Inseln im Forggensee werden gepflegt

Kampf gegen die "grüne Hölle"

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Die größte der künstlichen Inseln vor Waltenhofen: Deutlich erkennbar ist, wo die Landschaftspfleger ausgeholzt und Sichtachsen geschnitten haben. Ein Tropfen auf den heißen Stein, so die Schwangauer Gemeinderäte, das Unkraut wuchere nun nur umso schneller.

Schwangau – Sie sind wahrlich keine Zierde: ein gutes halbes Dutzend „Inseln“ im Forggensee auf Schwangauer Seite. Geschaffen wurden die Inseln im Rahmen der Wasserspiegelabsenkung des Forggensees, nun wurde erstmals die „grüne Hölle“ gepflegt, berichtete Bürgermeister Stefan Rinke im Gemeinmderat.

Die größte der sieben Inseln liegt vor Waltenhofen vor dem dortigen Segelclub. Und hier ist am augenscheinlichsten, was der Landschaftspflegeverband, in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt und dessen Flußmeisterstelle, geschaffen hat: die ungeordnete Vegetation zurechtgestutzt.

„Kulturlandschaft sollte gepflegt werden“, merkte Rinke an. Deshalb habe man hier tätig werden müssen, obschon die Inseln mittlerweile einen Schutzstatus genießen. Für viele im Gemeinderat war das aber nicht ganz nachvollziehbar, denn eigentlich wurde die Idee der Inselaufschüttungen aus einer Not heraus geboren.

Denn das Sediment, das der Lech auf dem Boden des Forggensees ablagert, ist eigentlich Sondermüll. Zumindest gehört es auf eine entsprechende Deponie, wenn man es entnimmt.

Nachdem aber im Rahmen der Ertüchtigung des Forggensees für den Hochwasserschutz dessen Wasseroberfläche um einen halben Meter abgesenkt wurde, musste entsprechend Material aus bestimmten Bereichen, vor allem in der Brunnener Bucht, entnommen werden, um die Passage für Segelboote und die beliebte Füssener Forggenseeschifffahrt weiterhin zu gewährleisten.

Rechtzeitig gehandelt

 Eine Deponierung des Aushubes stand seinerzeit aber nicht zur Debatte, stattdessen wurde das vor allem sandig-schluffige Material mit Kiesen aufgeschoben und sieben Inseln – drei vor Waltenhofen und vier in der Brunnener Bucht – geschaffen. Allerdings entwickelte sich ein Automatismus, so Rinke, so dass diese Inseln zu schützenswerten Flächen wurden. Angeblich sei sogar Magerrasen auf den Aufschüttungen gefunden worden.

 Außerdem vor allem zahlreiche Kräuter, Gräser und kleinere Bäume bzw. Sträucher, deren Samen mit dem Wind auf die Eilande vertragen wurden. Rechtzeitig konnte nun ein Rückschnitt bzw. ein Ausholzen der „grünen Hölle“ vorgenommen werden. Dringend notwendig, wie mancher Gemeinderat meinte, denn irgendwann würde man Füssen nicht mehr sehen können. Dies sei aber nun ein Anfang, erklärte Rinke.

Die Maßnahmen müssen nun Jahr für Jahr weitergeführt werden. Kritik gab es aber auch an der Auswahl der Inseln. So sei eine, die direkt vor der Einfahrt zum Segelclub in Brunnen liegt, nicht gepflegt worden. Hier beschatte die Vegetation aber die Fahrrinne und halte den Wind ab, so dass die Segler mit ihren Booten nicht mehr ausfahren könnten.

Komplizierte Situation

 Unverständlich ist für die Räte vor allem auch, warum nicht andere Teile des Sees – etwa vor Horn – aufgefüllt würden, damit die ungeliebten Inseln verschwinden oder zumindest umgegraben werden können.

 Aber auch hier greife der Naturschutz. So sei etwa der nördliche Teil der Brunnener Bucht ein Trockenüberschwemmungsbiotop. Ebenso ist die Auenlandschaft vor Horn als Biotop gemeldet und damit geschützt.

Wie kompliziert die Situation für die Gemeinde ist, daran erinnerte Rinke, der im vergangenen Jahr erstmals bei den Forggenseegesprächen im Landratsamt teilgenommen hatte. Man schiebe hier die Verantwortung zwischen Freistaat und dem Betreiber EON hin und her und kümmere sich nicht um die Zuständigkeiten. So würden etwa Teile des Sees verlanden, ohne dass EON hier eingreifen müsse, kritisierte er. Dafür habe die Stadt Füssen die Genehmigung, den See auf eigene Kosten ausbaggern zu dürfen, um die Fahrrinnen für die Forggenseeschifffahrt erhalten zu können.

Nicht nur im Hinblick auf die „grüne Hölle“ meinte ein Gemeinderat, dass das keine dauerhafte Lösung sei. Hier fehle es eindeutig an der Unterstützung durch den Freistaat.

Oliver Sommer

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