Der Verein Alt Füssen besichtigt die Kirche St. Mang

Auf den Spuren Herkomers

+
Magnus Peresson (5.v.l.), Vorsitzender des Historischen Vereins Alt Füssen, erklärt seinen Mitgliedern, wie sich die Kirche in St. Mang unter Johann Jakob Herkomer verändert hat.

Füssen – Die Kirche St. Mang unter dem Schwerpunkt „Johann Jakob Herkomer“ hat sich jetzt der Historische Verein Alt Füssen angeschaut. Viele Interessierte nutzten die Gelegenheit Herkomers Schaffen einmal näher zu betrachten.

Die Führung begann in der Taufkapelle, von der aus die Gruppe den Kirchenraum, der durch Wandpfeiler und Kranzgesimse gegliedert ist, hinein oder besser hinauf stieg. Herkomer, der alle handwerklichen Disziplinen barocken Bauens im Bereich des Hochstiftes Augsburg durchlaufen hatte, verfeinerte seine Architekturkenntnisse durch langjährige Aufenthalte in Italien, wie der Vereinsvorsitzende Magnus Peresson bei der Führung erklärte. 

Es waren vor allem Kirchen und Profanbauten des Renaissance-Baumeisters Andrea Palladio in Vicenza und Venedig, die ihm zum Vorbild für seine spätere Tätigkeit in der Heimat wurden. Beispielhaft für Herkomers Baustil aber waren die beiden venezianischen Kirchen „Il Redentore“ und San Giorgio Maggiore, die beide aus dreischiffigen Basiliken hervorgegangen waren. Entgegen der oft vertretenen Ansicht, Herkomer habe mit St. Mang einen Neubau geschaffen, steht die Tatsache, dass er laut Peresson in Wahrheit die Umfassungsmauern der alten Basilika beibehielt und nur die romanische Säulenstellung entfernte, um diese durch Wandpfeiler zu ersetzen. 

Den Mauern der niederen Seitenschiffen setzte er ein Geschoss auf, das die für Herkomer typische Kombination von schmalem Rundbogenfenster und axial darüber liegendem Thermenfenster aufweist, erklärte der Vorsitzende von Alt Füssen. Die völlig neu zugeschnittenen Raumteile, die dadurch entstanden, ließ er in Haupt- und Querschiff mit großen Flachkuppeln schließen, die Seitenkapellen dagegen mit Tonnengewölben überspannen. So entstanden große Malflächen, auf denen viele bunte Fresken die Magnuslegende erzählen sollten. Einen Teil dieser Freken konnte Herkommer noch selbst ausführen. 

Bestechend dabei war, dass er mitunter an den Bildrändern die Malerei unmerklich in die Plastik übergehen ließ, erklärte Peresson. 

Täuschend echt 

Nach dem Vorbild von San Giorgio Maggiore ersetzte Herkomer die vorher geschlossene Stirnwand hinter dem Hochaltar durch eine Arkadenreihe und fügte an sie einen halbrunden Bau an, in dem das Chorgestühl seinen neuen Platz fand. Den venezianischen Vorbildern nacheifernd setzte der Architekt soweit es nur ging Natursteine ein. Die Steinbrüche bei Benken, an Roter Wand und Kalvarienberg, Hohenschwangau und Deutenhausen lieferten Gestein in unterschiedlichsten Farben. Nach einer speziellen Behandlung sahen sie wie echter Marmor aus. 

Vorbild für andere Bauten 

Aus echtem, feinstem Laaser Marmor bestehen aber nur untergeordnete Teile der aus massivem Gestein hergestellten, schweren Seitenaltäre. Um die farbliche Wirkung des gesamten Innenraumes nicht zu beeinträchtigen, ließ Herkomer die mächtigen Pfeiler des Kirchenschiffes und die beiden Säulen der Hochaltar – Arkade mit zart getöntem Stuckmarmor überziehen. Und wie bei den Vorbildern umzieht ein weit ausladendes, begehbares Kranzgesimse den gesamten Kirchenraum. 

Kein Wunder, resümierte Peresson, wenn St. Mang seinerseits zum Vorbild vieler Kirchenbauten in der Umgebung wurde. Es wundert auch nicht, dass Handwerker den Herkomer’schen Formenschatz ins Land hinaus trugen und dass ein Stuckateur wie Dominikus Zimmermann mit dem Bau der Wies seinen Lehrmeister Johann Jakob Herkomer noch übertreffen sollte. Abschließend dankte Peresson, Stadtpfarrer Frank Deuring für das Privileg, St. Mang zu einer ungewöhnlichen Zeit besichtigen zu dürfen.

kb

Auch interessant

Meistgelesen

Video
So finden Sie das richtige Parkett für Ihr Zuhause
So finden Sie das richtige Parkett für Ihr Zuhause
"Ein unzumutbarer Zustand"
"Ein unzumutbarer Zustand"
"Lotterie für die Stadt Füssen"
"Lotterie für die Stadt Füssen"
Ab jetzt wird geblitzt
Ab jetzt wird geblitzt

Kommentare