Vertreter der Heilbäderverbände übergeben das begehrte Zertifikat

Schwangau ist allergikerfreundlich

+
Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke (links) erhält von Anja Bode (DHV) und Dr. Christian Alex (BHV) die begehrte Auszeichnung für seine Kommune.

Schwangau – Als achte Gemeinde in Deutschland und als erste im Ostallgäu hat der heilklimatische Kurort Schwangau nun ein weiteres Gesundheitszertifikat erworben: allergikerfreundliche Kommune.

Bei einer kleinen Feierstunde übergaben Anja Bode vom deutschen Heilbäderverband DHV und Dr. Christian Alex vom Bayerischen Heilbäderverband die Urkunden an die Vermieter, Dienstleister und die Gemeinde. Damit setzt die Schlössergemeinde ihre Tradition fort – bereits 1926 wurde Schwangau Luftkurort. Jeder dritte Deutsche ist einer neuen Erhebung zufolge Allergiker, reagiert mit Schnupfen, Niesen oder Schlimmeren auf Blütenpollen, Lebensmittel und deren Zusätze, Hausstaub oder Tierhaare.

Eine Entwicklung, der die Verantwortlichen in den Urlaubsregionen, bei Dienstleistern und Gastgebern mittlerweile Rechnung tragen. Auch die Schwangauer Tourismusdirektorin Petra Köpf griff das Thema auf: Fast genau ein Jahr zuvor habe sie, erinnerte die Tourismusdirektorin, Anja Bode bei einer Tagung in Garmisch-Partenkirchen getroffen und sei ins Gespräch gekommen. Nun, ein Jahr später sei es gelungen, mehr als die benötigten zehn Prozent ins Boot zu holen, so Köpf.

In Zahlen: Mit dem Stichtag wurden 54 Unterkünfte mit knapp 500 Betten sowie vier Dienstleistungsbetriebe zertifiziert. „Ein wichtiger Baustein für Schwangau“, befand Petra Köpf. Vor allem vor dem Hintergrund, dass statistisch gesehen in jedem Haushalt mittlerweile mindestens ein Allergiker lebt. Anja Bode, die die Schulungen der Vermieter vorgenommen und die Zimmer und Ferienwohnungen zertifiziert hatte, erinnerte daran, dass Allergiker inzwischen die größte Gästegruppe stellen. „Tendenz steigend“, so die Vertreterin des Deutschen Heilbäderverbandes.

Sicherheit für alle 

Daher wollte der DHV die Entwicklung in geregelte Bahnen lenken, Standards schaffen. „Jeder probiert es mit mehr oder weniger Erfolg und Geschick“, beschrieb Bode die zugrunde liegende Idee. Denn durch die Zertifizierung erhalte der Allergiker die Sicherheit, dass ein bestimmter Standard gegeben sei. Gleichzeitig würden aber auch die Anbieter vor übertriebenen Forderungen geschützt. So sei klar, dass das Haus oder die Ferienwohnung neben einer blühenden Blumenwiese liegen könne.

Der Gast habe aber die Sicherheit, dass in seinem Zimmer oder in seinem Appartment niemals Haustiere waren, dass mit bestimmten Standards geputzt wird und beispielsweise Schutzbezüge gegen Hausstaubmilben vorhanden seien. Um die Standards zu definieren, so Bode, habe man sich medizinische Unterstützung gesucht und diese bei Dr. Torsten Zuberbier, dem geschäftsführenden Direktor und Leiter des Allergie-Centrums der Charité in Berlin gefunden. Gemeinsam mit der europäischen Stiftung für Allergieforschung, ECARF, seien dann die Kriterien für die Urlaubsorte, für Gastgeber und Dienstleister erarbeitet worden. „Wir haben 90 Prozent der Bedürfnisse mit diesen Kriterien abgedeckt“, betonte Bode und unterstrich, dass „diese Kriterien leicht umzusetzen sind“. Mit ein wenig Aufwand könne viel erreicht werden.

Dienstleister mit dabei

 Dabei wolle niemand klinischen Verhältnisse, sondern eben eine gesunde und allergikerfreundliche Umgebung schaffen. Bestimmte Rahmenbedingungen seien obligatorisch – zum Beispiel, dass niemals Tiere in die zertifizierten Zimmer kommen. Andere Leistungen gebe es auf Nachfrage, etwa Schutzbezüge für Hausstauballergiker. Man könne keine Beschwerdefreiheit garantieren, so Bode, aber die Betriebe seien geschützt vor zu hohen oder übertriebenen Ansprüchen. Aber nicht nur die Schwangauer Vermieter sind mit im Boot bei der Zertifizierung, mindestens ein Dienstleister bzw. Einkaufsmöglichkeit gehöre ebenfalls dazu, teilte Anja Bode mit.

Neben der Schönegger Käsealm und dem Schwangauer Brauhaus wurden auch die beiden Nahversorger REWE und Feneberg geschult und bieten eine allergikerfreundliche Umgebung und Produkte an. Bode dankte nicht nur den Vermietern und Anbietern, sondern explizit auch der Tourismusinformation und der Verwaltung, die hinter der Zertifizierung stünden. Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinkle hatte zu diesem Zeitpunkt schon kurz einen Exkurs in die Geschichte gemacht, die 1926 mit dem Prädikat Luftkurort begann und in der Zwischenzeit weitere Etappen wie Heilklimatischer Kurort schaffte.

Um sicherzustellen, dass die Standards weiter hochgehalten werden und es sich nicht nur um Eintagsfliegen handelt, werden die Betriebe alle zwei Jahre wieder zertifiziert. Außerdem hofft Bode, weitere Betriebe ins Boot holen zu können. Für die Betriebe seien kaum Kosten entstanden. Das Schild, das auf die Betriebe hinweist, wurde von der Gemeinde in Auftrag gegeben und soll in den nächsten Tagen noch überreicht werden.

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Sex-Attacke auf 15-Jährige
Sex-Attacke auf 15-Jährige
Die Freiheit eines Christen
Die Freiheit eines Christen
Einbrecher-Duo geschnappt
Einbrecher-Duo geschnappt
Mehr Betten
Mehr Betten

Kommentare