Bei der Einführung einer allgemeinen Impfpflicht gehen die Meinungen in Füssen auseinander

Allgemeine Impfpflicht: Mehr Überzeugung, weniger Verpflichtung - Wie stehen Sie dazu?

Frau wird geimpft.
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Geht es um die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht, sind die Meinungen unter Leitern Füssener Pflege- und Gesundheitseinrichtungen geteilt.
  • VonAlexander Berndt
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  • Matthias Matz
    Matthias Matz
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Füssen - Die politische Debatte um eine allgemeine Impfpflicht nimmt zunehmend an Fahrt auf. In Füssen sind die Meinungen jedoch geteilt. Warum das so ist.

Während sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor dem Hintergrund sprunghaft steigender Infektionen mit dem Corona-Virus klar für die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht ausspricht, gehen die Meinungen der Füssener Beschäftigten im Gesundheitssektor und der Altenpflege auseinander. So hält es manch einer mit dem Gesundheitsminister, andere sind gegen eine Impfpflicht.

Wie komplex das Thema ist, macht eine Stellungnahme des Leiters des Seniorenwohn- und Pflegeheims St. Michael in Füssen, Matthias Stroeher, deutlich. So schlagen in Stroehers Brust quasi zwei Herzen. Deshalb erklärt er, dass er „keine klare Meinung“ dazu habe.

Von seiner professionellen Warte aus hält es der Heimleiter zwar einerseits für „wünschenswert“, wenn sich „möglichst viele Menschen“ impfen lassen würden. Eine Impfpflicht, wie sie für das Personal seines Hauses an der Herkomerstraße ab dem 15. März gilt, beurteilt er hingegen als zweischneidiges Schwert.

Immerhin habe er Kenntnis darüber, dass die Beschäftigten in anderen Seniorenheimen wegen der Impfpflicht diesen Einrichtungen zum Teil massenhaft den Rücken gekehrt haben sollen. Dadurch hätten diese Häuser erhebliche Personalprobleme bekommen. „Bei uns ist es allerdings bisher gut gegangen“, betont er und fügt hinzu: „Wir wissen, dass eine Impfung der Belegschaft aus medizinischer Sicht sehr förderlich ist.“

Ganz ähnlich sieht dies der Leiter der Abteilung für Innerer Medizin am Klinikum Füssen, Dr. Martin Hinterseer. Er befürwortet klar eine allgemeine Impfpflicht. Nur dadurch wäre „die nächste Welle vermeidbar“, unterstreicht er. Das Gesundheitsystem werde ohne eine Impfpflicht überstrapaziert werden, ist der Mediziner überzeugt. Zum jetzigen Zeitpunkt sei immer noch ein zu großer Teil der Bevölkerung nicht bereit, sich impfen zu lassen.

Ein zu großer Eingriff

Dr. Christoph Thesing, Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) der Klinik Füssen, hält zumindest eine Impfpflicht für über 50-Jährige für vertretbar, weil Menschen dieser Altersgruppe den Großteil der Patienten ausmachen, die derzeit auf den Intensivstationen der Krankenhäuser landen. Eine grundsätzliche Verpflichtung lehnt er aber ab und hat „Verständnis für die individuellen Freiheitsrechte“ der Menschen.

Gegen eine verpflichtende allgemeine Impfung gegen das Virus spricht sich auch die Physiotherapeutin Silvana Stahl aus. Ihrer Ansicht nach wäre eine Impfpflicht ein „zu harter Eingriff in das persönliche Entscheidungsrecht“ eines jeden einzelnen, auch wenn sie es für sehr vernünftig hält, wenn sich jemand impfen lässt. Dies sollte aber nur auf freiwilliger Basis geschehen.

Bessere Aufklärung

„Ich halte nichts davon und weiß auch nicht, wie man das vernünftig umsetzen kann“, sagt auch der Inhaber der „Stadtapotheke“, Daniel Hierl, zum Thema Impfpflicht. Aber nicht nur deswegen ist er in Bezug auf das Impfen „mehr für Überzeugung und weniger für Verpflichtung“. Man müsse mehr Aufklärung betreiben. Letztlich sei das Ganze jedoch eine individuelle, persönliche Entscheidung.

Die Omikron-Variante des Corona-Virus breitet sich rasant aus, die Inzidenzen klettern in nie gekannte Höhen. Die gute Nachricht, das legen internationale Studien nahe: eine Infektion mit Omikron ist offenbar weitaus weniger gefährlich als etwa mit der zuvor dominierenden Delta-Variante des Virus. Die Bundesregierung spricht sich dennoch für eine allgemeine Impflicht im Frühjahr aus.

Aber macht diese überhaupt noch Sinn?

Wir wollen deshalb von unseren Lesern wissen:

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