Iris Jasmin Krafka erzählt von ihre Rucksacktour durch Kanadas Wildnis

Wilde Tiere, Kälte und Einsamkeit

+
Polarlichter zählen zu einem der Höhepunkte, die Iris Jasmin Krafka während ihrer Kanadareise erlebt hat.

Füssen – Ein Hirschangriff, Temperaturen von bis zu minus 30 Grad, Bergtouren auf 3000 Höhenmetern und campen in der Wildnis: Die 23-jährige Iris Jasmin Krafka aus Füssen ist in Kanada in das bisher größte Abenteuer ihres Lebens gestolpert.

Ohne konkreten Plan flog sie allein nach Calgary, schloss sich einem Tierfilmer an und tauchte in Kanadas Natur ein. Schon als Fünfjährige wollte Krafka die kanadischen Rocky Mountains sehen. Dann im September vergangenen Jahres hatte sie die Nase voll vom Alltag. „Ich brauchte eine Auszeit“, so Krafka. 

Sie buchte einen Flug nach Calgary. In den kommenden drei Monaten wollte sie mit dem Rucksack die Westküste entlang nach Los Angeles reisen. Doch soweit kam sie nicht. In der Provinz Alberta blieb sie hängen. 

Trampen und Couchsurfing 

Um Geld zu sparen, schlief die Studentin bei Einheimischen auf der Couch, die sie über das Gastfreundschaftsnetzwerk „Couchsurfing“ im Internet kontaktiert hatte, und trampte. Allerdings nicht im klassischen Sinn. Sie sprach Leute vor Ort an, ob sie sie mitnehmen können. Denn nach einer Touristen-Attraktion „kommt 200 Kilometer gar nichts“ und dann ist man irgendwann an der nächsten Sehenswürdigkeit. „Die fahren alle dahin“, so die Studentin. 

Auf diese Weise erreichte sie nach 400 Kilometern Jasper ohne einen Cent für den Transport ausgegeben zu haben. Schlechte Erfahrungen hat sie weder dabei noch beim „Couchsurfing“ gemacht. Im Gegenteil: „Ich war positiv überrascht“. In Calgary übernachtete sie bei einem Kanadier, der gar nicht da war, als sie ankam. „Der Schlüssel lag unter der Fußmatte“, staunte sie über so viel Vertrauen. 

Trotzdem, reines trampen, und das alleine, würde sie wohl nicht mehr machen. Denn es ist sehr riskant. „Ich will nicht andere junge Leute, vor allem Frauen, dazu ermutigen das gleiche zu tun. Ich kenne sehr viele Leute, die damit schon in brenzlige Situationen gekommen sind“, so die Füssenerin. Zudem waren „die typischen Touristen-Attraktionen“ ohnehin nicht ihr vorrangiges Ziel. 

Sie wollte raus in die Natur. 

Einen ersten Vorgeschmack auf die kanadische Wildnis bekam sie bei zwei Bergtouren, die sie mit Bekanntschaften unternommen hat. Ohne richtigen Wanderweg, ausgerüstet mit GPS-Gerät ging es bergauf. „Das waren richtig heftige Bergtouren über 3000 Meter“, so Krafka. Dabei machte ihr vor allem die Höhe zu schaffen. Kopfweh und Schwindelgefühl waren die Folge. 

Auf was man aber vor allem aufpassen muss, sind Bären. „Es gibt die Vorschrift immer zu viert unterwegs zu sein“, so die Füssenerin. Bei der zweiten Bergtour spielte das Wetter nicht mit. Nebel zog auf, es regnete, die Temperaturen fielen – „wir sind umgekehrt“, sagt die Studentin. 

Das richtige Abenteuer begann aber erst in Jasper. „Ich wollte unbedingt Leute kennen lernen, die über die Natur Bescheid wissen“, erklärt die 23-Jährige. Und dort sprach sie zufällig den Dokumentarfilmer und Produzenten Andrew Manske an, den sie daraufhin begleitete. Der war unterwegs, um im Nationalpark Hirsche während der Brunft zu filmen. Die waren zu diesem Zeitpunkt überall in Jasper. „Sie suchen die Nähe der Menschen, um nicht von Wölfen angegriffen zu werden.“ 

Doch während der Brunft sind sie auch sehr leicht reizbar. Was die Füssenerin am eigenen Leib zu spüren bekam. „Wir waren zur falschen Zeit, am falschen Ort.“ Ein Tier fühlte sich offenbar gestört und kam auf sie zu. „Ich hab gedacht, jetzt ist es vorbei“, so die Studentin. Doch Manske schubste sie aus der Gefahrenzone, sie stolperte, rollte einen Hügel hinunter und riss sich dabei die Bänder. Deshalb war erst einmal Erholung angesagt. Danach die nächste Herausforderung: Die Temperaturen fielen auf minus 30 Grad. Innerhalb von zwei Tagen war der Lake Louis komplett zugefroren. „Wir sind wie in eine Wand reingefahren. Es war abartig kalt. Du bist fünf Minuten draußen und dir tut alles weh. Alles, was ich hatte (an Kleidung – Anmerk. d. Rd.) hab ich geschichtet“, so die 23-Jährige. Doch abschrecken ließ sie sich davon nicht. Ganz im Gegenteil. 

Vielfraße untersuchen 

Nur drei Monate nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zog es sie erneut nach Kanada. Wieder war sie mit dem Tierfilmer Manske unterwegs und dieses Mal ging es Richtung Polarkreis, um Vielfraße zu beobachten. Die sind nur noch in Nordkanada häufiger verbreitet und extrem scheu. So schlossen sich die beiden dem Biologen Matt Scrafford an, der seit fünf Jahren diese Tiere untersucht. Sie halfen die Vielfraße zu fangen und ihnen Halsbänder anzulegen. Dabei waren sie drei bis vier Stunden draußen und das bei minus 32 Grad. „Das war brutal“, so Krafka. 

Anschließend ging es weiter nach Süden, in eine einfache Blockhütte, 30 Kilometer von den nächsten Nachbarn entfernt. Da wurde sogar das Wasserholen zum Abenteuer. Denn für die Bären war es Zeit aus ihrem Winterschlaf aufzuwachen. Hält das Eis? Sind da Bären? – schießt einem da durch den Kopf. „Ein paar mulmige Situationen“ waren schon dabei, gibt Krafka zu. Doch insgesamt sind die Tiere ziemlich scheu. „In den ersten acht von zehn Tagen haben wir kein Tier gesehen“, so die Füssenerin. 

Doch „langweilig wars nie. Ich fand es sehr entspannend zu malen und zu lesen“, während sie auf die Tiere wartete. Und es hat sich gelohnt. Am Ende sah sie Flussotter, Elche, Hirsche, Vielfraße, Schneeeulen, eine Grizzly-Familie und sogar einen Luchs. Dem war sie so nah, „dass ich ihn hätte berühren können.“ Um so stressiger wurde es für sie aber in der Stadt. „Wenn du so lange keine Leute“ um dich hast, ist ein Spaziergang durch die Stadt die reinste „Reizüberflutung“, so die Füssenerin.

Katharina Knoll

Auch interessant

Meistgelesen

Die Freiheit eines Christen
Die Freiheit eines Christen
Einbrecher-Duo geschnappt
Einbrecher-Duo geschnappt
Mehr Betten
Mehr Betten
Kiosk wird versetzt
Kiosk wird versetzt

Kommentare