Pläne für das Weißenseer Strandbad sorgen bei den örtlichen Vereinen für Enttäuschung

Vereine wollen sich wehren

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Zankapfel: Der Pavillon im Strandbad Weißensee.

Weißensee – Das Weißenseer Strandbad mit Kiosk und Pavillon ist so etwas wie der Mittelpunkt des Dorflebens.

Heimatabende, Standkonzerte der Musikkapelle, Auftritte der Trachtler-Jugend, der Weißenseelauf oder die Veranstaltung „Rock am See“ der Wasserwacht und viele andere Veranstaltungen der Weißenseer Vereine finden dort statt. Umso verärgerter und enttäuschter sind die Vereinsvertreter nun darüber, dass der Stadtrat neben einer neuen Bebauung vor der Sommerpause auch bereits eine Vorentscheidung für die Verpachtung der Gastronomie beschlossen hat. Sie fühlen sich übergangen und fürchten, künftig als Bittsteller auftreten zu müssen. In einem Brief an Bürgermeister Paul Iacob (SPD) fordern sie diesen nun zum Umdenken auf. 

Mit der Entscheidung des Stadtrates von Ende Juli, für das Strandbad einen neuen Bebauungsplan aufzustellen und das Strandbad grundlegend umzubauen (der Kreisbote berichtete), schien ein Schlussstrich unter das Weißenseer Dauerthema der vergangenen Jahre schlechthin gezogen worden zu sein. Selbst einen Vereinsstadl sollten die Vereine bekommen. 

Doch offenbar fängt der Ärger jetzt erst richtig an. 

Denn die Vereine fühlen sich bei der Entscheidung übergangen. „Wir sind mit dem Vorgehen nicht einverstanden“, kritisiert Alexander Zeller, Vorsitzender des Heimat- und Trachtenvereins. „Man hat uns nicht miteinbezogen.“ Lange, so erklärt er, hätten Vereine und Stadtverwaltung in einer Arbeitsgruppe über eine Lösung diskutiert. Vor Monaten seien die Gespräche dann eingeschlafen. Jetzt sei den Vereinen „ohne Rücksprache eine Lösung vor die Nase gesetzt“ worden. 

Auch dass im nichtöffentlichen Teil der Sitzung eine Vorentscheidung über die Verpachtung der Gastronomie mit Pavillon gefällt wurde, sorgt bei den Vereinen für Verdruss. Nach Informationen des Kreisbote fiel die Vorentscheidung mit 12:6 Stimmen und gegen die Empfehlung von Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier für einen Füssener Gastronom aus. Zweiter Bewerber ist ein Weißenseer Hotelier, den die Weißenseer womöglich schon deswegen lieber als Pächter sehen würden. 

Teilnehmer der Sitzung kritisieren außerdem, dass die Verwaltung die Runde vor der Abstimmung nicht ausreichend informiert habe. 

"Lebensader der Vereine"

Auch die Vereinsvorsitzenden sind sauer: „Es ist zur Ausschreibung gekommen, ohne dass wir gehört worden sind“, sagt Stefan Köpf, Vorsitzender der Musikkapelle. Zwar sei niemand dagegen, dass etwas Neues versucht werde. Doch die Vereinsvertreter fürchten, dass der neue Pächter den dortigen Veranstaltungen der Vereine künftig einen Riegel vorschieben könnte. „Er kann sagen, dass will ich alles nicht“, so Köpf. „Das ist für uns natürlich ungünstig.“

Der ehemalige Weißenseer Stadtrat Gabriel Guggemos (Füssen-Land) wundert sich ebenfalls über das Vorgehen von Stadtverwaltung und Stadtparlament. „Das ist die Lebensader der Vereine“, betont er. „So einen Platz gebe ich doch nicht aus der Hand!“ Denn niemand könne wissen, ob der künftige Pächter den Vereinen weiterhin ihre Veranstaltungen wie bisher lasse.

In einem Brief an Bürgermeister Paul Iacob (SPD) machen die Vereinsvertreter ihrem Unmut nun Luft. „Wir sind doch etwas verwundert, dass für den schönsten Teil Weißensees ein Bebauungsplan beschlossen wurde, ohne mit den Vereinen, die dort ihre öffentlichen Auftritte vornehmen und somit für einen wichtigen Teil des öffentlichen Lebens in Weißensee verantwortlich sind, gesprochen wurde“, heißt es darin. 

