So viele Unfälle wie noch nie

Verkehrsstatistik 2019: Polizei Füssen verzeichnet 1698 Verkehrsunfälle – Mehr Drogenfahrten

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Auch wenn der vergangene Winter – bis auf den Januar – relativ schneearm war, wirkte sich das nicht auf die Unfallzahlen der Polizei aus. Im Gegenteil: Die Beamten verzeichneten 2019 sogar mehr Unfälle als im Jahr 2018

Füssen – Mehr Unfälle, aber etwas weniger Todesopfer: So lautet die Bilanz der Polizeiinspektion (PI) Füssen und der Polizeistation (PSt) Pfronten zur Verkehrsstatistik 2019. Diese haben am Mittwoch Edmund Martin, Leiter der PI Füssen, Thomas Zeidler, stellvertretender Stationsleiter der PSt Pfronten, und Polizeihauptmeisterin Andrea Fronius vorgestellt.

1698 Verkehrsunfälle (2018: 1619) ereigneten sich im vergangenen Jahr in ihrem Dienstbereich. „Meiner Meinung nach ist das der Höchststand, den wir jemals gehabt haben“, meinte Martin. Im Bereich der PI Füssen stieg ihre Zahl um 5,19 Prozent (2018: 1270 auf 1336 in 2019), im Gebiet der PSt Pfronten um 3,72 Prozent (2018: 349 auf 362 in 2019).

Eine 79-jährige Fahrradfahrerin wollte im August nur die Staatsstraße 2520 bei Voglen überqueren. Dabei übersah sie allerdings das Auto einer 22-Jährigen. Bei dem Zusammenprall wurde die 79-Jährige so schwer verletzt, dass sie in der darauffolgenden Nacht starb. Im vergangenen Jahr war sie eins von fünf Opfern (2018: 6), das bei Verkehrsunfällen ums Leben kam. „Das ist eine hohe Zahl für Füssen und Pfronten. Das befriedigt nicht“, erklärte Martin. Im Januar hatte ein 47-jähriger Autofahrer sein Leben verloren, nachdem ein Zug sein Auto am unbeschrankten Bahnübergang an der Badstraße in Pfronten erfasst hatte. „Das ist der Bahnübergang im Ostallgäu, an dem es wohl am meisten kracht“, meinte Zeidler. Da es dort schon zu mehreren tödlichen Unfällen gekommen ist, führt die Gemeinde Pfronten derzeit Gespräche mit der Deutschen Bahn, um die Stelle sicherer zu machen (der Kreisbote berichtete). Zu den weiteren Opfern zählte ein 80-jähriger Autofahrer, der im Mai auf der B16 beim Wertstoffhof in Füssen ein Auto übersehen hatte, ein 34-jähriger Motorradfahrer, der im September auf der OAL 1 bei Roßhaupten mit dem Gegenverkehr zusammengeprallt ist – genau wie kurze Zeit später ein 83-jähriger Autofahrer auf der B310 Umfahrung Füssen, und eine 77-Jährige auf der A7 bei Füssen. Auf ihr Auto ist im Dezember ein 43-Jähriger geprallt, weil er das Stauende übersehen hatte.

Deutlicher zurückgegangen sind allerdings die Unfälle mit verletzten Personen. Nach 220 (2018: 248) Zusammenstöße mussten sich 286 (2018: 333) Personen in ärztliche Behandlung begeben.

Etwa 59 Prozent der Kollisionen, die die Polizei 2019 registrierte, machen sogenannte Kleinunfälle aus (2019: 1004 im Vergleich zu 935 in 2018). Insgesamt verteilen sich die Unfälle auf den gesamten Altlandkreis Füssen. Schwerpunkte gebe es zwar keine, wohl aber Stellen, an denen sie sich häufen. Dazu gehört die B16 auf Höhe Tiefental, Rieden und am Tierheim sowie zwischen Füssen und der König-Ludwig-Brücke, die B310 an der A7-Anschlussstelle, die B17/St 2008 an der „Horner Gabel“, die Staatsstraße 2059 auf Höhe Lusse oder in Pfronten die Einmündung Bahnhofstraße in die Allgäuerstraße sowie die Kreuzung an der Aldi-Ausfahrt in Nesselwang. Bei Letztere habe jedoch die neue Bedarfsampel für rückläufige Unfallzahlen gesorgt. Genau wie die Ampel an der A7-Ausfahrt oder die neue Einfädelspur an der Horner Gabel. „Die Lösung ist nicht verkehrt, wenn man weiß, wie es funktioniert“, meinte Martin zur neuen Verkehrsregelung in Schwangau. Genau das wusste eine Autofahrerin kurz nach Abschluss der Bauarbeiten aber nicht und prallte mit dem Gegenverkehr zusammen. Seitdem gab es an dieser Stelle allerdings keinen einzigen Crash mehr, erklärte Polizeihauptmeisterin Andrea Fronius. „Das Staatliche Straßenbauamt will hier nachbessern“, was die Markierungen angeht, informierte sie.

