Minister Spaenle spricht über Ludwig und die Griechen

"Nix gab es mehr"

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Kultusminister Ludwig Spaenle referiert in Hohenschwangau über Ludwig I.

Hohenschwangau – Über „König Ludwig I. und den bayerischen Philhellinismus“ referierte jetzt der Bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (CSU).

Kaum einen besseren Redner hätte das Museum der bayerischen Könige dafür gewinnen können, gilt der Staatsminister doch als ausgewiesener Kenner des Themas. 1989 promovierte er zum Thema „Der Philhellenismus in Bayern: 1821 – 1832“ an der LMU München. 

Wer einen trockenen Vortrag erwartet hatte, wurde daher enttäuscht. Lebendig und engagiert wusste der Minister eine Stunde lang die Zuhörer im voll besetzten Saal in seinen Bann zu schlagen. Schon als Thronfolger sei König Ludwig I. ein glühender Verehrer der klassisch-griechischen Bildung gewesen. Als sich „das kleine Volk der Griechen – nix gab es mehr dort, nur brachliegendes Land – gegen seine Besatzer (fast 400 Jahre lang, Anm. der Red.), die Weltmacht des Osmanischen Reiches erhob, war das ein politisches Erdbeben, das weltweite Auswirkungen zeigte“, berichtete Spaenle. 

„Eine weltweite Solidaritätsbewegung bis in die USA und rund um den Erdball war die Folge, vergleichbar etwa mit der Verehrung Che Gueveras bei der kubanischen Revolution – politisch natürlich mit anderen Vorzeichen“. So habe der Großvater des Märchenkönigs Offiziere der bayerischen Armee zur Unterstützung der Bewegung auf den Pelepones geschickt: „Militärberater, so wie heute die USA ihre Berater in Krisengebiete schickt.“ 

Motive, die Ludwig dafür gehabt habe, seien unter anderem gewesen: Die Wahrung der griechisch-humanistischen Wurzel/Lehre, deren Bedeutung für die Ausbildung der Gesellschaftsschicht, die Führungsaufgaben übernehmen sollte, und die Ermordung des christlich-orthodoxen Bischofs, den die Osmanen an die Kirchentür geschlagen haben sollen, habe kein Land zulassen können. „Dem Abschlachten, dem Genozid – ähnlich wie heute in Syrien – musste Einhalt geboten werden.“ 

Kapitaler Fehler 

Dass Ludwig I. Millionen für Griechenland sammelte, ausgab und dafür bürgte, ist mehr oder weniger bekannt. Dass er sich aber weigerte, seinem Sohn Otto I. von Griechenland die Einführung einer konstitutionellen Monarchie zu erlauben, mag überrascht haben. Das sei der kapitale Fehler König Ludwigs gewesen, so der Minister. „Mit der absoluten Monarchie hatten die Griechen ihr Problem.“ Zwar habe Ludwig seine Berater ins befreite Griechenland geschickt, die den Staat nach bayerischem Vorbild aufbauen sollten. 

Aber: „Man muss sich vorstellen: Es wurden sogar die Uniformen schon entworfen, bevor es eine echte Armee gab...“, verdeutlichte der Minister den Aufbau-Idealismus des bayerischen Philhellenen-Königs. Neben seinem Architekt Leo von Klenze habe König Ludwig auch Friedrich Wilhelm von Thiersch zum Aufbau des neuen Staates nach Griechenland geschickt. Während Klenze die neue Hauptstadt Athen mit seinen klassizistischen Bauten hochzog, war Thiersch, der wohl maßgeblich an der Inthronisierung König Ottos beteiligt war, für die höhere Bildung zuständig, später dann auch wieder in Bayern. Hier schließt sich der Kreis: Der glühende Philhellene Thiersch war von 1809 bis 1811 Professor am Münchner humanistischen Wilhelmsgymnasium, an dem Spaenle 1980 sein Abitur abgelegt hat. 

Auf die Frage, ob der Minister aus München auch so ein begeisterter Philhellene (Philhellinismus: Freundschaft zum Griechentum, Anm. der Red.) wie Ludwig sei, antwortete er: „Leider, leider war ich erst spät, nach meiner Promotion, erstmals in Griechenland. Aber es gibt noch heute eine besondere Beziehung zwischen den Griechen und den Bayern. Das sieht man, wenn man in der Athener Altstadt um die ‘Plaka’ herum unterwegs ist.“

Johanna Lang

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