Vom Freizeitspaß zum Verein

Verein im Porträt: Boule Freunde Füssen blicken auf sechsjährige Geschichte zurück

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Familiär geht es bei den Boule Freunden Füssen mit ihrem Vorsitzenden Rudolf Ibald (Mitte), zweiten Vorstand Rudolf-Dieter Kleß und Schriftführer Jörg Fischer auch bei Turnieren zu.

Füssen – Was als Freizeitvergnüngen am Wochenende an diversen Plätzen im Stadtgebiet Füssens begann, mündete vor sechs Jahren schließlich in die Vereinsgründung. Die Boule Freunde Füssen (BFF) zählen mittlerweile 49 Mitglieder und treffen sich seit 2015 auf der Boule-Anlage an der Morisse.

Dort haben sich Vorsitzender Rudolf Ibald und sein Team längst auch als Organisatoren von Turnieren bewährt.

Als Höhepunkt in der noch kurzen Vereinsgeschichte – wie auch Ibalds Stellvertreter Rudolf Kleß und Schriftführer Jörg Fischer gegenüber dem Kreisbote bestätigten – gilt der im zweiten Anlauf unter Dach und Fach gebrachte Aufstieg in die Bezirksliga. Die Gründungsmannschaft, die aus 16 Mitgliedern besteht, unterstreicht ihren Zusammenhalt und signalisiert gleichzeitig, dass sich die Boule Freunde Füssen über „neue Gesichter“ freuen. Das Tor der Anlage, die mittlerweile bis zu zehn möglichen Bahnen und eine gemütliche Hütte umfasst, soll offen bleiben.

Ibald betont: „Wir freuen uns, wenn man bei uns schnuppern will.“ Gerne würde es der Club sehen, wenn sich ein jüngerer Unterbau aufbauen ließe. Jörg Fischer, der langjährige Schriftführer, weiß: „Das ist schwierig.“ Aber es bestehe Hoffnung. Jeden Samstag, Sonntag, Dienstags und Donnerstag sei „ab 17 Uhr immer jemand von uns da“.

Kampf um den Wanderpokal

Höhepunkt im geselligen Vereinsleben der Boule Freunde Füssen ist alljährlich das Kaiser-Maximilian-Turnier um den Wanderpokal der Stadt Füssen. Am Turnier, das seit 2017 jedes Jahr auf der Boule-Anlage stattfindet, nahmen zuletzt 16 Mannschaften teil. Der Siegerpokal und die ausgelobten Prämien spornten die Spieler an, ihr Können zu demonstrieren und den Zuschauern gute Spiele zu zeigen. Dem Sieger des Turniers im vergangenen Jahr, das Team Augsburg, gelang es jedoch nicht die Trophäe zu verteidigen. Diese musste sie nach einem spannenden Finale der Mannschaft von „BouPa München“ überlassen. Anschließend wurden die Organisatoren und die fleißigen Helfer des Vereins für ein „tolles Turnier“ gelobt.

Der Club konnte sich nur deshalb so positiv entwickeln, weil die Basis nach der Vereinsgründung erhalten blieb. Das zwanglose Treffen an Spielorten wie dem Kaiser-Maximilian-Platz an der Sparkasse ging nahtlos in die vom Verband vorgegebene Vereinsstruktur über. Wegen der Corona-Pandemie ruht der offizielle Spielbetrieb zur Zeit zwar, aber aktuell ist es unter der Einhaltung der gesetzlichen Schutzmaßnahmen wieder möglich, die Boulekugeln auf einer der meist sechs präparierten Bahnen zu platzieren.

Gesunder Ehrgeiz und gelockerte Atmosphäre

Ein gesunder Ehrgeiz von Spitzenspielern wie Tom Flade oder Herbert Köpf, dem mehrmaligen Vereinsmeister, erzielte für den Verein ebenso Aufmerksamkeit wie die gelockerte Atmosphäre. Immer dann, wenn Routiniers und Anfänger nebeneinander die Ergebnisse bewerten, die sie mit ihren Kugeln erzielt haben, sammeln die Boule Freunde Füssen Sympathiepunkte. Ein solcher positiver Eindruck zählt nicht zuletzt bei den Sponsoren, die auch aus Schwangau kommen.

