Künstler Robert Wilhelm kreiert Bilder mit eigenem Stil

Kein typischer Sprayer

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Beim „Offenen Atelier“ im Magnuspark hat sich Künstler Robert Wilhelm den Besuchern auch als stolzer Vater präsentiert. Seine zweite Tochter nach der dreijährigen Mila heißt Finja.

Füssen/Nesselwang – „Ich hatte keine Lust, immer nur Buchstaben zu sprayen“, erzählt Künstler Robert Wilhelm über seinen Weg zur abstrakten Kunst.

Der Wahl-Füssener hat seinen eigenen Stil geschaffen, wie bei seiner Ausstellung bei der Firma Endress+Hauser Wetzer, die am Donnerstag, 16. Februar, eröffnet wird, zu sehen ist. 

Im Gespräch mit dem Kreisbote spricht er über seinen Werdegang und seine neueste Schau „Stilkontrabluff“ in Nesselwang. Das Gesprächs findet in der Altstadt-Wohnung des Künstlers statt, nicht in seinem Atelier im Magnuspark. Man kennt sich. Schon fast seit der Zeit, als der mittlerweile 39-jährige Vater von zwei kleinen Mädchen weg aus dem Rhein-Main-Neckar-Gebiet ins Allgäu flüchtete. 

Seine eigenen Wurzeln liegen bei Heidelberg. „Ich bin ein leidenschaftlicher Skater. Da ist das Füssener Land die richtige Adresse“. Am Katzenbuckel, dem mit 626 Metern höchsten Berg im Odenwald, ist er als Bub Schlitten gefahren. „Ich hatte mit 22 Jahren den Diplomabschluss in Malerei und Grafikdesign in der Tasche“, erzählt er und genießt einen kräftigen Schluck aus der Kaffeetasse.

 Andere aus seiner Klasse an der Mannheimer Akademie schlugen, wie er berichtet, sehr konzentriert die künstlerische Laufbahn ein. Er selbst ließ es ziemlich locker angehen, als die Akademiezeit beendet war. Robert Wilhelm zog nach Seeg, lebte auch in Innsbruck und landete vor 15 Jahren mit seiner österreichischen Lebensgefährtin in Füssen. „Vor drei Jahren kam unsere erste Tochter zur Welt.“ Jetzt hat die dreijährige Mila ein 18 Monate altes Geschwisterchen: Finja. 

Robert Wilhelm nimmt sich die Zeit, sich um die Kinder zu kümmern. „Wir haben Spaß im Baumgarten, ich koche für die Mädchen und wenn sie schlafen habe ich viele Stunden, um meine Ideen zu skizzieren oder spontan – mit besonders großer Energie – meine Bilder zu schaffen.“

 Der Tag, so hört sich das auch an, muss von dem Paar durchorganisiert werden. Wilhelm arbeitet zudem gern „auf die letzte Minute“, wie er lachend einräumt.

Einladung nach Paris

Als Graffiti-Artist stellt er sich vor allem auch im öffentlichen Raum seit 1994 vor. 

Am Füssener Jufo beispielsweise zieht seine Arbeit aus jüngster Zeit Blicke an. Die Schülerinnen und Schüler am Gymnasium in Hohenschwangau kennen ihn, denn ihm ist die Gestaltung der „Pilz Bar“ zu verdanken. „Ich brauche große Wände“, betont er. „Ich arbeite bis zum Format drei Mal drei Meter“. 

Sein Wirkungskreis beschränkt sich längst nicht mehr aufs Füssener Land, Kempten und Reutte. Wilhelm zeigte auf offizielle Einladung hin in Paris sein künstlerisches Potenzial. Das war 2016. Zum Lebensunterhalt dienen „regelmäßige Auftragsarbeiten“. Kunden – dazu gehören Hotels und der Füssener Eiskutschenmann Beppo – können darauf vertrauen, dass Robert Wilhelm geäußerte Wünsche professionell erfüllt. 

Auch dies macht deutlich: er ist beileibe kein typischer Vertreter der bis heute umstrittenen Sprühdosen-Generation. Die abstrakte Malerei habe ihn „früh direkt angesprochen“. Wilhelm nennt als Beispiel Miro. In der Szene bekannt als „TrusOne“ ließ er sich zwar vom Graffiti-Künstler Quick aus New York inspirieren.

Doch dass er sein eigenes Stilmittel geschaffen hat, wird nicht zuletzt den Besuchern in Nesselwang auffallen. In seinen Bildern, die er eigens für die neue Ausstellung in Nesselwang schafft, sind wieder die farbigen Variationen von Robert Wilhelms Charakteren zu entdecken, die er Smurfnobs nennt. 

Neben ihnen hängen in der Wohnung noch weitere Bilder, die zeigen, wie souverän der Künstler mit Stift einer einzigen schwarzen Linie auf weißen Grund sehr fantasievolle Entwicklungsmöglichkeiten schenkt. Diese Serie heißt „oneline“.

Einjährige Schau

Zur Vernissage von Wilhelms Ausstellung lädt in Nesselwang die Firma Endress+Hauser Wetzer (Obere Wark 1) ein. Die Bilderschau des als Sprayer mittlerweile überregional bekannten Diplom-Grafikers wird am Donnerstag, 16. Februar, um 19 Uhr, eröffnet. Die Ausstellung läuft – das ist eine Besonderheit – ein ganzes Jahr, wie Robert Wilhelm im Interview mitteilt.

Chris Friedrich

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