Seit zehn Jahren wird die Flößerei in Lechbrucks ältestem Gebäude dargestellt

Das Flößermuseum feiert Jubiläum

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Gabriele Rüth, Erste Vorsitzende des Vereins Flößerstraße (v.l.), Ingrid Kahlert vom Museumsverein und Altbürgermeister Dietmar Hollmann blicken auf die Geschichte der Flößerei und der Entstehung des Flößermuseums zurück.

Lechbruck – Es ist eines der ältesten Gebäude in Lechbruck und beherbergt heute die Geschichte des Flößerdorfes. Vor zehn Jahren wurde aus dem Dodl-Haus das Flößermuseum. Jetzt wurde dieses Ereignis gebührend gefeiert.

„Was willst denn mit der alten Hütte? Die fällt doch schon fast ein“. Damit beginnt die Geschichte eines Hauses, das selber schon Teil der Geschichte Lechbrucks ist. Er erinnere sich an so manche Begebenheit rund um das Krummschneider-Dodl-Haus, so Altbürgermeister Dietmar Hollmann. Er war seinerzeit eine der treibenden Kräfte, das Haus für die Nachwelt zu erhalten. 

Als Bürgermeister sei er immer wieder vom Denkmalschutz darauf aufmerksam gemacht worden, wie wichtig das Gebäude in der Ortsmitte Lechbrucks für die Region sei. Man sehe dieses Bohlenständerbauweise, in der das Haus errichtet wurde, nicht allzu oft im Allgäu, schiebt Hollmann als Erklärung nach. Just um diese Zeit, Anfang der 1990-iger Jahre wurde bekannt, dass die Schneiderei Dodl, die im hinteren Teil des Hauses untergebracht war, verkauft werden sollte. 

Da habe er reagiert und dem Erben mitgeteilt, dass die Gemeinde ihr Vorkaufsrecht nutzen wolle. Auch das Vordergebäude, damals im Besitz des Vizebürgermeisters Hermann Biberacher, konnte Hollmann erwerben. „Das Gebäude hat eine Geschichte, die es wert war, das Projekt anzugehen“, meinte Hollmann im Rückblick. Noch bevor die Restauratoren ans Werk gingen, war klar, dass das große Gebäude in der Ortsmitte nicht Platz machen dürfe für einen Bauplatz, wie ältere Lechbrucker meinen. Aber im Gemeinderat habe man nicht mit seiner Hartnäckigkeit gerechnet, fügte Hollmann schmunzelnd an, der das Projekt Flößerhaus mit Vehemenz verfolgte. 

Ältestes Gebäude 

So fand man unter anderem einen Balken, an dem sich die Flößermeister Lechbrucks verewigt haben. Und die Spuren im Haus erbrachten eine Jahreszahl: 1645. Damit ist das Haus das älteste Gebäude Lechbrucks. „So sind wir damals ins Thema eingestiegen“, wobei Hollmann anfügte, dass der Erhalt des Gebäudes noch nicht ganz im Dorfgedanken vorhanden gewesen sei. Und man suchte einen Weg, den Erhalt zu stemmen und das Haus in den Vordergrund zu holen – der Förderverein wurde 1995 gegründet. Begeistert im Ort waren vor allem die „alten“ Handwerker, namentlich der Zimmerermeister Quirin Wörle, auch Arnold Höpfl und Georg Keller, der den Vorsitz des Fördervereins übernahm. 

Sie hätten sich hervorragen und vor allem sehr feinfühlig eingebracht, lobte Hollmann. 1997 begannen die Sanierungsarbeiten, obgleich man von staatlicher Seite nicht sicher war, ob sich die Restaurierung überhaupt lohnt. Nur der Hartnäckigkeit des Flößervereins war es zu verdanken, dass die Arbeiten fortschreiten konnten. Mehr als 6000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit sind in die Sanierung des Dodl-Hauses geflossen, wie die Besucher in der Lechhalle erfahren. Dabei sei ein Kulturgut entstanden, so Hollmann, dass „ganz wichtig ist für unsere Gemeinde“. 

