Statistik 2017: Etwas weniger Verkehrstote

Das Ostallgäu ist trauriger Spitzenreiter bei Unfällen

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Bei diesem Unfall im Juli 2017 starben drei Menschen, als ein mit sechs Personen besetzter PKW gegen einen Baum prallte.

Ostallgäu/Kaufbeuren – Im Landkreis Ostallgäu wie auch im Stadtgebiet Kaufbeuren hat die Zahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2017 erneut zugenommen.

Für das Unfallgeschehen im Jahr 2017 zieht das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West eine traurige Bilanz. Mit 28.216 Verkehrsunfällen auf den südwestlichen Straßen Bayerns wurde der höchste Stand seit zehn Jahren erreicht. 77-mal pro Tag rückten die Polizeibeamten 2017 zur Unfallaufnahme aus. Verkehrsunfälle mit verletzten Personen nahmen um ein Prozent, Verkehrsunfälle mit Sachschäden um rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Einzig die Zahl der Verkehrstoten reduzierte sich geringfügig von 73 im Jahr 2016 auf 70 im Jahr 2017.

Das seien immer noch viel zu viele, wie das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West Anfang dieser Woche bekannt gab. Denn das Ziel, die Zahl der tödlich Verunglückten auf Schwabens Straßen bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent auf rund 50 Personen zu senken, rücke erneut in weite Ferne.

Ostallgäu trauriger Spitzenreiter

Auch für Kaufbeuren und den Landkreis Ostallgäu fällt die Bilanz eher gemischt aus. Im Vergleich zu allen Flächenlandkreisen und kreisfreien Städten im Gebiet des Polizeipräsidiums (von Lindau bis Neu-Ulm und von Günzburg bis ins Ostallgäu) weist gerade das Ostallgäu die höchste Zahl an Verkehrsunfällen 2017 auf. Es waren demnach insgesamt 3850 Unfälle, 2016 waren es noch 3531 Unfälle gewesen. Auch in Kaufbeuren stieg die Zahl der Zusammenstöße von 1123 (2016) auf 1163 im Jahr 2017. Glücklicherweise handelte es sich meist um Blechschäden, und auch die Zahl der Verletzten schwächte sich 2017 sowohl in Kreis als auch in kreisfreier Stadt leicht ab. Kaufbeuren zählte 238 Unfallverletzte (241 im Jahr 2016) und das Ostallgäu 831 Verletzte (im Vergleich zu 834 im Vorjahr).

Gegen Baum geprallt

Bei den schweren Verkehrsunfällen sieht die Sache schlimmer aus. Drei Tote waren beispielsweise bei einem Unfall im Landkreis Ostallgäu zu beklagen, als im Juli 2017 ein mit sechs Personen besetzter PKW gegen einen Baum prallte. Insgesamt kamen 2017 zehn Menschen auf den Ostallgäuer Straßen zu Tode. Auch in Kaufbeuren stieg die Zahl der Unfalltoten von Null im Jahr 2016 auf dramatische drei Todesopfer 2017.

Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West führt die hohe Zahl der tödlich Verunglückten auf die Häufung schwerer Verkehrsunfälle zurück, die im Jahr 2017 jeweils mehrere Todesopfer forderten. Tragisch endete beispielsweise ein Verkehrsunfall mit sechs Toten auf der Autobahn A7 bei Woringen in der Neujahrsnacht 2017 und ein Motorradunfall in Immenstadt im August mit vier Toten. Im Landkreis Günzburg wurden im März bei einem Reifenwechsel auf dem Standstreifen der A8 zwei Personen von einem LKW erfasst und getötet. Ebenfalls zwei Todesopfer forderte im Mai ein Verkehrsunfall im Landkreis Unterallgäu, als eine PKW-Fahrerin die Vorfahrt eines Krad-Fahrers missachtete. Beide Fahrzeugführer kamen hierbei ums Leben.

Ursache „Ablenkung“

Die Polizei in Schwaben möchte auch im laufenden Jahr die Unfallursache „Ablenkung“ vermehrt bekämpfen. Eine offizielle Statistik zu „Ablenkung im Straßenverkehr und ihre Folgen“ gebe es zwar nicht, jedoch gehen laut Polizei mehrere Studien davon aus, dass Ablenkung und Unaufmerksamkeit für bis zu 30 Prozent aller Verkehrsunfälle ursächlich sein könnten.

Ablenkung im Straßenverkehr sei nach wie vor eine unterschätzte Gefahr, heißt es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums. „Weit verbreitet scheint das Bewusstsein, das nur die Anderen betroffen sind und man selbst frei von Fehlern ist. Fakt ist, dass nahezu jeder im Straßenverkehr abgelenkt sein kann.“ Das gelte nicht nur für die Nutzung von Mobiltelefonen oder Navigationsgeräten. Auch banale Tätigkeiten, wie beispielsweise Essen, Trinken, Rauchen am Steuer, Gespräche mit den Mitfahrern und schlecht verstaute Dinge können zu Unaufmerksamkeit und schwerwiegenden Folgen führen.

Mehr Kontrollen

„Wenn jeder Verkehrsteilnehmer sich nur an die bestehenden Vorschriften hielte,“ mahnt Polizeivizepräsident Guido Limmer, „würden viele Unfälle erst gar nicht geschehen.“ Und er fährt fort: „Unser Ziel ist es, eine Verhaltensänderung zu erreichen.“ Dazu will die Polizei Verstöße durch gezielte Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen konsequent ahnden.

Von Angelika Hirschberg

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