Nesselwanger Bergwacht-Bereitschaft feiert Jubiläum 

Seit 50 Jahren im Einsatz

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Zum Abschluss des Festabends anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Nesselwanger Bereitschaft singen die Bergretter „La Montanara“.

Nesselwang – „Im vergangenen Jahr leisteten wir etwa 3500 Arbeits- und Einsatzstunden. Das sind um die 110 Stunden auf jeden Aktiven“, so Michael Gimbel, Bereitschaftsleiter der Bergwacht-Bereitschaft am Samstag beim Festabend in der Alpspitzhalle anlässlich des 50-jährigen Bestehens.

„Die Bergwacht-Bereitschaft Nesselwang ist eine der jüngsten ihresgleichen – während ich unter meinesgleichen einer der älteren bin“, so Gimbel schmunzelnd in seiner Ansprache. 1965 nabelte sich die Bereitschaft Nesselwang, damals noch als Ortsgruppe unter der Bereitschaft Pfronten geführt, ab und wurde eigenständig. „Wir sind ein innovativer Haufen, aber auch mit der Tradition verbunden“. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr seien immer zwei Aktive über Meldeempfänger erreichbar, um jederzeit einsatzbereit zu sein – und das ehrenamtlich. „Es gibt fast kein Kind in Nesselwang, das noch nicht mit der Bergwacht zu tun hatte. Ob beim Nikolausumzug oder beim Skijugendtag“, so Gimbel weiter. 

Bürgermeister Franz Erhart gratulierte der Bereitschaft zu ihrem Jubiläum im Namen der Marktgemeinde. „Es ist großartig, was die Bergwacht leistet.“ Er beschrieb sie und ihren Bereitschaftsleiter als kämpferisch, hartnäckig und zielorientiert. Und vor allem als engagiert im Einsatz. 

„Die Bergwacht hat eine gute Verankerung im Ort, aber auch in der Region Allgäu. In den 18 Bereitschaften von Oberstaufen bis Füssen leisten 500 Aktive ihren Dienst“, so der Regionalleiter Allgäu, Peter Eisenlauer. Der Naturschutz und der Schutz der Alpenblumen waren 1923 der Gründungsgedanke der Bergwacht. Als Nebeneffekt mussten aber auch immer wieder Personen aus Bergnot gerettet werden. „Die Nesselwanger Bergwacht hat einen großen Anteil an der Entwicklung an der Alpspitzbahn. Das Nachtskifahren, die Sommerrodelbahn oder der Alpspitzkick – wenn was neues kommt, dann überlegen sie, wie was bewerkstelligt werden kann, wenn was passieren sollte“, so Eisenlauer über die Bergretter. 

Dank an Ehrenamtliche 

Er dankte ihnen für ihre großes Engagement für den Ort, aber auch auf regionaler Ebene. So seien die Nesselwanger auch als Ausbilder oder in der Hundestaffel aktiv. „Ihr opfert jedes Jahr viele Stunden für die Bergwacht.“ Er dankte auch den Angehörigen und Freunden, die durch das Engagement viel zurückstecken und auf die Bergretter verzichten müssten. Werner Mayr, Vorstand des FC Nesselwang, überbrachte im Namen der Nesselwanger Vereine die Glückwünsche und verband in seiner kurzen Laudatio die einzelnen Buchstaben von Bergwacht mit Eigenschaften, wie Bereitschaft zu helfen, Engagement und Risikobereitschaft. 

Die beiden Moderatoren des Abends, Max Spieß und Magnus Erd – beide selbst aktive Bergwachtler – holten nach den Glückwünschen zwei altgediente Bergretter zu sich auf die Bühne: Alfons Köberle und Sepp Brandmeyr berichteten aus ihrer aktive Zeit, während im Hintergrund zahlreiche Bilder aus der Anfangszeit gezeigt wurden. Die beiden konnten von zahlreichen Anekdoten und Begebenheiten berichten. „Wir waren 1959 die ersten, die einen Nikolausumzug machten. Darauf sind wir schon noch stolz“, so Köberle. 

Die beiden bemängelten aber auch das Verhalten vieler Bergsportler. „Kaum flacket se heit, hand 'se scho's Handy in der Hand und rufet Bergwacht. Früher hand 'se mehr Zeit ket.“ Früher seien die Leute dankbarer gewesen, wenn ihnen geholfen wurde. Heute werde geschimpft, wo der Helikopter und der Notarzt denn so lange bleiben würden. 

Viele Aufgaben 

Spieß und Erd stellten zusammen mit Aktiven das breit gefächerte Aufgabengebiet der Bergwacht vor. Sophie Möst, derzeit noch einzige Frau in der Bereitschaft und Taufliegerin, berichtete von ihren durchweg positiven Erfahrungen in der Gemeinschaft und als Taufliegerin unter dem Hubschrauber. „Es ist immer ein Risiko dabei. Das darf ich nie vergessen“. Gerhard Fricke, der im Kriseninterventionsteam der Bergwacht ist und bei Unfällen die Angehörigen und Begleiter der Verunglückten betreut, konnte aus seiner langjährigen und nicht immer leichten Aufgabe erzählen. „Die schwierigste Aufgabe ist die Überbringung einer Todesnachricht“, so Fricke. 

Alexander Eberle kam mit Begleitung auf die Bühne. Er brachte Basti mit – seinen Alaskan Malamut, einen ausgebildeten Lawinenhund. „Die Ausbildung eines Lawinenhunds dauert drei Jahre, manchmal auch länger“, so Eberle, einer der beiden Lawinenhundeführer der Bereitschaft. „Die Hundestaffel im Allgäu gibt’s schon länger als die Bereitschaft Nesselwang“. 

Gute Kameradschaft 

Früher wurden ausschließlich Schäferhunde eingesetzt. Mittlerweile sind auch andere Hunderassen erfolgreich bei der Suche nach Verschütteten oder Vermissten dabei. Der Hundeführer und Ausbilder entkräftete auch das Klischee der Bernhardiner als Rettungshunde. „Wir wollen das ökologische Bewusstsein schulen“, so Alexander Haag, Naturschutzwart der Bereitschaft. „Wichtig ist auch, wie kann ich mich als Bergwachtler vorbildlich verhalten. Wir haben auch eine Vorbildfunktion“. 

Roger Filleböck, Leiter der Bergwacht Pfronten, überbrachte die Glückwünsche der „Mutter“-Bereitschaft. „Als gute Mama lueget mir auf eiser Kind“. Andreas Tanner zeigte zum Ende des Festabends nochmals auf, warum der Zusammenhalt in der Bereitschaft Nesselwang so besonders ist. Der erstreckt sich nicht nur auf die Dienste, sondern geht auch ins Private hinein. „Wir sind einfach ein super Team“, so Andreas Tanner. 

Zum Abschluss des Festabends sangen die Mitglieder der Nesselwanger Bereitschaft zusammen mit den mehr als 300 anwesenden Gästen „La Montanara“. „Um kurz vor sieben haben wir erst die Noten dafür gekriegt“, so Florian Näher. „Dafür haben's wir ganz gut hingekriegt“.

hoe

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