Vier-Sterne-Hotel in Lechbruck: Bürgerinitiative äußert Bedenken – Betreiber stellen Konzept vor

Umstrittenes Hotel in Lechbruck: »Hier sollen keine Superreichen kommen«

Bürger bei Bürgerinformationsveranstaltung in Lechbruck
+
Wegen der strengen Corona-Auflagen dürfen nur die unmittelbaren Akteure persönlich an der Info-Veranstaltung teilnehmen.

Lechbruck – „Wir wollen dieses Hotel weder an diesem Platz, noch sonst irgendwo in Lechbruck stehen haben!“ Wolfgang Wagner von der Bürgerinitiative gegen das geplante Vier-Sterne-Hotel ließ am vergangenen Donnerstagabend während der Info-Veranstaltung zum geplanten Hotel-Projekt von Beginn an keine Zweifel an seiner Haltung und der seiner Mitstreiter. Wegen der Corona-Auflagen fand die Veranstaltung in der Lechhalle weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Eine Aufzeichnung soll in dieser Woche auf der Homepage der Gemeinde online gestellt werden.

Die Veranstaltung, zu der die Gemeinde eingeladen hatte, sollte beide Seiten die Gelegenheit geben, ihre Positionen zum geplanten Vier-Sterne-Hotel am Lechsee darzulegen. Wie bereits mehrfach im Kreisboten berichtet, will die Familie Lerch dort ein Hotel mit 140 Zimmern bauen. Dagegen formiert sich unter den Lechbruckern Widerstand. Nun wollen die Projekt-Gegner ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen. Die erforderlichen Unterschriften dafür haben sie zusammen, wie sie am Donnerstagabend bekannt gaben.

Für die Mitglieder der Bürgerinitiative ist das Projekt viel zu groß dimensioniert. Man sei zwar nicht grundsätzlich gegen Tourismus, betonte Wolfgang Wagner. „Aber nicht in dieser Form, denn das wäre auf einen Schlag 20 Prozent mehr. Und das überschreitet einfach die Verträglichkeit.“ Für Valerie Pfanzelt sieht es so aus, dass der Gemeinde neben dem Verkaufspreis nur die Erschließungskosten bleiben. „Und das wäre nur eine einzige Million Euro!“, sagte sie. „Was passiert mit dem Rest der 30 Millionen Euro Baukosten?“ Manuela Wagner sieht die Problematik vor allem im Verkehr. „Und das war auch der ursprüngliche Grund, warum die Bürgerinitiative gegründet wurde“, erinnerte sie.

Das von ihnen ins Gespräch gebrachte Baugebiet anstelle des Hotels sei ein Denkanstoß gewesen. Architekt Alexander Pfanzelt fragte: „Was kann an diesem Platz alternativ gebaut werden?“ So könnte das Areal am Hallenbad in den kommenden fünf bis zehn Jahren für die nächste Generation als Baugebiet für kleine Pensionen, oder Ferienwohnungen erschlossen werden.

Planer Thomas Haag von abtplan, der die kommunale Entwicklung betreut, wies darauf hin, dass bereits 2016 der damalige Bebauungsplan erstmals in der Bürgerversammlung vorgestellt wurde. Dieser sah 170 Zimmer und fünf Stockwerke vor. „Wären sich damals Investor und Betreiber einig gewesen, würde dort heute schon ein Hotel stehen!“, betonte er. 2019 sei schließlich ein neues Verfahren mit neuem Plan, anderen Betreibern und einem anderen Investor aufgestellt worden.

