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Verlandung vor Waltenhofen: Forggenseeschifffahrt muss Route nochmals ändern

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Von: Katharina Knoll

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Schiffe der Forggenseeschifffahrt
Wenn im Juni die MS Füssen und die MS Allgäu in See stechen, gibt es einige Änderungen. So müssen erwachsene Fahrgäste für eine Rundfahrt mehr zahlen als in den Vorjahren. Außerdem wird die Schifffahrtsroute wegen Verlandungen vor der Anlegestelle Waltenhofen geändert. © Archiv/Matz

Füssen – Neue Route, neue Preise und neue Corona-Regeln: Mit dem Saisonstart am Mittwoch, 1. Juni, gibt es einige Änderungen bei der Forggenseeschifffahrt.

So musste wegen der Verlandungen vor der Anlegestelle Waltenhofen die Route der großen Rundfahrt geändert werden. Und zwar nochmals anders, als Schifffahrtsleiter Helmut Schauer in der Novembersitzung des Werkausschusses angekündigt hatte.

Wie viele andere Seen ist der Forggensee von einer natürlichen Ver- und Anlandung betroffen. Wasser- und Sumpfpflanzen aber auch Material, das der Lech in den See hineinspült, füllen das Gewässer mit der Zeit auf. Davon beeinträchtigt ist der See hauptsächlich im südlichen Bereich, allen voran an der Anlegestelle Waltenhofen. Das östliche Anfahrtsgebiet wurde bereits 2015 in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Kempten mühsam ausgebaggert.

Die Behörde ging damals bereits von einer „einmalig genehmigten“ Einzelaktion aus, wie Schauer im November erklärt hatte. Doch das verbesserte die Situation nur für kurze Zeit. Innerhalb von nur fünf Jahren setzte sich erneut so viel Material vor der Anlegestelle Waltenhofen ab, dass es bereits 2019 zu Einschränkungen beim Navigieren der Schiffe kam. Ein gefahrloses Anfahren ist dort seit 2020 gar nicht mehr möglich, heißt es von Seiten der Schifffahrt. „2021 kam es zu Grundberührungen“, so Schauer. „Deshalb können wir Waltenhofen aus dieser Fahrtrichtung nicht mehr anfahren.“

Aus diesem Grund suchte die Forggenseeschifffahrt im vergangenen Jahr zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Kempten nach Lösungen. Das vorläufige Ergebnis: eine bereits in früheren Jahren genutzte Schifffahrspassage, die vom Bootshafen in Richtung Westen ins nahegelegene Flussbett des Lechs führt. Als der Stausee über die Wintermonate schließlich abgelassen wurde, zogen sich Vertreter beider Behörden Gummistiefel an und schauten sich die Sache mit GPS-Geräten vor Ort an. Auch Vertreter des Technischen Hilfswerks (THW), der Gemeinde Schwangau und des Kreisfischereivereins waren mit dabei.

Zu hohe Kosten

Was zunächst als machbar angesehen wurde, stellte sich später aber als unmöglich heraus. „Es sprachen mehrere Gründe dagegen“, erklärt Schauer. Einer davon war der Blick in die Schifffahrtskasse. Denn für die neue Route hätte man mehrere 1000 Kubikmeter an Sedimenten abtragen und weit im Norden des Sees verteilen müssen. „Das hätte enorme Kosten mit sich gebracht. Nach 2018, 2020 und 2021 können wir das finanziell nicht stemmen“, erklärte der Schifffahrtsleiter. Ein weiterer Grund war die Lage im Landschaftsschutzgebiet. Für umfangreiche Grabungen hätte man eine extra Genehmigung gebraucht, was bis zum Saisonstart zeitlich nicht möglich gewesen wäre.

Deshalb werden die Schiffe heuer vom Festspielhaus Richtung Norden schippern, auf Höhe Brunnen ins Lechbett einbiegen und weiter Richtung Süden nach Waltenhofen fahren. „So umfahren wir die Anlandung“, erklärt Dirk Schranz, technischer Leiter der Forggenseeschifffahrt und Kapitän der MS Füssen. Bei der großen Rundfahrt ergibt sich dadurch eine Änderung: die Anlegestelle Dietringen wird nicht mehr zwei Mal, sondern nur noch auf der Hinfahrt angesteuert. „Wir müssen gucken, wie die Verlandung fortschreiten wird“, erklärt Schauer. „Es kann sein, dass das eine dauerhafte Lösung mit sich bringt.“

Preise steigen

Die Schifffahrtsroute ist aber nicht die einzige Neuerung in diesem Jahr. Wer eine Runde auf dem Forggensee drehen möchte, muss heuer etwas tiefer in die Tasche greifen (der Kreisbote berichtete). Denn die Fahrpreise sowohl für die kleine als auch für die große Rundfahrt werden erhöht. Erwachsene müssen künftig drei Euro mehr ausgeben. Eine finanzielle Erleichterung gibt es dagegen bei den jungen Fahrgästen. Denn nun fallen auch 15- und 16-Jährige unter den Kindertarif.

Trotz der Preiserhöhungen, die durch die finanziell schlechten Jahre 2018, 2020 und 2021 notwendig geworden seien, sei die Forggenseeschifffahrt aber noch familienfreundlich und sozialverträglich, meint Schauer. „Andere Schifffahrten sind wesentlich teurer. Wir haben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Deshalb sein Appell an die Füssener für die Sommermonate: „Vielleicht will der ein oder andere Daheimgebliebene mit den Schiffen mitfahren.“

Ein Blick auf die aktuellen Corona-Regeln macht klar: an Bord wird es dann nur noch wenige Einschränkungen geben. So müssen die Fahrgäste nur noch eine Maske tragen, wenn sie die Schiffe betreten. „Die täglichen Rundfahrten fallen unter den ÖPNV“, erklärt Schranz. Am Tisch und im Freibereich dürfen die Gäste aber die Maske absetzen. Für Charterfahrten fällt die Maskenpflicht dagegen ganz weg. Denn für diese gilt nicht die ÖPNV-Verordnung. „Das ist der Stand heute. Aktuell arbeiten wir damit.“

Die Erfahrungen aus den vergangenen beiden Pandemie-Jahren lassen allerdings auf weitere Lockerungen im Juni und Juli hoffen. „Wir werden an den Anlegestellen Informationen aushängen“, so der technische Betriebsleiter. „Sollte ein Fahrgast keine Maske dabei haben, lösen wir das auf ganz einfache Art und Weise.“

Die bisherige Resonanz lässt jedenfalls auf eine besuchsstarke Saison hoffen: Die 50 Abendfahrten, die die Forggenseeschifffahrt anbietet, sind bereits komplett ausgebucht. „Das hat vielleicht auch mit zwei Jahren Corona zu tun“, meint Schauer. Nun würden viele Feiern nachgeholt werden, die in dieser Zeit nicht möglich waren. Für die Schifffahrt ist das auf jeden Fall ein positives Zeichen: „Wir sind begehrt“, freut sich Schauer.

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