Immer diese Ferienwohnungen

Um ein Zeichen zu setzen lehnen Stadträte Antrag auf Umnutzung ab

Hotel Eiskristall Füssen
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Längere Zeit stand das marode Hotel „Eiskristall“ leer. 2018 genehmigte der Stadtrat den Abriss des Gebäudes in der Birkstraße, da eine Firma die Planung für eine neue Wohnanlage vorlegte. Nun sollen aus zwei der besagten Wohnungen jedoch Ferienresidenzen werden.
  • vonSelma Höfer
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Füssen – „Ich bin trotzdem dafür, dass wir dagegen sind“, sagte Andreas Eggensberger (CSU), als es in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses einmal mehr um Ferienwohnungen ging. Erneut war ein Antrag auf Nutzungsänderung von Wohnraum in Ferienwohnungen ins Haus geflattert. Und obwohl die Stadträte das kommunale Einvernehmen nicht gaben, wird der Bauherr sein Vorhaben vermutlich erzwingen können. Die Gesetze sind auf seiner Seite, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Der fragliche Neubau befindet sich in einem Mischgebiet und somit kann baurechtlich gesehen den Ferienwohnungen kein Riegel vorgeschoben werden.

Neuzeitliche Geschichte der Stadt Füssen und ihrem Umgang mit der städtischen Infrastruktur werde hier geschrieben, sagte Jürgen Doser (FWF). Und dabei sei zu sehen, „wie man den Stadtrat bescheißen kann“, pflichtete ihm Magnus Peresson (UBL) bei. Ihre Kritik richtete sich allerdings nicht an die Verwaltung, sondern den Bauherren. Dieser wollte dort ursprünglich 32 Wohnungen bauen. Nun zeige sich aber eine Tendenz, die in Hinsicht auf die Stadtentwicklung „absolut nicht gewünscht“ ist, sagte Angeringer.

Seinen Anfang nahm die Geschichte vor rund neun Jahren, als sich die Stadt dazu entschloss, das marode Hotel „Eiskristall“ aufzugeben. Der Sanierungsbedarf war enorm, die Fördergelder weggefallen. Er und wenige andere Stadträte hätten „gefleht“, das Hotel nicht zu verkaufen, erinnerte Doser. Bei einer ersten Abstimmung sei man auch tatsächlich gegen den Verkauf gewesen.

Dann allerdings habe die Verwaltung den angeblichen Manager des russischen Eishockey-Vereins aus Omsk aus dem Ärmel gezaubert. Als dieser 20 Prozent mehr für das Gebäude geboten habe, seien die Stadträte „alle umgefallen wie die Wiener-Würstel“, blickte Doser zurück. Es sei damals die Hoffnung verbreitet worden, dass russische Profi-Teams zum Training nach Füssen kommen werden. „Und jetzt haben wir das, was wir jetzt haben.“

Die führen uns am  Nasenring vor sich her.

Magnus Peresson, Stadtrat (UBL)

Aktuell, erklärte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) auf Nachfrage des Kreisboten, befinde sich ein Neubau in der Fertigstellung, wo einst das Hotel Eiskristall stand. 1980 eröffnet, wurde das Haus vom Deutschen Eishockeybund regelmäßig für jene Spieler gebucht, die in Füssen Lehrgänge besuchten oder Trainingsaufenthalte absolvierten. Doch irgendwann nagte der Zahn der Zeit an dem Gebäude. Als besagter Käufer aus dem russischen Omsk schließlich 1,7 Millionen Euro bot, entschied sich der Stadtrat dafür, das Hotel abzugeben. Um anschließend mitansehen zu müssen, wie die Anlage weiterhin leer stand und vermoderte. Denn weder der Eigentümer noch russische Hockeyspieler kamen nach Füssen.

Als Eigentums- und Mietwohnungen konzipiert

Schließlich kaufte die Firma Brefa aus Woringen die Immobilie. Ende 2018 genehmigte der damalige Bauausschuss deren Planung für eine neue Wohnanlage und somit den Abriss des Hotels. „Da damals das Argument des Bauträgers war, es sollen Eigentumswohnungen konzipiert, aber auch als Mietwohnungen gedacht werden“, so Angeringer. Es sei eine schriftliche Stellungnahme eingereicht worden, die genau das näher beschrieben habe. Nun jedoch beantragt der Eigentümer die Umnutzung der Wohnungen 14 und 22 zu Ferienresidenzen. Zwei Tiefgaragenstellplätze seien dafür ausgewiesen worden, berichtete der Bauamtsleiter.

„Die führen uns am Nasenring vor sich her“, war Peresson empört über diese Täuschung. Das Gremium wurde seiner Ansicht nach „beschissen“. Denn von „Wohnungen für kinderreiche Familien“ sei derzeit gesprochen worden. Wie Angeringer warnte, werde eine kommunale Ablehnung die Bauherren nun allerdings nicht daran hindern können, den Wohnraum umzufunktionieren. „Stadtentwicklungstechnisch müsste das abgelehnt werden. Rein rechtlich werden wir dazu allerdings keine Grundlage finden.“ Das Landratsamt, davon ging Angeringer aus, werde „es in einer der nächsten Sitzungen zurückgeben“ oder das kommunale Einverständnis im Streitfall sogar ersetzen.

Eichstetter will mit Eigentümer reden

Das Gebäude befinde sich in einem Gebiet, wo sich eine solche Nutzung in die umliegende Bebauung einfüge, erklärte Füssens Bauamtsleiter. Obwohl diese Ferienwohngen „kein Aushängeschild für Füssen“ und wenig attraktiv wären, wie Eggensberger hinzufügte. „Wenn es nach mir geht, müssen wir es ablehnen“, sagte Eichstetter – auch wenn es rechtlich wohl anders aussehe. „Ablehnen und daraus lernen, Baurecht nicht einfach zu verkaufen“, wünschte sich Christoph Weisenbach (CSU), dass zukünftig vorher geregelt wird „was wir nicht haben wollen“.

Einstimmig fiel schließlich der Beschluss des Gremiums, dem Antrag nicht nachzukommen. Weshalb der Bürgermeister seinen Dank aussprach. Er möchte nun mit den Eigentümern weitere Gespräche führen.

Selma Höfer

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