Bürger wollen gegen Bebauung unterhalb des Klosters klagen

Gegen den Ausverkauf

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Stadtrat und Architekt Magnus Peresson erläutert zahlreichen Interessierten das Bauvorhaben unterhalb des Franziskanerklosters.

Füssen – Was der Maler Domenico Quaglio (1787-1837) dachte, als er vom Vorplatz des Franziskanerklosters über die Altstadt zum Hohen Schloss hinüberblickte, ist nicht überliefert. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass der Münchner Künstler hellauf begeistert war.

Und zwar so begeistert, dass er den Anblick in einem Bild festhielt – weshalb der Platz noch heute „Quaglioblick“ genannt wird. Mit dieser einmaligen Aussicht könnte es bald jedoch vorbei sein: Die domus sana Bau GmbH will vier Wohngebäudekomplexe in den Hang unterhalb des Klosters bauen, die die Sicht voraussichtlich beeinträchtigen werden. 

Einige besorgte und verärgerte Füssener Bürger wollen das jedoch nicht hinnehmen und streben nun eine Normenkontrollklage gegen den dort geltenden Bebauungsplan an. Diesen Bebauungsplan (B-Plan) hat der Bauausschuss Anfang Juli nach einer emotionalen Debatte und trotz vielseitiger und deutlicher Kritik der Denkmalbehörden, des Bistums Augsburg und Füssen Tourismus und Marketing (FTM) mit 9:3 verabschiedet (der Kreisbote berichtete mehrfach).

 Der Stadtrat hatte der Bebauung mit Wohnhäusern und Tiefgarage bereits Ende vergangenen Jahres zugestimmt. Doch die Kritik an dieser Entscheidung reißt auch Wochen später nicht ab. Vor allem in der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Füssen, wenn...“ wird der Beschluss heftig diskutiert. Viele Nutzer befürchten den Ausverkauf der „romantischen Seele“ der Stadt und das auch noch der letzte freie Platz in der Innenstadt zugebaut wird. 

Ist das Kloster in Gefahr? 

Darüber hinaus werden neben dem Ausverkauf der Füssener Innenstadt und der Verbauung der Aussicht Auswirkungen auf die Standsicherheit des Klosters durch die Erdbewegungen im Zuge der Bauarbeiten befürchtet. Dass das Interesse an diesem Thema groß ist und die Gemüter erhitzt, zeigte sich unlängst auch bei einer Veranstaltung des Vereins „Alt Füssen“. 

Rund 70 Interessierte waren zu einer Ortsbesichtigung mit den beiden Vereinsmitgliedern und Stadträten Magnus Peresson (UBL) und Dr. Christoph Böhm (CSU) gekommen, um dort ihrem Unmut Luft zu machen. „Was man überall in Füssen sieht, ist das die Heimat verloren geht“, fasst Böhm die Stimmung zusammen. „Das bewegt uns!“ 

Um den Bau der Häuser – eines soll bis zu zwei Meter über den „Quaglioblick“ hinausragen – möglicherweise doch noch zu verhindern, erwägen Anwohner nun eine Normenkontrollklage gegen den entsprechenden Bebauungsplan. Zunächst sollen nun die Aussichten auf Erfolg geprüft werden. Dabei können die Kläger auf die Unterstützung durch den Verein „Alt Füssen“ bauen, wie Peresson und Böhm gegenüber dem Kreisboten betonten. „Der Verein selber kann diese Klage nicht machen“, erklärte Peresson. Dazu berechtigt seien nur Personen, die unmittelbar von dem Bebauungsplan betroffen seien. Diesen wolle man bei der Klage aber helfen, beispielsweise durch finanzielle Unterstützung oder Beratungen. 

Laut Peresson soll den Fall die auf Baurecht spezialisierte renommierte Anwaltskanzlei Wendler Tremml übernehmen. Diese vertritt bereits das Luitpoldpark-Hotel, das gegen den Freyberg-Durchstich eine Normenkontrollklage vorbereitet hat. Erste Gespräche mit der Kanzlei sollen schon bald stattfinden, kündigte Vereinsvorsitzender Peresson an.

Matthias Matz

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