dafür wurde das Unternehmensportfolio bereinigt, beispielsweise eine Drahtfertigung in Indien veräußert und im Gegenzug beteiligte sich die Gruppe an dem schwäbischen Hartmetallwerkzeughersteller Günther Wirth. Die GW-Gruppe stellt, wie auch Ceratizit, Hochleistungswerkzeuge aus Wolfram-Hartmetallen her. Man wolle sich, so Schwarzkopf, vor allem beim Molybdän verstärkt auf dem Rohstoffsektor engagieren, während auf der Wolframseite die kundenspezifischen Lösungen herausgearbeitet werden sollen. Deshalb die Beteiligung an GW, deshalb auch bei Molymet, wo man langfristig mit 20 Prozent einsteigen wolle. Molymet ist Weltmarktführer bei Molybdän und etwa zwei Milliarden Euro schwer. 

Mit ihren Beteiligungen produziert die Plansee-Gruppe nun weltweit an 34 Standorten und beschäftigt etwa 5700 Mitarbeiter. Noch im Spätsommer/Herbst soll das neue Werk in Schanghai die Produktion aufnehmen, auch im neuen Ceratizit-Komplex in Mühl soll im Herbst die Fertigung anlaufen. Auch wenn er keinen nennenswerten Aufschwung für das laufende Jahr erwarte, äußerte sich der Vorstandsvorsitzende zufrieden. „Ich glaube, ganz ehrlich, dass wir das Ende des Lagerzyklus erleben und jetzt wieder das normale Bestellverhalten beginnt“, gab der Firmenchef seiner Hoffnung Ausdruck, dass nun wieder weniger vorsichtig auf dem Weltmarkt taktiert werde. Bislang hätten die Firmen von Reserven, der Lagerhaltung gelebt, nun würde wieder offensiver geordert. gau

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