Dabei betonte Hollmann, dass man nicht einfach nur ein Heimathaus habe bauen wollen, sondern der mehr als 1000-jährige Geschichte des Flößerdorfers, dem Brötchengeber über die Jahrhunderte, ein Denkmal setzen wollte. Und es sei gelungen, das Museum in den Jahreskreis der Aktivitäten Lechbrucks einzubinden. Stube, Küche, Tenne seien nicht nur Museumsraum, sondern auch Veranstaltungsraum und Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft. „Es war richtig“, so Hollmann, „das Haus für die Gemeinde als Kulturgut zu installieren“. 

So gut, dass die Gemeinde zur Eröffnung des Hauses 2005 von staatlicher Seite beglückwünscht wurde und sogar die bayerische Denkmalschutzmedaille für das Museum erhielt. Neben der Geschichte der Flößerei beherbergt das Haus auch die Geschichte der Steinbrüche Lechbrucks. Bei der Altenstädter Basilika habe man zu Sanierungszwecken einen Stein gesucht, erinnerte Hollmann. Und den passenden in einem der Lechbrucker Sandsteinbrüche gefunden, die er seinerzeit als Bürgermeister auch als Kulturgut retten konnte. Damit, so Hollman, habe man weitere Belege über die Dorfaktivitäten gefunden, die in diesem Fall bis ins Jahr 1100 nach Christus reichen, als die Kirche erbaut wurde. 

Wahre Fundgrube 

Mittlerweile ist das Flößermuseum zu einer wahren Fundgrube geworden. Erst jüngst wurde dort ein Geschenk König Ludwigs II. ausgestellt, das mittelbar mit der Flößergeschichte am Lech verknüpft ist. Neben einem originalgetreuen Floß im Obergeschoss und dem „Steinbruch“ kann man sich mit Hilfe eines Modells ein Bild von Lechbruck machen, das den Ort um 1800 herum zeigt. Auch der Brückenheilige Nepomuk, dessen Replika nun auf der Lechbrücke steht, hat im Museum ein schützendes Dach gefunden. 

Mit den Jahren stiegen auch die Besucherzahlen konstant an, ebenso die Zahl der Führungen. Allein 2014 kamen rund 3000 Besucher in das Museum, oft kamen die Gäste mehrfach und empfehlen es auch weiter, wie Ingrid Kahlert vom Museumsverein weiß. Mittlerweile hat man sich mit dem Museum einen Namen weit über die Landkreisgrenzen hinaus gemacht, weshalb auch Vertreter des Vereins Flößerstraße e.V. nach Lechbruck gekommen waren. Sie unterhalten in Wolfratshausen ein Museum, allerdings nur ein Heimatmuseum, wie deren erste Vorsitzende Gabriele Rüth, bedauerte. 

Dafür hatte sie eine besondere Auszeichnung im Gepäck, die Flößerei ist nämlich nach UNESCO-Standard ein immaterielles Kulturgut, das es zu schützen gilt. Neben den Erinnerungen Hollmanns zum Museum gab es jetzt im Rahmen der Jubiläums-Feierlichkeiten diverse Vorträge. So referierte Prof. Dr. Karl Filser von der Universität Augsburg (Autor von „Flößerei auf Bayerns Flüssen“), zum Thema „Lechflößerei“. 

Der Autor Peter Nasemann berichtete über „Der Lech – Wandel einer Flusslandschaft“, Annemarie Fichte erzählte „Lech’gschichten“, Anekdoten über Flößer hatte der Premer Bürgermeister Herbert Sieber mitgebracht und der bekannte Lechbrucker Autor Hans Schütz las aus seinen Büchern. Die musikalische Umrahmung gestaltete die Gruppe Flößermusi.

Oliver Sommer

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