Freie Fahrt für Fahrradfahrer

Verkehrsausschuss beschließt Fahrverbot für Autos in der Ritterstraße – Radler dürfen passieren

+
Jedes Jahr steht es auf der Tagesordnung und jedes Jahr gibt es Diskussionen darüber: Das sommerliche Fahrverbot in der Ritterstraße.

Füssen – Ab Dienstag, 22. September, darf der Verkehr wieder über die frisch sanierte Theresienbrücke fahren, aber nicht mehr durch die Ritterstraße. Dann gilt hier erneut bis Samstag, 31. Oktober, das sommerliche Fahrverbot von 10 bis 18 Uhr. Davon ausgenommen ist allerdings der Radverkehr.

So beschloss es der Planungs-, Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss in seiner Sitzung am Dienstag im Bundesstützpunkt.

Jedes Jahr steht es auf der Tagesordnung und jedes Jahr gibt es Diskussionen darüber: Das sommerliche Fahrverbot in der Ritterstraße. Wegen der Sanierung der Theresienbrücke war die Situation aber eine andere als in den Jahren zuvor. Deshalb durften Autos die Ritterstraße auch während der touristischen Hauptsaison stadtauswärts in Richtung Westen ganztägig befahren. Radler mussten dagegen zwischen 10 und 18 Uhr stadteinwärts ihr Fahrrad schieben. Doch das hielt Stadtrat Dr. Martin Metzger (BfF) in der Ausschusssitzung Mitte Juli für das falsche Signal. „Autos bringen viel mehr Unruhe in die Fußgängerströme“, sagte er damals.

Halten sich nicht an die Regeln

„Wir haben das Problem, dass wir Radfahrer und Autofahrer haben, die sich nicht an die Regeln halten.“ Mit der Entscheidung, die Straße für Radler zu sperren, für Autos aber zu öffnen, signalisiere man den Radfahrern, dass sie Verkehrsteilnehmer dritter Klasse seien. Als Kompromiss einigten sich die Räte darauf, bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Theresienbrücke an der bisherigen Regelung festzuhalten. Bis dahin sollten Verwaltung und Politik noch einmal über eine Lösung der Streitfrage nachdenken.

Doch einfach ist das nicht. Das zeigte sich am vergangenen Dienstag, als erneut die Sperrung der Ritterstraße bis Samstag, 31. Oktober, auf der Tagesordnung stand. Befragungen in der Vergangenheit hätten gezeigt, dass diese Sperrung im Sinne von Geschäftsinhabern und Anwohnern sei, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. Und gerade heuer sei es auch mit Blick auf die Verkehrssicherheit sinnvoll, da Füssener Gastronome aufgrund der Corona-Pandemie mehr Tische und Stühle im Außenbereich aufstellen dürfen.

Das sahen auch die Räte so. Aber: Staut sich der Verkehr in der Tiroler Straße, werden die Anwohner „komplett vom Leben“ abgeschnitten, wandte Martin Dopfer (FÜS-Land) ein. Und auch für die Bewohner der Spital- und Floßergasse müsse die Stadt ein Schlupfloch lassen, meinte Magnus Peresson (UBL). Bis Ende Oktober mache die Sperrung aufgrund der aktuellen Situation jedoch Sinn, danach müsse man das Thema aber erneut diskutieren, zog Jürgen Doser (FWF) ein Fazit.

Kein Patentrezept

Anders bewerteten die meisten Räte jedoch die Situation der Fahrradfahrer. „Das Problem ist, dass sich Radler im Zentrum Füssens auf der Straße unsicher fühlen“, meinte Metzger. Deshalb würden „erschreckend viele“ dort auf den Gehwegen unterwegs sein – oder die Ritterstraße als Ausweichstrecke benutzen.

„Wir müssen da wegkommen“, meinte Metzger. Die Politik müsse eine Lösung finden, diese Straßen sicherer zu machen. Doch ein Patentrezept gebe es dafür nicht. „Das ist für mich eine klassische Radroute“, meinte auch Doser zur Ritterstraße. „Die Route gehört für Fahrradfahrer geöffnet“, forderte der Freie Wähler-Stadtrat, weil es für diese die sicherste Strecke vom Westen in den Osten der Stadt sei. Gleicher Meinung war Anna-Verena Jahn (Grüne).

Schilder aufstellen

Diesen Weg konnte zwar auch Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) mitgehen. Das Problem sei dann aber, dass Fahrradfahrer „überhaupt keinen Schmerz mehr haben, in die Reichenstraße zu fahren.“ So hat die Polizei in den vergangenen Wochen immer wieder zahlreiche Radler erwischt, die unerlaubter Weise durch die Fußgängerzone gefahren sind (der Kreisbote berichtete mehrfach). Zwar gab es heuer keinen einzigen Fahrradunfall in der Ritter- oder Reichenstraße, die Fußgänger seien aber sehr unzufrieden mit dieser Situation, weiß der Bürgermeister. 

Fahrradparkplätze

Um das zu verhindern, könnte der Bauhof entsprechende Schilder am Stadtbrunnen anbringen – auch wenn das nicht die schönste Lösung sei, so Eichstetter. Abgesehen davon überlegt der Rathauschef einen Fahrradparkplatz mit Schließfächern auf Höhe des Drogeriemarkts Müller anzulegen, um so mehr Fahrräder aus der Fußgängerzone herauszuhalten. Um das gleiche für Autos, wie beispielsweise verirrte Touristen zu erreichen, will er den Räten demnächst seine Idee von automatischen Polleranlagen vorstellen. Für Anwohner könnte so auch ein Schlupfloch sichergestellt werden.

Für Dr. Christoph Böhm (CSU), der nach eigener Auskunft selbst „ein großer Radler“ sei, sei es dagegen kein Problem sein Fahrrad ab der Hälfte der Ritterstraße zu schieben, weshalb er dem Vorschlag der Verwaltung folgen würde, die Straße bis 31. Oktober zwischen 10 und 18 Uhr auch für Radfahrer zu sperren. Gleicher Ansicht waren Peresson und Thomas Meiler (CSU). Die Mehrheit der Räte sprach sich jedoch gegen eine Sperrung für Radler aus.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

+++ Corona-Ticker +++ Die Ampel steht für Kaufbeuren auf Dunkelrot – Aktuell 273 Infizierte im Landkreis
+++ Corona-Ticker +++ Die Ampel steht für Kaufbeuren auf Dunkelrot – Aktuell 273 Infizierte im Landkreis
Für die Stadt Füssen steht beim Blitzen die Verkehrserziehung, nicht Geldmacherei im Vordergrund
Für die Stadt Füssen steht beim Blitzen die Verkehrserziehung, nicht Geldmacherei im Vordergrund
Kliniken im Ostallgäu: »Wir sind gut aufgestellt«
Kliniken im Ostallgäu: »Wir sind gut aufgestellt«
Corona-Ampel in Füssen steht auf rot: Schulen stellen Unterrichtsbetrieb um
Corona-Ampel in Füssen steht auf rot: Schulen stellen Unterrichtsbetrieb um

Kommentare