Geschwindigkeit als Hauptunfallursache

Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit beim Autofahren war im vergangenen Jahr eine der Hauptunfallursachen. Deshalb kontrollierte die Polizei verstärkt mit dem Handlasermessgerät, vor allem in der Nähe von Schulen, Kindergärten und an gefährlichen Straßenabschnitten. Bei Schwerpunktkontrollen kam es in 141 Fällen (2018: 165) zu Überschreitungen im Anzeigenbereich. Daneben verwarnte die Polizei 347 Kraftfahrer (2018: 385). In Pfronten waren es 393. In Füssen übernimmt diese Kontrollen der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland (der Kreisbote berichtete). Das sei eine gute Lösung, erklärte Martin. So werde die Polizei entlastet. Unter den Rasern, die die Polizei ertappt hat, befinden sich häufig viele Anwohner und Einheimische – und die haben meist vehement auf die Geschwindigkeitsbegrenzung gepocht. Deutlich angestiegen sind auch die Fahrten unter Alkoholeinfluss. 82 Mal (2018:76) zeigte im vergangenen Jahr das Testgerät mehr als die erlaubten 0,5 Promille an. Doch das ist meist nicht das Partyvolk, das in den frühen Morgenstunden nach Hause kommt. „Die Jüngeren fahren nicht so oft unter Alkohol“, erklärte Zeidler. Das seien verstärkt die 40- bis 50-Jährigen. Und die erwischt die Polizei oft am späten Nachmittag oder Sonntagvormittag. „Das ist auffallend“, so Martin. Die Unfälle, die betrunkene Fahrer verursachten, waren 2019 (15) aber nahezu identisch im Vergleich zum Vorjahr (16). Unter Drogen standen drei Personen (2018: zwei), die an Unfällen beteiligt waren.

Bewusstsein für Langzeitwirkung fehlt

Erheblich zugenommen haben aber die Autofahrer, die unter Einfluss von Betäubungsmitteln am Steuer saßen und dabei von der Polizei erwischt wurden. Ihre Zahl nahm von 43 in 2018 auf 57 in 2019 zu. Das liege auch daran, dass die Polizei ihre Beamten speziell geschult habe, um die entsprechenden Anzeichen besser erkennen zu können. „Die Zahl ist sehr hoch bei uns. Tendenz weiter steigend“, informierte der Polizeiinspektionsleiter. Denn das Dunkelfeld sei enorm hoch. „Es kann sein, dass in absehbarer Zeit Drogenfahrten Alkoholfahrten überholen.“ Dabei beeinflussen Drogen massiv die Fahrtauglichkeit. Genau wie Alkohol am Steuer sei es deshalb „kein Kavaliersdelikt“, unterstrich Martin. „Viele unterschätzen, wie lange Drogen im Körper wirken“, fügte Fronius hinzu. Im Altlandkreis haben sie es meist mit Cannabis zu tun. Und die Betroffenen sind meist junge Leute, die oft auch im Gespräch mit der Polizei offen zugeben, vor zwei bis drei Tagen gekifft zu haben. Dass das dann immer noch Einfluss auf ihre Fahrtüchtigkeit hat, sei vielen nicht bewusst. Deshalb werden die Polizei auch 2020 Kraftfahrer verstärkt auf Drogenkonsum kontrollieren. 

Mehr Senioren sorgen für Unfälle

Statistisch gesehen, sind vor allem Fahrneulinge und Autofahrer im Seniorenalter häufig in Unfälle verwickelt. Während die Zahl der 18- bis 24-Jährigen, die einen Unfall verursacht haben, in Füssen mit 52 Unfällen identisch zum Vorjahr ist, stieg sie in Pfronten leicht an, von elf in 2018 auf 14 in 2019. Insgesamt war diese Altersgruppe bei 107 Unfällen (2018: 104) beteiligt. „Die Zahl ist relativ gleich geblieben“, so Martin. Erneut stark zugenommen, um 31,06 Prozent (2018: 103; 2019: 135) hat dagegen die Zahl der Senioren (Fahrer ab 65 Jahren), die einen Unfall verursacht haben. Dieser Trend sei schon seit Jahren zu beobachten, erklärte Martin. Schließlich gebe es immer mehr Senioren. Diese haben oft Schwierigkeiten beim richtigen Einschätzen von Entfernungen oder Geschwindigkeiten anderer Verkehrsteilnehmer. Aber: „Die Mobilität im Alter ist wichtig“, unterstrich Martin. „Das ist ein Problem, das wird sicherlich noch größer werden.“ Erscheint ein älterer Autofahrer bei Kontrollen oder Unfällen den Polizeibeamten nicht fahrtüchtig, schreiben diese die Führerscheinstelle an, die dann eine Untersuchung beim Arzt oder zusätzliche Fahrstunden anordnet. kb

Unfallfluchten nehmen zu

Erneut angestiegen sind 2019 die Unfallfluchten, erklärte Edmund Martin, Leiter der Polizeiinspektion Füssen. 2017 waren es noch 274, 2018 stiegen sie auf 315 an und 2019 verzeichnete die Polizei 319 Fälle von Unfallflucht – eine sehr hohe Zahl, so Martin. „Der Tourismus spielt da eine Rolle“, erklärte Thomas Zeidler, stellvertretender Leiter der Polizeistation Pfronten. Gerade bei Leihwagen sei es für die Polizei schwierig, diese Fälle aufzuklären. Doch bei 132 Fällen (2018: 116) gelang es den Beamten in teils akribischer Arbeit, die Täter zu ermitteln. Die Aufklärungsquote liege bei respektablen 41 Prozent, so Martin. 2018 betrug sie noch bei 35 Prozent.

Katharina Knoll

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