Überfällige Premiere

Es ist ein längst überfälliges Buch: Im Verlag Schnell+Steiner ist jetzt der 48-seitige, reich bebilderte Führer „Das Hohe Schloss in Füssen“ erschienen. Autor ist der in Eisenberg lebende Burgenexperte Dr. Joachim Zeune. Der bezeichnete bei der Präsentation des Bandes am vergangenen Montag im Rittersaal das Schloss als Hochkaräter, der lange vernachlässigt wurde und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen sei bei Umbauten über Jahrzehnte hinweg viel Bausubstanz achtlos zerstört worden. Zum anderen habe „ganz großer Forschungsbedarf“ bestanden. Kaum zu glauben: Zeunes Buch ist der erste Burgenführer über das Hohe Schloss überhaupt.

Das Buch ist der 25. Band der Reihe „Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa“. Ins Leben gerufen hat ihn die Wartburg-Gesellschaft um ihren Vorsitzenden Prof. Dr. Ulrich Großmann. Die Gesellschaft habe sich nach einer Ausschreibung für Schnell+Steiner als Verlag entschieden. Der Kontakt zu Joachim Zeune ging über Thomas Riedmiller, den Leiter des städtischen Kulturamts. Der, so lobte Zeune, habe während der Entstehungsphase immer ein offenes Ohr für Fragen gehabt. Der Autor trug nicht nur alt bekannte Informationen zum Hohen Schloss zusammen, sondern forschte auch selbst. Dabei widerlegte er bisweilen nicht nur die Ergebnisse anderer Forscher, sondern auch seine eigenen. So fand er beispielsweise heraus, dass der so genannte Gefängnisturm in der Mitte des Westflügels nicht wie bisher angenommen zwischen 1486 und 1503 von Bischof Friedrich II. von Zollern gebaut wurde. Bereits in den 1470er Jahren hatte Bischof Johannes der II. den Turm als Artillerieturm errichten lassen. Immer wieder, so der Burgenforscher, wurde aber auch Bausubstanz im Hohen Schloss achtlos zerstört. Nicht nur beim Einzug des Amtsgerichts in den 1860ern, sondern bis in die 1980 Jahre hinein und das ohne vorbereitende Untersuchungen durch den Denkmalschutz. Begleitende Ausstellung Das Buch, so Großmann, soll wie die übrigen Bänder der Reihe nicht die Standard-Märchen über Burgen erzählen, sondern einen kompakten, kompetent geschrieben Führer darstellen, der trotz wissenschaftlichen Anspruchs nicht nur für Wissenschaftler interessant ist. Ein Zwiespalt, wie Zeune erklärte, denn „es gibt nichts schlimmeres, als einen kurzen Text zu schreiben.“ So hätten ihn die Zeit der Textkürzungen zwar genervt, gab er zu, dennoch sei die Kooperation zwischen ihm, dem Verlag und der Wartburg Gesellschaft sehr gut gewesen. Der Führer ist in einer Auflage von 5000 Stück erschienen und zum Preis von 6,90 Euro im Handel erhältlich. Die Buchreihe geht mit der Ausstellung „Mythos Burg“ im Germanischen Nationalmuseum im Nürnberg vom 8. Juli bis zum 7. November einher.

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