Im Streit um den Freybergpark-Durchstich ist weiterhin keine Einigung in Sicht

"Sind auf Konfrontationskurs"

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Ungefähr hier plant die Stadtverwaltung den Durchstich durch den Freyberg-Park zur Ottostraße. Wegen einer angedrohten Normenkontrollklage durch das Luitpoldpark-Hotel liegen die Pläne aber bis auf weiteres auf Eis.

Füssen – Zuerst sollte er zweispurig kommen, dann nur noch einspurig: Der Durchstich durch den Freyberg-Park gilt seit Jahren als das Allheilmittel für die innerstädtischen Verkehrsprobleme. Allerdings liegen die Pläne auf Eis, denn die Betreiber des Luitpoldpark-Hotels drohen mit einer Normenkontrollklage.

Dabei bleibt es auch unter dem neuen Betreiber, der Berliner Begilio Hotel & Asset Management GmbH. „Herr Iacob wird es nicht mehr erleben, dass dieser Stich gebaut wird“, sagt Hartmut Heinz, Geschäftsführer des Hotels. 

Seit ungefähr einem Jahrzehnt liegen im Bauamt die Pläne für den Durchstich von der Bahnhofstraße durch den Freybergpark in die Ottostraße in den Schubladen. 

Allerdings treten Stadtverwaltung und Stadtrat seit Jahren auf der Stelle. Zuletzt im Januar 2014 wurden die Pläne durch eine Mehrheit aus CSU und Freien Wählern vorläufig gestoppt. Hauptgrund war die Androhung einer Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan W43 durch den damaligen Besitzer des Luitpoldparkhotels, die Tiroler Sparkasse. 

Aus Angst vor der Klage wurden deshalb zuletzt immer wieder nur in kleinen Teilbereichen etwas an dem Plan geändert. In der Sitzung des Stadtrates am kommenden Dienstag, 30. Juni, soll die nächste kleinere Änderung erfolgen (der Kreisbote berichtete). Mittlerweile wird das größte Vier-Sterne-Hotel im Ostallgäu mit jährlich über 60.000 Gästeübernachtungen zwar von der Berliner Begilio Hotel & Asset Management GmbH betrieben. An der Situation hat sich allerdings nichts geändert. Im Gegenteil: Die Fronten sind noch weiter verhärtet. 

Keine Annäherung 

Zwar wird Bürgermeister Paul Iacob (SPD) nicht müde, in Stadtratssitzungen zu betonen, dass man in intensiven und guten Gesprächen mit den Betreibern des Hotels sei und eine einvernehmliche Lösung erzielen wolle. Doch das sieht man im Luitpoldpark-Hotel ganz anders. „Ich habe aus der Presse erfahren, dass es sehr gute Gespräche mit mir gegeben habe. Diese guten Gespräche gab es nicht“, betont Direktor Heinz. Vielmehr sei es zu keinerlei Annäherungen gekommen. „Wir sind auf Konfrontationskurs!“ 

So habe der Bürgermeister gedroht, dem Hotel die Parkplätze in der Bahnhofstraße zu sperren, zeige es sich nicht kooperativ. „Wir müssen uns ein bisschen darüber amüsieren, wie hier demokratische Grundrechte ignoriert werden.“ Hintergrund der schärfer werdenden Auseinandersetzung ist, dass der Bau der Straße mit enormen Beeinträchtigungen für das Hotel verbunden ist. Vor allem würde im Falle eines Durchstichs der Verkehr an drei Seiten am Hotel vorbeiführen. Die Betreiber fürchten dadurch sinkende Gästezahlen. Dabei sollten eigentlich zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. 

Darüber hinaus müsste unter anderem die Rezeption von der Nord- an die Westseite des Hotels verlegt werden. Dazu kämen aufwändige Schallschutzmaßnahmen und eine neue Belüftungsanlage. Die Kosten dafür werden auf 3,5 bis vier Millionen Euro geschätzt – die allerdings wohl die Stadt Füssen zahlen müsste. Doch die hat bekanntlich kein Geld. 

"Fühlen uns veräppelt" 

Im Gegenzug bekäme das Hotel eine eigene Bushaltestelle. „Ich frage mich ernsthaft: Warum muss der Stich durch den Park gehen?“, so Direktor Heinz. „Wir fühlen uns hier ein bisschen veräppelt.“ Deshalb werde an der Normenkontrollklage festgehalten. Allerdings – eine durchschlagende Idee für die Füssener Verkehrsprobleme hat auch er nicht, wie er in einer Informationsveranstaltung für einige Stadtratsmitglieder am Montagabend betonte. Eine Umgehung bezeichnet er zwar als „Königsweg“. 

Doch diese ist im Februar, wie berichtet, in weite Ferne gerückt. „Es ist eine verzwickte Situation“, so Heinz. „Sie kriegen das innerstädtisch nicht in Griff!“ Zusätzlich erschwert werde die Situation durch die Großbaustelle am ehemaligen Bahnhof. „Das ist kein Konzept, keine gute Planung“, kritisierte der Direktor. Er plädierte dafür, lieber kleinere Maßnahmen anzugehen als nach einer „großen Lösung“ zu suchen, die es nicht gebe. So habe er beispielsweise der Verwaltung vorgeschlagen, anstelle des ohnehin zur Disposition stehenden Zebrastreifens in der Luitpoldstraße eine Fußgängerunterführung zu bauen – bislang ohne Erfolg.

 Um die enge Bahnhofstraße zu erweitern, habe er angeregt, den sehr breiten Fußgängerweg entlang der Post zu verkleinern – bislang ebenfalls ohne Erfolg. Dabei sehen auch viele Stadträte den Zebrastreifen, wie mehrfach berichtet, kritisch und suchen nach Lösungen. „Wenn wir die Unterführung durchkriegen, wäre das das Optimale“, sagte Gabriel Guggemos von Füssen-Land. Aber wie sagte sein Kollege Magnus Peresson (UBL)? „Wenn eine gute Lösung von der falschen Seite kommt, wird sie abgelehnt.“

Matthias Matz

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