"Brücken in den Beruf"

Elmar Schmitt (links) und Joachim Schmid (rechts) von „Schule und Beruf“ leiteten die Gesprächsrunde mit den Referenten (von links) Erika Weber, Agentur für Arbeit, und Daniela Rauh, IHK. Foto: cf

Füssen – Der von Elmar Schmitt und Joachim Schmid geleitete Kreis „Schule und Wirtschaft“ hat kürzlich das Thema „Brücken in den Beruf“ diskutiert. Mit 50 Teilnehmern im Sparkassensaal am Kaiser-Max-Platz war die Veranstaltung, so Schmitt, „die am besten besuchte Gesprächsrunde unserer Reihe“.

Den Anfang machte Erika Weber von der Agentur für Arbeit mit „Demographische Entwicklung und Ausbildungssituation im Ostallgäu“. Sie zeigte dabei mit aktuellen Statistiken auf, dass es für die Betriebe im Landkreis teilweise schwieriger geworden sei, Schulabgänger für bestimmte Berufe zu begeistern. Zum Ausbildungsbeginn im kommenden Herbst sind laut Weber noch zahlreiche offene Stellen gemeldet. Zehn Plätze für Bankkaufleute blieben im Raum Füssen nach Angaben der Agenturleiterin bisher unbesetzt. 21 sind es hier sogar im Raum Kaufbeuren, 12 in Marktoberdorf. Der Rückgang der Schulabgängerzahlen könne nicht allein der Grund dafür sein, betont Weber. Dass solche, früher besonders beliebte Ausbildungsangebote im kaufmännischen Bereich auf derzeit sinkendes Interesse stoßen, sei vielleicht nicht zuletzt auch damit zu erklären, dass sich das Image der Kreditinstitute zum Negativen verändert habe, vermutet die Arbeitsmarktexpertin. 

Für den Beruf Altenpfleger sind noch 17 offene Stellen zum Ausbildungsbeginn Herbst 2014 im Raum Füssen gemeldet. Wie der von Weber auszugsweise zitierte vergangene Woche veröffentlichte Bericht der Agentur für Arbeit Kempten/Memmingen meldet, fällt es den Ausbildungsbetrieben außerdem schwer, angehende Fachverkäuferinnen zu finden. Nicht besetzt sind 17 Ausbildungsplätze für Hotelkaufleute und insgesamt 20 für Kaufleute im Einzelhandel. Arbeit am Abend und am Wochenende schreckt offenbar auch vom Beruf Koch/Köchin ab. Gemeldet sind noch 17 freie Stellen. „Die Summe aller freien Plätze in den hier angebotenen Ausbildungsgängen beträgt derzeit 183“, lautet Webers Bilanz. Derzeit gebe es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel in Deutschland. Doch, schloss Weber, „sind derzeit Engpässe in einzelnen Berufsgruppen und Regionen erkennbar“. Dazu zähle das Ostallgäu. 

Nach dem Weber-Referat stellte Dr. German Penzholz vom Landratsamt die „Bildungsregion Ostallgäu“ vor. Er rief dazu auf, die Initiative durch Ideen zum lebenslangen Lernen gezielt zu unterstützen. Als erster Allgäuer Landkreis hatte das Ostallgäu – woran der Referent erinnerte – in diesem Frühjahr das Qualitätssiegel „Bildungsregion in Bayern“ erhalten. Die Gastreferentin Daniela Rauh von der Industrie- und Handelskammer Schwaben, die ihre Nachfolgerin Miriam Stannat als IHK-Fachberaterin Berufsorientierung vorstellte, skizzierte die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft in der neuen Form als lokale „Schulpartnerschaften“. Ein solches Modell wird zwischen der Füssener Mittelschule und dem nahe gelegenen Luitpoldparkhotel gepflegt.

Zu viele Abbrecher

Diskutiert wurde die derzeit extrem hohe Abbrecherquote im Azubi-Bereich. Fast jeder zweite Lehrling gibt vor dem Ziel auf. Es sei immer wieder möglich, Probleme früh zu erkennen. Wenn Jugendliche die ausbildungsbegleitende Hilfe annehmen, verbessern sie in der Regel ihre Noten und auch ihr Sozialverhalten, weiß Wolfgang Gabler von der Berufsberatung aus seiner langjährigen Erfahrung. Ausbildungsleiter sollten sich an den Arbeitgeberservice in einer schwierigen Situation wenden, „damit eine benötigte Nachwuchskraft nicht verloren geht“. Die „geförderte Nachhilfe“ könne dem Azubi über Prüfungshürden helfen. cf

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