Mobilfunk-Kritiker fordern unabhängigen Gutachter

"Wir sind Feldmäuse"

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Stephanie Zeller (Mitte), Erste Sprecherin des Mobilfunkforums Füssen, übergibt zusammen mit einigen Mitgliedern 364 Unterschriften an Füssens Bürgermeister Paul Iacob (rechts).

Füssen – Viele Füssener machen sich beim Thema Mobilfunk Sorgen. Das wurde jetzt in der Bürgersprechstunde deutlich.

deutlich. Dabei untermauerten Mitglieder des Mobilfunkforums nicht nur ihre Forderungen nach einem unabhängigen Gutachter, sondern wollten auch auf die möglichen Folgen der verstärkten Strahlung am Galgenbichl hinweisen. Eigentlich stand das Thema Mobilfunk gar nicht auf der Tagesordnung des Stadtrats. Dennoch zog es sich durch die gesamte Sitzung. 

Den Auftakt machte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Die Standzeit des bestehenden Sendemasten in Eschach wird bis März 2016 verlängert, gab er bekannt. „Die Telekom will keine sendefreie Zeit“, erklärte Iacob. Darauf habe sie sich mit dem Vermieter geeinigt. Diesen alten Masten sollen, wie mehrfach berichtet, zukünftig zwei Sender auf dem Fischer- und Galgenbichl ersetzen. Nach dem Willen der Stadträte sollte der Mast am Galgenbichl direkt beim Wasserbehälter entstehen. 

Doch das Landratsamt sprach sich wegen eines Magerrasens aus Naturschutzgründen dagegen aus (der Kreisbote berichtete). Stattdessen soll er nun am Waldrand hinter dem Gipfel errichtet werden. Das aber kritisierte Dr. Martin Metzger (BFF). Der Stadtrat habe lange um diesen Standort gerungen. „Wir haben hier die Chance, eine relativ geringe Belastung zu bekommen“, so Metzger. Deshalb wollte er wissen, ob der Naturschutz rechtlich über dem Wohl der Bürger stehe. Das sei ein Abwägungsproblem, meinte daraufhin Dr. Christoph Böhm (CSU). 

Daneben führte Iacob an, dass man den Mast am jetzt vorgesehenen Standort am Waldrand nicht mehr von Füssen aus sehen könne. Durch diesen optischen Schutz könne der Mast auch höher ausfallen, was eine geringere Strahlungsbelastung für die Bürger zur Folge hätte. Der jetzt geplante Standort ist „weiter von der Wohnbebauung und weiter von den Schulen weg“, so Iacob. 

Das langjährige Engagement der Stadt nach Plätzen für Mobilfunkmasten wisse das Mobilfunkforum Füssen durchaus zu schätzen, erklärte Stephanie Zeller, Sprecherin des Mobilfunkforums in der anschließenden Bürgersprechstunde. Nur „das nutzt nichts ohne einen unabhängigen Gutachter“, der selbstständig nach alternativen Standorten suche. 

Denn Dr. Peter Nießen vom Kölner EMF-Institut sei bei der jetzigen Suche gesagt worden, an welchen Plätzen er die Strahlenbelastung berechnen sollte, so Zeller. Außerdem habe er sich lediglich auf Standardwerte bezogen. Deshalb forderte sie einen unabhängigen Gutachter zu beauftragen, der nach alternativen Standorten suche. 

Nicht mehr relevant? 

Um ihre Forderung zu untermauern, überreichte sie Iacob 364 Unterschriften, die das Forum innerhalb weniger Wochen in Füssen gesammelt hat. 

Iacob hielt allerdings dagegen, dass der Zweckverband Allgäuer Land bereits 2009 zusammen mit Nießen ein unabhängiges Gutachten erstellt habe, indem die geeignetsten Orte für Mobilfunkmasten ermittelt wurden. Dieses müsse man zwar irgendwann erweitern. Doch derzeit werde es immer noch herangezogen. Davon ließen sich die Mitglieder des Mobilfunkforums aber nur wenig beeindrucken. „Das ist nach heutigem Standard gar nicht mehr relevant“, erklärte ein Mitglied. 

Welche Folgen eine erhöhte Strahlung für elektrosensible Menschen haben kann, darauf wies anschließend eine Betroffene aus dem Mobilfunkforum hin. Sie habe sich ihre Wohnung am Galgenbichl wegen der geringen Belastung ausgesucht. Sie als Mieterin könne einfach wegziehen, für Wohnungsbesitzer sei das aber nicht so einfach. Ihre Immobilien würden durch die Strahlenbelastung im Wert gemindert. Deshalb forderte sie die Stadtverwaltung auf, die Strahlenbelastung auf dem Galgenbichl vorher und nachher zu untersuchen. „Mir ist klar, dass die Masten irgendwo angebracht werden müssen“, erklärte sie. Aber: „Wir sind Feldmäuse. Keiner weiß was rauskommt.“ 

„Wir wissen tatsächlich nicht, was wir tun“, erklärte Metzger, der Arzt ist. Das sei keine reine Angstmache des Mobilfunkforums. In Skandinavien werde beispielsweise die Ausbildung der Neurochirurgen verdoppelt, da man dort davon ausgehe, dass die Zahl der Hirntumore künftig steigen werde.

kk

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