Gemeinde und Betreiber unterzeichnen Vertrag

Reuttener Seilbahnen: Einigung in letzter Sekunde

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Sah es bis Freitag zunächst so aus, als ob am Hahnenkamm heuer kein Seilbahnbetrieb stattfindet, erfolgte nach fünfstündigen Verhandlungen doch noch eine Einigung.

Höfen/Reutte – Geschockt reagierten Einheimische wie Gäste, als sie in der vergangenen Woche vor verschlossenen Anlagen am Reuttener Hausberg, dem Hahnenkamm standen. 

Ein lange währender, veritabler Streit zwischen dem Seilbahnunternehmer und der Gemeinde als Grundbesitzer hatte mit der Einstellung des Winterbetriebs einen unrühmlichen Höhepunkt erreicht. Der Steuerberater und Eigentümer der Reuttener Seilbahnen, Peter Gerber, im Internet: „Die Anlagen der Reuttener Seilbahnen müssen bis auf Weiteres geschlossen werden. Bedauerlicherweise müssen alle 30 Mitarbeiter gekündigt werden.“ 

Am Freitag dann die Wende: Gerber und die Gemeinde Höfen einigten sich nach einem Verhandlungsmarathon, der Betrieb der Bahn kann fortgesetzt werden. Schon seit der Übernahme der Seilbahn durch Peter Gerber kriselt es (der Kreisbote berichtete). Gegenseitige Schuldzuweisungen sind an der Tagesordnung. Ein Rechtsstreit ist anhängig. Es gibt eine Unterlassungsklage für die Benutzung und Bewerbung der Flächen am Hahnenkamm und eigentlich kein Überfahrtsrecht. 

Dann wurde, wie bereits berichtet, mit Bauchweh durch die Gemeinde zur Rettung der Saison eine befristete Genehmigung für die Beschneiung erteilt. Höfens Bürgermeister Vinzenz Knapp hat aber auf anraten seines Rechtsvertreters noch vor Inkrafttreten Beschwerde gegen den Bescheid über die wasserrechtliche Wiederverleihung am Hahnenkamm eingebracht. Das Beschneien vom Land Tirol ist in Folge untersagt worden. Aus Protest hatte Bahnenchef Peter Gerber den Betrieb der Reuttener Seilbahnen umgehend eingestellt und alle 30 Mitarbeiter gekündigt.

Die Beschneiung wäre dabei gar nicht das eigentliche Problem gewesen. Die Gemeinde Höfen drängt seit langer Zeit darauf, dass das Seilbahnunternehmen einen Dienstbarkeitsvertrag unterschreibt. Mit diesem sollen die Überfahrtsrechte für die Pisten geregelt werden, ebenso sollen hier Rechte für die anderen Hütten am Höfener Hausberg festgeschrieben werden. Hier spießt es sich. 

Vor einige Wochen drohte schon einmal das Aus für die Bahn. Noch einmal setzten sich die Vertreter beider Seiten Anfang Dezember an einen Tisch. Im Beisein von Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf, Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, Planungsverbandsobmann Bgm. Wolfgang Winkler und Wirtschaftskammer-Obmann Christian Strigl wurde kurz vor Saisonstart doch noch eine Lösung gefunden.

Neue Verhandlungen

Das Ende der Beschneiungserlaubnis in der vergangenen Woche bedeutete dann das ultimative Scheitern der Bemühungen. Und wieder traten die Verhandler, die sich Sorgen über die Region machten, in der gleichen Besetzung zusammen, um im Beisein der Rechtsvertreter doch eine Einigung zu erzielen. Stundenlange, kräfteraubende Verhandlungen folgten, die Mediatoren waren ziemlich gefordert. 

Parteien einigen sich

Nun haben beide Seiten doch einen neuen Nutzungsvertrag unterschrieben und Höfen zog zeitgleich den Einspruch gegen die Beschneiung zurück. In die Verhandlungen eingebunden war ein großer Stab von Fachleuten aus allen Rechtsbereichen von der Bezirkshauptmannschaft. So konnte jedes Problem sofort besprochen und gelöst werden. 

Die Verhandlungen dauerten über fünf Stunden, dann war man sich einig: Sowohl Seilbahnunternehmer Peter Gerber setzte seine Unterschrift unter den Vertrag als auch Bürgermeister Vinzenz Knapp. Den beiden Streitparteien wie auch den Mediatoren war nach dem Kompromiss Freitagabend die Erleichterung, aber auch die Erschöpfung, anzusehen. 

Wie zum Beispiel Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler – der als Bürgermeister von Ehenbichl auch Regionsobmann ist – und der bei einem Pressegespräch anlässlich des traditionellen Neujahrsempfangs der Wirtschaftskammer am Freitagabend von der Einigung berichtete. 

Die Gemeinde Höfen ist froh. Jetzt gibt es den so lange eingeforderten Dienstbarkeitsvertrag, der alles regelt, was wichtig ist, damit am Hahnenkamm ein (hoffentlich) friedvolles Nebeneinander möglich wird. Überfahrtsrechte, Wegbenützung, die Versorgung der Hütten am Berg, Tourengeher, Rechte für Sportvereine, Holzbringung, Weiderechte . Das alles ist auf Punkt und Komma festgeschrieben. Die Bahn war bereits am Sonntag wieder in Betrieb.

Hans Nikolussi

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