Anlässlich des 300. Todestags des Baumeisters findet am Wochenende ein Symposium mit zahlreichen Fachleuten in Füssen statt

Experten und Historiker würdigen Herkomer

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Die Krippkirche in der Füssener Fußgängerzone ist Herkomers letztes Werk.

Füssen – Wie kaum ein anderer schwäbischer Barockkünstler hat der 1717 verstorbene Johann Jakob Herkomer nachhaltig die Architekturlandschaft seiner Heimat geprägt und gilt als herausragende künstlerische Gestalt des süddeutschen Barock.

. Der Historische Verein Alt Füssen will daher Herkomers 300. Todestag mit einem wissenschaftlichen Symposium würdigen. Vom kommenden Freitag, 27. Oktober, bis kommenden Sonntag, 29. Oktober können Interessierte deshalb in der Sparkasse tief in das Leben und Schaffen des großen Baumeisters eintauchen. Bereits zu Lebzeiten (1652 - 1717) wurde der in Sameister bei Roßhaupten geborene Herkomer als vollkommener Baumeister und Fresco-Maler gefeiert. 

Seine Ausbildung absolvierte der spätere Baumeister in Augsburg, ehe er für mehrere Jahre nach Venedig ging. Nach seiner Rückkehr in die Heimat errichtete er zunächst 1685 in seinem Heimatort eine Kapelle, die in ihrer Anlage als venezianische Kreuzkuppelkirche programmatisch für sein gesamtes späteres architektonisches Werk steht. Ab 1701 wird schließlich nach seinen Plänen das mittelalterliche Magnus-Kloster in Füssen zu einem monumentalen Komplex umstrukturiert. Wie schon zuvor in Sameister führt Herkomer auch dabei illusionistische Freskomalereien aus, die zu den frühesten ihrer Art in Süddeutschland gehören. 

Unaufhaltsamer Aufstieg

Damit rückte der Herkomer seinerzeit in die erste Riege der schwäbischen Baumeister auf und wird in den folgenden Jahren an den wichtigsten Kloster- und Kirchenbauten seiner Zeit beteiligt. So zum Beispiel in Weingarten, Ottobeuren und Innsbruck. Parallel zu kleineren Arbeiten für Kempten, Seeg oder Vils wird der Roßhauptener auch für weitere Großprojekte heran gezogen.

 Dazu gehörten unter anderem die Barockisierung der Augsburger Stiftskirche St. Moritz und katholisch Heilig-Kreuz oder der Neubau der Klosterkirche St. Michael in Fultenbach. Kurz vor seinem Tod erlebte er noch den Baubeginn der ebenfalls von ihm geplanten Stadtpfarrkirche St. Jakob in Innsbruck.

Mit leichten Abänderungen vollendet wurde diese schließlich durch seinen Neffen und künstlerischen Erben Johann Georg Fischer (1673-1747). Namhafte Experten Herkomers architektonisches Werk diente seinerseits als Ausgangspunkt der sogenannten Füssener Bauschule, die in Johann Georg Fischer, Franz Karl Fischer und Franz Kleinhans ihre Vertreter fand und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das architektonische Antlitz in Bayerisch-Schwaben wesentlich mitbestimmte. 

Um Herkomers Leben und Wirken entsprechend zu würdigen, lädt der Historische Verein Alt Füssen unter dem Vorsitz von Magnus Peresson in Zusammenarbeit mit Dr. Ingo Seufert aus Gilchingen für das kommende Wochenende zu einem Symposium in die Füssener Sparkasse ein. 

Anhand neuester Forschungsergebnisse und namhafter Experten soll den Zuhörern ein möglichst breites Spektrum seines Schaffens präsentiert werden. Bereits am Freitag, 27. Oktober, findet von 15 bis 17 Uhr eine Führung durch die ehemalige Klosterkirche St. Mang und die Kapelle in Sameister statt. Beginn des Symposiums ist dann am kommenden Samstag, 28. Oktober, um 9 Uhr mit der offiziellen Begrüßung. 

kb/mm


Das Programm:

Samstag, 28. Oktober: 

9 Uhr, Begrüßung; 9.10 – 10 Uhr, „Johann Jakob Herkomer – eine Einführung“, Dr. Ingo Seufert, Gilching; 10 – 10.45 Uhr, „Leben in einer geistlichen Stadt um 1700“, PD Dr. Christof Paulus, Haus der Bayerischen Geschichte/LMU; 10.45 – 11 Uhr, Pause; 11 – 11.45 Uhr, „Zur Arbeitswelt frühneuzeitlicher Baumeister um Stuckateure um 1700“, Dr. Britta Kägler, LMU München; 11.45 – 12.30 Uhr, „Die Füssener Bauschule“, Dr. Stefan Paulus, Uni Augsburg; 12.30 – 14 Uhr, Mittagspause; 14- 14.45 Uhr, „Semper Reformada – St. Moritz in Augsburg im Wandel der Zeit“, Dr. Meinrad von Engelberg, TU Darmstadt; 14.45 – 15.30 Uhr, „Der Umgang mit dem Historischen in der Architektur Herkomers“, PD Dr. Stefan Lindl, Uni Augsburg; 15.30 – 15.45, Pause; 15.45 – 16.30 Uhr, „Andacht und Augentäuschung in modernen Perspektiven – Johann Jakob Herkomer als Deckenmaler“, Dr. Angelika Dreyer, LMU München; 16.30 – 17.15 Uhr, „Herkomer und der echte Marmor“, Magnus Peresson, Vorsitzender Alt Füssen; 17.15 – 18 Uhr, „Dominikus Zimmermann und Johann Jakob Herkomer – (k)ein Missverständnis?“, Dr. Ingo Steufel, Gilching; 20 – 21 Uhr, Konzert in der Klosterkirche St. Mang

Sonntag, 29. Oktober: 

9 – 9.45 Uhr, „Johann Jakob Herkomer und die Wessobrunner Johann und Joseph Schmunzer“, Dr. Alois Epple, Türkheim; 9.45- 10.30 Uhr, „Herkomer-Spuren im Werk der Brüder Asam“, Dr Thomas Schauerte, Nürnberg; 10.30 – 10.45 Uhr, Pause; 10.45 – 11.30 Uhr, „Bauen in fürstlichem Auftrag: Herkomer als Architekt des Kemptener Fürstabts Rupert Bodman“, Birgit Kata, Stadtarchiv Kempten; 11.30 – 12.15 Uhr, „Montiert, portraitiert, projiziert, bisweilen seziert – mal süddeutsch, mal venezianisch. Zu den Architekturbezeichnungen des Johann Jakob Herkomer“, Dr. Peter Heinrich Jahn, TU Dresden; 12.15 – 13.45 Uhr, Mittagspause; 13.45 – 14.30 Uhr „Der Bibliotheksturm von St. Mang im Spiegel benediktinischer Marienverehrung“, Dr. Petra Hauke, Humboldt-Universität Berlin; 14.30 – 15.15 Uhr, „Herkomer im Krieg – die erste Dissertation über den Barockmeister aus dem Jahr 1941“, Dr. Ingo Seufert, Gilching; 15.15 – 15.30 Uhr, Ende und Verabschiedung


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