140 Zimmer

Harry Müller, Architekt und Planer des Hotels, stellte seine Pläne vor. „Es wird kein kleines Häuschen, es wird ein Hotel, dass sich wunderbar in die Landschaft einfügt.“ Von der gegenüberliegenden Seite des Sees würden die Klinik „Königshof“ und das Feriendorf „Hochbergle“ dominanter als das Hotel wirken, so Müller weiter. Der geplante Gebäude-Komplex soll 140 Zimmer haben und maximal 3,5 Geschosse. Es sind knapp 2000 Quadratmeter Spa und Wellnessbereich geplant. Eine Tiefgarage ist ebenfalls vorgesehen. „Dadurch, dass das Baufenster im Hang liegt, wirken diese 3,5 Geschosse wesentlich niedriger. Das Haus wird somit kaum wahrgenommen.“

Maximilian Lerch und Philipp Zwicker stellten anschließend sich und ihr Betreiberkonzept vor. Die Familie Lerch betreibt bereits drei weitere Hotels, ein Catering und einen Weinhandel. Lerch und Zwicker wollen das Hotel selber betreiben. Lerch und seiner Familie ist es nach eigener Aussage wichtig, nachhaltig zu planen. Sie wollen kein Luxushotel, sondern ein nachhaltiges Familienhotel, sagte er. „Hier sollen keine Superreichen kommen, wir haben ein Familienkonzept. Wir planen für Familien. Und vor dem Porsche 911, der durch das Dorf heizt, braucht ihr auch keine Angst zu haben, denn wir werden einen Fahrradverleih haben, auf den wir setzen.“

Restaurants und Kino

Der Spa-Bereich soll demnach in zwei Kategorien aufgeteilt werden. Einmal den Erwachsenenbereich und den Bereich für Familien und Kinder mit Rutschen. „Da sieht man auch, dass wir uns auf Familien einstellen“, sagte Lerch. Auch wollen die Betreiber Angebote für Kinder anbieten. „Sehr gerne auch für externe Kinder wie Töpfern oder Schreinern“, erklärte Zwicker. Ferner sollen auch Restaurants und ein Kino für alle externen Besucher zur Verfügung stehen.

Dem Einwand von Manuela Wagner, dass in dieses Hotel nur Reiche kommen werden und für die Nacht 500 Euro bezahlen, widersprach Lerch „Das würde ich gerne nehmen, bekomme ich aber nicht. Die Superreichen kommen nicht zu uns nach Lechbruck, die fahren weiter nach Lech, aber in das andere Lech“, meint er schmunzelnd.

Auf die Frage von Wagner, wer denn den Kuchenverkauf stemmen werde, wenn irgendwann nur noch Schwerreiche ihren Alterswohnsitz in Lechbruck haben, erwiderte er: „Ich grille regelmäßig am Sonntag rote Bratwürste bei uns auf dem Sportplatz, dann versuche ich mich zukünftig halt beim Kuchenverkauf. Das soll auch für Sie alle heißen: ihr müsst die nächsten zehn, 20 Jahren mit uns vorliebnehmen. Wir werden das Hotel nicht verpachten, oder an eine Hotelkette verkaufen. Wir werden selber vor Ort sein!“

Planer Haag ging anschließend auf die Kritikpunkte der Bürgerinitiative in ihrem Flyer ein. Beim Baustellenverkehr, besonders beim Aushub, werde es zu mehr Verkehr kommen. Der weitere Bauablauf soll aber gewerkweise erfolgen und zu weniger Verkehr führen. Die Befürchtung, dass es zu Straßenschäden kommen kann, wird von Haag ernst genommen. Nach seiner Information wurde die Straße beim Bau des Feriendorfes „Hochbergle“ und „Via Claudia“ bzw. Kläranlage nicht beschädigt. Auch werden Reparaturkosten, sollte es dennoch zu Schäden an der Straße kommen, nicht an die Anlieger weiter gegeben. An die Sicherheit der Kinder werde in Form von Gehsteigen, Querungshilfen und Geschwindigkeitsbeschränkungen gedacht.

Haag monierte, dass das Bild auf dem Flyer der Initiative zu groß dargestellt sei. Die Großaufnahme verzerre das Ganze. Die Wirkung des Hotels sei mit der Klinik Königshof und dem Feriendorf „Hochbergle“ fast gleich zu werten. Weiter ist sich Haag sicher, dass die Touristen auch trotz des Hotels künftig nach Lechbruck kommen werden. „Denn das Gesamt-Landschaftsbild bleibt erhalten!“

Zahlreiche Fragen

Zum Thema Baugebiet sagte Haag, dass sowohl das Landratsamt als auch die Regierung von Schwaben erklärt haben, dass in Außenbereichen wie dem fraglichen Areal Wohnbebauungen ausgeschlossen sind.