Unterzeichnet haben den Brief die Vorsitzenden des Trachtenvereins, der Musikkapelle, der Wasserwacht, des Sportvereins, des Tourismusvereins sowie der Feuerwehr. Sie fordern eine Änderung des Bebauungsplans, um den derzeitigen Standort des Pavillons zu erhalten. Dieser sollte wegen der steigenden Zahl an Veranstaltungen und Besuchern darüber hinaus nicht kleiner als 60 Quadratmeter gebaut werden, an drei Seiten geschlossen sein und ein festes Dach haben. „Die Veranstaltungen leben mit und von der richtigen Akustik“, schreiben die Vertreter der Vereine.

Sie erinnern außerdem daran, dass die Weißenseer vor 30 Jahren den Pavillon selbst gebaut hätten, weil ein Konzert auf der Kioskterrasse nicht mehr zeitgemäß erschienen sei. „Mit dem neuen Vorhaben bewegen wir uns genau wieder in die Richtung, wie man sie damals für untragbar gehalten hat“, heißt es weiter in dem Schreiben an Iacob. 

Wichtige Einnahmen

 Sollte es nicht möglich sein, den Standort des Pavillons zu erhalten, wollen die Vereine den jetzigen Pavillon versetzen und in den neuen Bebauungsplan integrieren oder einen neuen Pavillon in der jetzigen Größe und in Absprache mit den Clubs neu bauen. „Aus unserer Sicht ist es nicht möglich, den Pavillon auf der Terrasse eines neuen Gastronomiegebäudes einzubetten und wir als Vereinsvorsitzende, wenn eine Veranstaltung ansteht, als Bittsteller agieren müssen“, schreiben die sechs.

Darüber hinaus fordern sie, auch künftig bei Veranstaltungen Getränke und Essen selbst verkaufen zu dürfen, da damit das Vereinsleben und die Jugendarbeit finanziert werde. Bürgermeister Iacob selbst kann die ganze Aufregung jedoch nicht nachvollziehen. „Dieses Misstrauen ist absolut unbegründet“, erklärte er auf Nachfrage des Kreisbote. Die Weißenseer Vereine würden natürlich auch in Zukunft einen Zugriff auf den Pavillon haben, so der Rathauschef. „Das ist gar keine Frage, das war eine Grundbedingung.“ Derzeit gehe es nur darum, wie der Pavillon in das Gesamtkonzept integriert werden könne. Denn dieser werde „sicherlich nicht singulär in der Landschaft stehen“, so der Rathauschef. 

Der Pavillon werde dann weiterhin „den Vereinen für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Daran gab es nie einen Zweifel“, fügte der Bürgermeister hinzu. Und auch um den Parkplatz, auf dem viele Verein bisher ihre Sommerfeste gefeiert haben, müssen die Vereine nicht besorgt sein. Auch den dürfen sie weiterhin nutzen, erklärte Iacob.

Keine detaillierten Pläne

Überhaupt habe der Stadtrat in besagter Sitzung nur ein Konzept favorisiert. Dabei ginge es hauptsächlich um die Wirtschaftlichkeit. Mehrheitlich sprachen sich die Räte für einen der beiden Bewerber aus, berichtet der Bürgermeister. Mit diesem sollte die Stadtverwaltung die Pachtbedingungen besprechen. Stimme er den Konditionen der Stadt zu, werde ein Vertrag ausgearbeitet. Lehne er sie ab, werde sich die Verwaltung an den zweiten Bewerber wenden. „Beide sind noch im Rennen!“ 

Eine Entscheidung werde aber wohl in den kommenden zehn Tagen fallen, schätzt Iacob. Bis dahin wolle er sich noch nicht genauer zu den Konzepten äußern. Nur so viel: Es sei ein Bistro mit Kiosk für die Badegäste und der Musikpavillon geplant. Die bauliche Lösung hätten beide Bewerber bisher aber nur „skizziert“. Deshalb lägen der Verwaltung auch noch keine Pläne vor, die sie den Vereinen hätte zeigen können.

„Wenn wir Pläne machen, dann werden sicherlich der Trachten- und der Musikverein, die den Pavillon nutzen, eingeladen, um hier ihre Anregungen mit einzubringen“, sagte Iacob. Außerdem sei die Verpachtung des Strandbads öffentlich ausgeschrieben worden. „Da hätten sich auch die Vereine bewerben können.“

Matthias Matz/Katharina Knoll

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