ANAD und "pro familia" eröffnen gemeinsames Büro

Neue Anlaufstelle in Füssen

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Ernährungsspezialistin Petra Erhard(links) und Jutta Sagna von „pro familia” beraten nach Terminabsprache jetzt auch in Füssen. „Herzlich willkommen“ hieß es bei der Eröffnungsfeier des Beratungsbüros im Gesundheitszentrum Altes Landratsamt in der Augsburger Straße 15.

Füssen – Beratungsstellen gibt es zuhauf. Für die Betroffenen sind diese aber oft nur schwer zu erreichen. Das gilt aus Füssener Sicht sowohl für das ANAD Versorgungszentrum Essstörungen in München als auch für die Anlaufstelle „pro familia” in Kempten. Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei.

Beide, ANAD und "pro familia", teilen sich nun ein frei gewordenes Büro in der Augsburger Straße 15 in Füssen.

Vermieter sind Ingrid Merz und Brigitte Protschka, die hier lange als Pionierinnen ein Kulturbüro betrieben hatten. Zuletzt wurde der große helle Raum für Kurse genutzt. In den Grußworten zur Eröffnung wurde deutlich, dass hier in einem modernen Gesundheitszentrum der richtige Ort sei, um die speziellen Beratungsleistungen kostenlos anzubieten. 

Viele Besucher 

Der Einladung waren so viele Leute gefolgt, dass sich der offizielle Teil nicht im neuen Büro, sondern vor der Tür im zweiten Stock abspielte, wo alle Gäste etwas gedrängt Platz fanden. Dass der Verein Pro Familia, der in den 1960er Jahren noch umstritten war, doch auch nach Füssen kommen sollte , war ein Wunsch, der lange brauchte, um wahr zu werden. „Die Zeiten haben sich geändert“, freute sich Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Landtagsabgeordneter Paul Wengert (SPD), der sich wegen seines Büros, das nur ein paar Schritt entfernt liegt, als ein Nachbar sieht, unterstrich: Beratung an Stellen anbieten, die für die ratsuchenden Menschen leicht erreichbar sind, ist enorm wichtig. 

ANAD ist mit seinen Beratungsleistungen vor allem auch „für überforderte Partner der betroffenen Personen“ gefragt, erklärte der Vorsitzende Andreas Schnebel, der aus München angereist war. Bei Esstörungen wird in erster Linie an Bulimie gedacht, unter der vor allem Mädchen oder junge Frauen leiden. Zunehmend entwickeln aber auch junge Männer Esstörungen, erklärte Schnebel. Ursache dafür ist neben der Schlankheitskult der Gesellschaft häufig eine gestörte Vater-Sohn-Beziehung. 

Wer seine Scham überwinden kann und sich beraten lässt, hat bereits einen großen Schritt gemacht. Die eingesetzten Therapien an Kliniken in speziellen Abteilungen verlaufen – wie Studien belegen – oft recht erfolgreich. 

Erste Kontaktaufnahme 

Für die ANAD-Außensprechtage ist Petra Erhard zuständig, die mit einem Team an der Eröffnungsfeier teilnahm. Hier nutzten die Anwesenden die Chance für eine persönliche Kontaktaufnahme. Diplom-Sozialpädagogin Jutta Sagna kommt dagegen zu den vereinbarten Beratungsterminen für „pro familia” nach Füssen. Renate Piekenbrock, Vorsitzende des Vereins in Kempten, skizzierte die heute 65-jährige Geschichte von Pro Familia. Völlig zu Unrecht, wie sie darstellte, wurde der Verein lange Zeit immer auf das gesellschaftlich umstrittene Thema „Abtreibung“ reduziert. 

Breites Beratungsspektrum 

Piekenbroch wies auf das breite Beratungsspektrumm von „pro familia” hin. Bei den Außensprechtagen werde es zum Beispiel auch um Sexualität gehen. „Wir alle tun es, aber darüber sprechen fällt schwer“, so Pieckenbrock. Die Vorsitzende vergaß nicht darauf hinzuweisen, dass es „Pro Familia” in Füssen jetzt nur deshalb geben könne, weil die Unterstützung dafür durch unterschiedliche Frauenorganisationen „vorbildlich stark gewesen ist.“ Die Zeit sei vorbei, als das Allgäu „mit entsprechenden Beratungsstellen unterversorgt war.“

Chris Friedrich

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