Die Verkehrspolizei kontrolliert  Motorradfahrer am Bannwaldsee

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Die Papiere für sein Motorrad sind bei diesem Motorradfahrer in Ordnung. Nach der Kontrolle darf er weiterfahren.

Schwangau – In gut zwei Stunden hat die Verkehrspolizei um die drei Dutzend Biker und ihre Motorräder kontrolliert. Dabei geht es der neugebildeten Motorradkontrollgruppe der Polizei in erster Linie darum, mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen. Sensibilisieren und ermahnen, wollen die Beamten.

Es ist kurz nach 16 Uhr: Seit wenigen Minuten hat die Verkehrspolizei aus Kempten, zusammen mit Füssener Beamten einen Kontrollpunkt am Campingplatz am Bannwaldsee aufgebaut. Sie wollen schwerpunktmäßig die Motorradfahrer kontrollieren und gleichzeitig die Geschwindigkeit überprüfen. Das hat sich auch schnell herumgesprochen dank der gewitterartigen Lichthupenzeichen mancher Verkehrsteilnehmer. 

Neue Kontrollgruppe 

Der erste Biker, der aus Richtung Schwangau kommt, winken die Beamten heraus. Routiniert nehmen Jens Rau und Christian Stark die Maschine unter die Lupe, ihr Augenmerk gilt vor allem Anbauteilen, dem Zustand der Reifen und dem Sound der Maschine. Schon von weitem würde auffallen, wenn der sogenannte dB-Eater, eine Art Schalldämpfer im Auspuff des Motorrads, manipuliert wäre. Neben dem Lärm – für mache auch der Sound – reduziert der Dezibelkiller auch die Leistung, weshalb hier besonders gerne gebastelt wird. Zu beanstanden gibt es für die beiden Motorradcops an der Maschine des Ostallgäuers aber nichts. 

Dafür aber an der Harley des hessischen Pärchens, das als nächste angehalten wird – es fehlt der Reflektor am Rücklicht. Seit diesem Jahr gibt es an allen Polizeipräsidien in Bayern die neue Motorradkontrollgruppe. Beamte der Verkehrspolizei, die selbst mit dem Zweirad am Weg sind und deren Hauptaugenmerk den Bikern und ihren Maschinen gilt. 

„Vor allem achten wir auf die Geschwindigkeit“, erklärt Alexander Hackl. Und fügt hinzu: „Und dann natürlich auf die Ausrüstung der Maschinen und Anbauteile“. Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt, weiß der stellvertretende Inspektionsleiter aus Füssen. 

Vor allem Besitzer der amerikanischen Harleys würden ihre Maschinen gerne individualisieren. Kataloge, dick wie ein Aktenordner mit Zubehörteilen gibt es, man kann den Sitz erhöhen oder tiefer legen, die Bremsgriffe austauschen und die Fußrasten oder neue Rücklichter anbringen. Da wird dann gerne auch einmal der Reflektor weggelassen, so Hackl, weil sie den Blick auf den Hinterreifen versperren. Bei dem gilt, je breiter, desto besser und das sollen andere Motorradfahrer auch sehen können. Theoretisch würde die ABE, also die Zulassung erlöschen, wenn die Beamten einen Fahrer ohne erwischen, die Ordnungswidrigkeit kostet 50 Euro. 

Doch darum gehe es nicht so sehr, meint Christian Stark. „Wir verwarnen den Fahrer mündlich und weisen ihn darauf hin, dass er das Teil anbringen muss“. 

Prävention vor Strafe 

Prävention steht vor Strafe, denn noch immer gibt es zu viele tote Motorradfahrer pro Jahr: oft werden sie übersehen – weil die Silhouette zu schmal ist –, manchmal sind sie zu schnell am Weg, in jedem Fall aber dank fehlender Knautschzone im Duell mit Lkw oder Auto die Unterlegenen. Allein im Bereich der PI Füssen gab es zwei Tote in den vergangenen Jahren. Deshalb auch suche man bei einer Kontrolle wie dieser das Gespräch mit den Bikern, erklärt Hackl. Es geht um die Fahrerfahrung, aber auch um die Lenkzeiten und das Material. 

Insbesondere geben die Beamten aber Tipps; beispielsweise, doch wieder einmal ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. Gerade nach dem Winter wirke das oft Wunder, weiß Christian Stark. Dann, wenn man ein halbes Jahr lang nicht mit dem Krad unterwegs war. 

Neben Tempolimits, mit denen Unfallschwerpunkte wie etwa bei Mühlberg entschärft werden, soll mit den Kontrollen das Bewusstsein der Fahrer geschärft werden. Denn erlebt haben die Motorradpolizisten schon fast alles: „Einmal hat einer beim Fahren sogar eine SMS getippt“, erinnert sich Jens Rau. Mit den Kontrollen, dafür stehen vier Beamte und für größere Aktionen weitere acht Beamte auf Abruf bereit, soll Präsenz gezeigt werden, künftig vier oder fünf Mal im Monat; egal ob an der B17, in Mindelheim oder am Bodensee. 

Auch wenn an diesem Werktag wenig Biker unterwegs sind, so sehen die Beamten alle möglichen Maschinen: 20 Jahre alte Kawasaki, eine nagelneue BMW und immer wieder Harley Davidson. Auf einer sitzt sogar Captain America, wie die Polizisten schmunzelnd feststellen. Der Rucksack des Fahrers sieht aus wie der Schild des ersten Avengers. In dessen Harley ist eine Klappe verbaut, die elektronisch den Auspuff bei entsprechenden Drehzahlen leiser macht. Die Papiere dafür hat der Fahrer dabei, sodass die Motorradpolizisten nichts zu beanstanden haben. 

Steckt Vorsatz dahinter? 

Und dann passiert es doch noch. Die Geschwindigkeitskontrolle haben die Beamten bereits abgebaut, als sich eine junge Bikerin der Kontrollstelle nähert. Und noch im Anhalten spricht sie der Beamte auf den Sound der Maschine an: die 125 Kubikzentimetermaschine ist eindeutig zu laut. Bei dem Schalldämpfer, ein durchlöchertes Metallrohr, das in den Auspuff eingesetzt wird, habe sich eine Schraube gelockert, weshalb er herausgefallen sei, beteuert die 17-Jährige. Und zieht das Teil aus dem Rucksack. Damit ist die Fahrt für die junge Breisgauerin, die mit ihren Eltern Urlaub in Füssen macht, zu Ende. 

Unter den Beamten entbrennt eine Diskussion, Rau und Stark sind geneigt, ihrer Geschichte zu glauben. Sie sehe nicht wie die klassische Schrauberin aus, meint Christian Stark. Diese Frage ist wichtig. Denn wenn die Beamten dem Fahrer Vorsatz nachweisen können, verdoppelt sich die Strafe, werden aus 90 umgehend 180 Euro, dazu kommt ein Punkt in der Flensburger Kartei. 

Die Beamten erlauben der 17-Jährigen ihren Vater anzurufen, ob er ihr nicht die Schraube vorbeibringen könne. So könnte sie ihre Fahrt nach der Reparatur fortsetzen, alternativ müsste ein Abschleppdienst das Motorrad holen. Denn die Weiterfahrt untersagen die Polizisten, das Fahrzeug hat keine gültige Betriebserlaubnis mehr und darf nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen. 

Geschwindigkeitsüberschreitungen konnten die Füssener Polizeibeamten an diesem Tag dagegen keine feststellen.

Oliver Sommer

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