Untermieter im Meisenkasten

Verschlafener Siebenschläfer begrüßt Kontrolleure als Überraschungsgast im Füssener Stadtwald

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Diesen Siebenschläfer entdecken die Kontrolleure in einem Vogelnistkasten.

Füssen – Zum fünften Mal haben Nina Oestreich von der Bergwaldoffensive (BWO) am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren (AELF) und der Fledermausfachberater Fritz Ebelt die Nistkästen im Stadtwald Füssen kontrolliert. 2015 brachten sie hier mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) 25 Ersatzquartiere für Fledermäuse und Vögel an.

Fledermausfachberater Fritz Ebelt bei der Nistkastenkontrolle im Stadtwald Füssen.

Auch bei dem diesjährigen Blick in die Nistkästen fanden sie Brutstätten alter Bekannter wie Kleiber und Meisen aber auch ein Wespen- und ein Hornissennest, die bereits verlassen waren. Ein Überraschungsgast oder besser gesagt, überraschter Gast schaute Oestreich und Ebelt etwas verschlafen mit dunklen Knopfaugen aus einem Vogelkasten an – ein Siebenschläfer! „Diese nachtaktive Schlafmütze macht ihrem Namen alle Ehre, da sie von September bis Mai fast Dreiviertel des Jahres verschläft. Die restliche Zeit heißt es schlemmen und schlafen. Da wollten wir nicht weiter stören“, so Nina Oestreich.

Nur einen Baum weiter stießen sie zum wiederholten Male auf einen weiteren Langschläfer, einen Kleinen Abendsegler. Dieser gehört zu den mittelgroßen Fledermausarten und ist über weite Teile Europas verbreitet. „Das Faulenbacher Tal, mit seinen lichten, laubholzreichen Wäldern und zum Teil alten Bäumen, bietet für die Fledermausart gute Voraussetzungen“, erklärt Fritz Ebelt. Da sie ihr Quartier häufig wechselt, braucht sie jedoch viele Höhlen, Spalten oder eben Nistkästen. In diesen Unterschlupfen findet zwischen Ende Juli und Ende September die Paarung statt. Durch eine verzögerte Tragezeit bilden die Weibchen jedoch erst Mitte Juni des Folgejahres die „Wochenstuben“, wo sie ein bis zwei Jungen zur Welt bringen. Von Oktober bis März oder April, seltener bis in den Mai, halten die Tiere Winterschlaf. Hierfür bleiben sie laut Ebelt in der Regel jedoch nicht in Bayern, sondern fliegen bis zu 1000 Kilometer weit in ihr Winterquartier, zum Beispiel nach Südfrankreich.

„Der Kleine Abendsegler ist in Bayern selten und gefährdet. Die Ursachen liegen vor allem in Störungen sowie Zerstörung und Verlust von geeigneten Quartieren in Bäumen und Gebäuden“, so Ebelt. Was dem einen also als wertlose Buche mit Rissen und Löchern erscheint, die sich nur als Brennholz eignet, ist für den Kleinen Abendsegler das perfekte Heim. Und ein offenes Fenster oder ein Schlupfloch zum alten Dachboden laden ebenfalls zum „Übernachten“ ein.

Auch andere Fledermausarten sind im Allgäu zu Hause und stehen unter strengem Naturschutz (der Kreisbote berichtete). Ebelt bittet: „Wenn jemand Fledermäuse findet, auch verletzte Tiere, bitte rufen Sie die Polizei oder die Naturschutzbehörde an. Wir holen die Tiere auch ab und päppeln sie auf.“ Im Falle eines Fundes gibt es Informationen zum richtigen Umgang mit den scheuen nachtaktiven Tieren bei der Naturschutzbehörde unterwww.buerger-ostallgaeu.de. Telefonisch gibt es Hilfe bei der Beauftragten der Fledermauskoordinationsstelle für das Ostallgäu unter der Telefonnummer: 08327/93 10 99 oder der 0160/90 74 97 67 oder bei Fritz Ebelt unter der Telefonnummer: 08368/17 98. Auch die örtliche Polizeistation hilft bei einem Fund weiter oder vermittelt an die zuständigen Experten.

kb

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