Eine von Bürgermeister Werner Moll vorgeschlagene Vorstellung des Investors Gerhard Breher lehnte die Bürgerinitiative nach einer kurzen Beratung ab.

In der anschließenden Fragerunde ging es unter anderem um den rund 180 Meter langen Fuß-Seeweg vor dem geplanten Hotel, der eventuell verlegt werden soll. Bürgermeister Moll sagte, dass es die Absicht der Kommune sei, den Weg an der besagten Stelle zu belassen. Sollte es allerdings bei einer Verlegung des Weges Richtung See mit der Unteren Naturschutzbehörde Probleme geben, hat der Gemeinderat bereits beschlossen, dass eine Verlegung vor das Hotel kein Totschlagargument für dieses sei.

Molls Worten nach bleibt aber auf alle Fälle sichergestellt, dass das geschlossene Rundwegsystem um den Lech bzw. Oberen Lechsee erhalten bleibe. Demnach sind Gespräche mit dem Betreiber des Campingplatzes geführt worden, um sicher zu stellen, dass der Weg unter Umständen auch um den Platz geführt werden kann.

Zum Thema Verkehrskonzept sagte Moll, dass der Kreis für die Kreisstraße zuständig sei. „Aber was ich sagen kann ist: für den Ausbau der Schongauer Straße haben wir einen Planungsauftrag vergeben. Das ist meiner Meinung die Hauptverkehrsachse. Und diese werden wir für Fußgänger und Radfahrer optimal ausbauen.“ Moll bestätigte, dass es in der Lechwiesenstraße bereits jetzt viel Verkehr gebe. „Gerne würde ich eine große Lösung bauen: Wie seit dem Jahre 2002 bereits im Flächennutzungsplan vorgesehen, könnte am Kreisverkehr von Bernbeuren kommend, hinter dem Königshof runter zur Lechwiesenstraße eine Umgehung für das gesamte touristische Areal angedacht werden.

Aber das wird ein harter Brocken Arbeit. Da sind mindestens zwölf Eigentümer, die Grund verkaufen müssten.“ Augenzwinkernd sagte er in Richtung Wolfgang Wagner: „Und dazu lade ich Sie gerne zu den Verhandlungen ein. Denn genau das ist auch der Grund, dass es in Lechbruck keine zu verkaufenden Bauplätze innerorts gibt. Es sind zwar viele innerörtliche bebaubare Grundstücke da, nur werden die entweder sehr hochpreisig, oder gar nicht verkauft.“

Zu dem Einwand, dass viele Familien in Nachbarorte abwandern würden, sagte Moll: „Das finde ich furchtbar, wenn ein Ort junge Menschen, die sich dazu noch in den Vereinen engagieren, durch Abzug verliert. Und ich würde wirklich gerne etwas dagegen unternehmen. Aber da sind mir die Hände gebunden, wenn gar nicht, oder exorbitant verkauft wird.“ Diese Situation bestehe aber jetzt schon, obwohl das Hotel noch gar nicht stehe.

In seinen Schlussworten wies Moll darauf hin, dass es ihm wichtig ist, dass alle Bürger die Möglichkeit zur Information bei einer Bürgerversammlung bekommen und bei einem Bürgerbegehren entscheiden dürfen. „Wir werden erst einen Termin beim Notar machen, wenn das Bürgerbegehren durchgeführt ist. Momentan ist das Gebiet am Hallenbad noch nicht verkauft!“

sz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

+++ Corona-Ticker Ostallgäu +++ Aktuell 487 Infizierte im Landkreis und Kaufbeuren
+++ Corona-Ticker Ostallgäu +++ Aktuell 487 Infizierte im Landkreis und Kaufbeuren
Neue Harmonie im Füssener Stadtrat
Neue Harmonie im Füssener Stadtrat
Exhibitionist vor Gericht: Nackte Tatsachen im ABC-Bad
Exhibitionist vor Gericht: Nackte Tatsachen im ABC-Bad

Kommentare