„Üben, üben, üben”

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Als drei Füssener Spieler zu einem Herbstturnier in Kaufbeuren antraten, lernten sie „das Fürchten“, wie es in der Vereinschronik so schön pointiert heißt. Im Feld der 44 Teilnehmer belegten sie die Plätze 27, 33 und 44. Deshalb gab der Vorstand mit „üben, üben, üben” eine deutlich maßgebende Parole aus – die er auch auf sich selbst bezog.

Doch beim Training werden die Mitglieder oft noch von rußigen Abgasen belästigt, die von den auf dem Morisse-Parkplatz abgestellten Bussen stammen, bedauert die Clubführung. Denn die Busfahrer parken offensichtlich gern rückwärts ein und lassen dann den Motor laufen.

Boulespiel im Rollstuhl

Als topfit präsentiert sich der Club bisher bei der Organisation von Turnieren. Dem 2. Vorsitzenden Kleß stand Ernst Schnöll aus dem Vorstandsgremium bei der Organisation der Füssener Sporttage 2018 zur Seite. „Die Anlage auf städtischem Gelände ist selbstverständlich barrierefrei“, betont Ibald. „Im Oktober 2019 hatten wir die Poliomyletis Landesgruppe aus Ingolstadt auf Einladung der Gruppe Füssen mit ihrer Vorsitzenden Bärbel Sieber zu Gast. So konnten die an Kinderlähmung erkrankten Mitglieder der Selbsthilfegruppe mal das Boulespiel aus dem Rollstuhl ausprobieren.“ Beim Besuch des Kreisbote bei den Boule Freunden an einem warmen Augustabend waren die Anfänge des Boule-Sports in Füssen ebenfalls ein Thema. 

Der Impuls ging von Jörg Kazmierzak aus, der damals in der Luitpoldstraße noch die „Botega“ innehatte. Der kleine Laden war auch ein beliebter Treffpunkt. Kazmierzak fragte Bekannte im Sommer 2008: „Was haltet Ihr davon, wenn wir am Samstag neben dem Siebensteinbrunnen eine Runde Boule spielen?“ Von da an trafen sich Boule-Begeisterte an den Abenden und an den Samstagen auf dem kleinen Split-Platz unter den Bäumen. „Da hat jeder von uns noch die Kugeln mitgebracht, die er hatte. Als Vereinsmitglieder spielen wir nun mit solchen, die vom Verband in den Statuten vorgeschrieben sind“, skizziert Kleß eine Veränderung, die mit der Clubgründung einherging. „Der Personenkreis wuchs von vier auf acht und mehr“, so Vorsitzender Ibald. „Das Interesse, es mal ausprobieren zu wollen, wurde größer, weil man uns ja spontan zuschauen konnte. Der Spaß am Spiel kam auf im Einzel-, Doppel- und Dreierspiel.“

Verein will Damenteam aufbauen

Wie der gewählte Vereinsname – Boule Freunde Füssen – signalisiert, geht es hier in erster Linie um Breitensport. Unter den „Freunden“ sind aber auch Könner mit der Kugel in der Hand aktiv. Neben dem Bezirks- und Kreisliga-Team mit Lizenzspielern, in denen Aktive aus dem Kreis der Gründungsmitglieder antreten, möchte der Verein derzeit eine Damenmannschaft aufbauen. Aktuell sind 16 Frauen bei den Boule Freunden Füssen als Mitglied eingetragen – und aktiv. Daneben möchte der Verein auch Nachtturniere (bis 22 Uhr) organisieren. Die Lichtanlage macht es möglich – und als weiterer Sponsor die Elektrizitätswerke Reutte. Bei der Mitgliederwerbung könnte auch eine Rolle spielen, dass es im wirtschaftlich gesunden Club möglich wurde, ab 2021 den Mitgliedsbeitrag zu senken: Der Verein verlangt von den Mitgliedern dann künftig nur noch 35 Euro statt der derzeit 50 Euro Jahresgebühr.

Werner Hacker

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