Kreißsäle am Krankenhaus wieder eröffnet

"Viele Tränen der Freude"

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Auch Hebammen bekommen Kinder: Bruno (links) ist der Sohn von Ann-Katrin Romer. Ebenfalls drei Monate alt ist Martha Elisabeth, Tochter von Alin Schaum. Beide waren die jüngsten Gäste beim Rundgang in der Füssener Klinik und deren Abteilung mit neuem Kreißsaal.

Füssen – „Farblich angenehm und sehr wohlig.“ Gut eineinhalb Jahre nach dem Brand im Füssener Krankenhaus mit seinen verheerenden Folgen sind am Mittwoch vergangener Woche die Kreißsäle wieder eröffnet worden.

„Es ist wichtig, dass es die Geburtshilfe in Füssen an diesem Standort gibt“, freute sich Landrätin Rita Maria Zinnecker (CSU) vor zahlreichen Gästen, die zu der locker gestalteten Eröffnung gekommen waren. Klinik-Vorstand Dr. Philipp Ostwald erinnerte in seiner Ansprache an den Brand am 28. Oktober 2014. Durch den Ruß war damals ein schwerer Schaden entstanden, der gründlich ermittelt werden musste (der Kreisbote berichtete mehrfach).

Mit „viel Geduld“ habe das Team aus Ärzten, Hebammen und Schwestern seitdem improvisiert. „In den eineinhalb Jahren bis heute konnte ein Einbruch in der Füssener Geburtshilfe durch vorbildlichen Einsatz verhindert werden“, sagte Ostwald. Daher erfolge die Neueröffnung in einer Klinik-Abteilung, „die einen hervorragenden Ruf hat“, lobte der Vorstand des Klinik-Verbundes.

Landrätin Zinnecker betonte die besondere Bedeutung des wohnortnahen Kreißsaals im Füssener Land. „Es ist wichtig, dass es die Geburtshilfe in Füssen an diesem Standort gibt“, sagte sie. Der Verwaltungsrat mit ihr als Vorsitzende unterstütze die Geburtsstation. „Ich bin gern nach Füssen zu diesem freudigen Ereignis gekommen“, erklärte die Landrätin. In dieser Abteilung „gibt es so viele Tränen der Freude“.

Chefarzt Dr. Winfried Eschholz, der die Abteilung seit sieben Jahren leitet und am Tag der Wiedereröffnung seinen 56. Geburtstag feierte, betonte anlässlich der Eröffnung die Bedeutung von Vernetzung im Rahmen der Geburtshilfe. Unterstützend stehe der Arzt im Kreißsaal „eher im Hintergrund“, wie er sagte. Die neuen Säle empfinde er als „farblich angenehme und sehr wohlig“ gestaltete Räumlichkeiten. Aber auch in den zurück liegenden Monaten sei eine Wohlfühlatmosphäre spürbar gewesen.

Viele Gefühle

 Wie der Chefarzt betonte und wie aus dem Kreis der Hebammen zu hören war, werde „jede Frau dabei unterstützt, ihr Kind so zur Welt zu bringen, wie sie es sich wünscht“. Eschholz sagt: „Wir legen großen Wert auf eine Geburtshilfe, die Familien orientiert ist Werdende Väter sind selbstverständlich mit eingebunden.“ Er wies in diesem Zusammenhang auf das große Bett zum Kuscheln und aufs „Familienzimmer“ hin. Schwangerschaft sei keine Krankheit. „Die Frauen sind keine Patientinnen, sondern für unser Team sind sie Kundinnen“, sagte er.

 Weil eine Schwangerschaft erfahrungsgemäß mit ganz unterschiedlichen Gefühlszuständen – auch Dünnhäutigkeit und viele Ängste – einhergehe, „wird ein Schutzraum gebraucht, den wir bieten“. Eschholz lobte in diesem Zusammenhang auch die Eigeninitiative der Füssener Kinderschwestern sowie „die guten Verbindungen, die zu den niedergelassenen Kollegen bestehen“. Zufriedenes Personal, so Eschholz, „hat einen direkten Zusammenhang mit der Arbeitsqualität“.

Atmosphäre ist wichtig

 Die erhobene Forderung nach einer rentablen Geburtshilfe stufte Eschholz als ein „Relikt aus dem Kapitalismus des letzten Jahrhunderts“ ein. „Wir machen keine Hauruckgeburten, arbeiten hier nicht bis zur Erschöpfung, sondern tragen Sorge, für eine liebe-kuschelige Atmosphäre ohne Zeitdruck. Das ist viel wichtiger als Technik und Geld“, betonte er. „Glück kann sich niemand kaufen.“

Hebamme Katja Forster ergänzt: Den Eltern werde viel Zeit gelassen, ihr Kind ungestört kennen zu lernen „und sich gemeinsam zu erholen“. Wie wichtig eine funktionierende Geburtsstation in der Lechstadt ist, zeigen die Zahlen: Durchschnittlich über 300 Babys werden im Jahr in Füssen geboren. Vor, bei und nach den Geburten sind hier insgesamt fünf freiberufliche Hebammen im Einsatz. Dabei wird das Idealverhältnis 1:1 gewährleistet: Einer werdenden Mutter wird eine Hebamme betreuend zur Seite gestellt.

Chris Friedrich

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