Verwaltung stellt Jahresrechnung 2020 der Gemeinde Nesselwang vor

Nesselwang: Gut durchs Krisenjahr gekommen

Euroscheine und Münzen
+
Fast eine Punktlandung hat die Marktgemeinde Nesselwang bei ihren Finanzen hingelegt. Das Ergebnis der Jahresrechnung 2020 lag nur 266.000 Euro über dem Ansatz.
  • vonHerbert Hoellisch
    schließen

Nesselwang – „Es war ein schwieriges Jahr für den Tourismus und in der Wirtschaft“, sagte Kämmerer Martin Keller in der Sitzung des Nesselwanger Marktgemeinderats, als er die Jahresrechnung 2020 der Marktgemeinde vorstellte. „Ein spannendes Jahr für den Markt Nesselwang – aber wir sind gut durchgekommen“. 

„Der Haushalt für 2020 wurde im Februar aufgestellt. Da kannten Corona viele nur als Kaltgetränk“, so Keller. Das gesamte Haushaltsvolumen lag im Ansatz bei knapp 15,3 Millionen Euro. Rund 15,6 Millionen Euro betrug das Rechnungsergebnis und wurde damit nur um 266.000 Euro überschritten. „Das hatten wir schon lange nicht mehr“, kommentierte der Kämmerer die Fast-Punktlandung. Der Verwaltungshaushalt (VerwHH) war mit rund 11,8 Millionen Euro veranschlagt, am Ende umfasste er 125.000 Euro weniger. Im Vermögenshaushalt (VermHH), angesetzt mit etwa 3,5 Millionen Euro, lag die Differenz bei 391.000 Euro. Das Ergebnis betrug zum Jahresende rund 3,9 Millionen Euro.

Die Steuereinnahmen entwickelten sich trotz der zahlreichen Unwägbarkeiten während der Lockdowns positiv. „Wir haben eine breit aufgestellte Wirtschaft, die sich in keinen Abhängigkeiten befindet“, begründete der Kämmerer. Deutlich positiver als im Haushaltsansatz gerechnet, war das Ergebnis bei der Gewerbesteuer. Das Endergebnis liegt mit rund 2,4 Millionen Euro um fast ein Drittel höher als der konservativ gewählte Ansatz von 1,8 Millionen Euro (ein Plus von 604.000 Euro). Der Lohn- und Einkommenssteueranteil war mit rund zwei Millionen Euro um 32.000 Euro niedriger als der Ansatz (2,05 Millionen Euro). Bei der Grundsteuer A und B ergaben sich nur geringe Differenzen (ein Plus von 14.000 Euro) zwischen Ansatz (682.000 Euro) und Ergebnis (696.000 Euro).

Weniger Entgelt durch Bad-Schließung

Die gesamten Einnahmen im VerwHH lagen bei rund 11,6 Millionen Euro (Ansatz: rund 11,8 Millionen Euro). Hier wirkte sich am stärksten die lange Schließung des Alpspitz-Bade-Centers (ABC) auf die Entgelte (ein Minus von rund 25 Prozent) aus. Ein Plus verzeichnete der Kämmerer hier bei den Zuweisungen. Vom Staat erhielt die Kommune 223.000 Euro an Zuschüssen. Diese waren ursprünglich mit 20.000 Euro angesetzt. „Das war der einzige Zuschuss, den wir in 2020 erhalten haben. 2021 gibt es keinen Zuschuss vom Bund, das wurde auf die Länder übertragen. Und da wissen wir noch nichts“, erklärte Keller.

„Bei den Ausgaben haben wir aufgrund der Unsicherheiten nur das getätigt, was unbedingt sein musste“, so der Kämmerer. Geplant waren Ausgaben in Höhe von rund elf Millionen Euro. Letztlich gab die Gemeinde rund 9,8 Millionen Euro aus, zehn Prozent weniger als ursprünglich geplant. Am meisten sparte sie bei den Sach- und Betriebsausgaben (Ansatz: 4,3 Millionen Euro / Ergebnis: 3,4 Millionen Euro). Dadurch konnte die Kommune deutlich mehr vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt zuführen. Der Kämmerer übertrug so eine Gutschrift von insgesamt 1,8 Millionen Euro. Die Zuführung lag damit deutlich über dem Ansatz von 835.000 Euro.

„Ein toller Erfolg für den Markt Nesselwang – allerdings bedingt durch die Sparmaßnahmen“, sagte Keller.Die gesamten Einnahmen des VermHH betrugen etwa 3,9 Millionen Euro (Ansatz: 3,5 Millionen Euro). Zur Finanzierung von Investitionen musste der Kämmerer etwa eine Million Euro aus den Rücklagen entnehmen. Bei den Ausgaben zeigte sich die angestrebten Einschränkungen auf das Nötigste. Zugute kamen der Gemeinde hier auch Kostenverlagerungen von Arbeiten. Beispielsweise wird ein Teil der Sanierungskosten für die Tiefgarage der Alpspitzhalle erst heuer fällig und entlastet somit den Haushalt 2020. Einsparungen gab es auch bei der Sanierung des Blockheizkraftwerkes im ABC. Angesetzt waren hier 60.000 Euro, ausgegeben wurden 45.000 Euro.

Deutliche Einsparungen

Bei den Ausgaben im VermHH ergaben sich die größten Einsparungen im Tourismusbereich (ein Minus von 50,7 Prozent / Ergebnis: 439.000 Euro). Aber auch im Bereich der Infrastruktur (Straße, Kanal, Wasser) gab die Marktgemeinde 43.000 Euro weniger aus als geplant. „Wir hatten weniger Baumaßnahmen im Wasserbereich zu verzeichnen aufgrund von weniger Rohrbrüchen“, informierte der Kämmerer. In der Sparte Heimatpflege, Schule, Feuerwehr lag der Haushaltsansatz bei rund 1,6 Millionen Euro. 21.000 Euro wurde hier weniger ausgegeben (ein Minus von 1,3 Prozent).

Wie seit fast zehn Jahren gelang es der Marktgemeinde auch 2020, ihre Schulden zu reduzieren – um 520.000 Euro. Im Bauhof wurde der Fuhrpark erneuert. Ein neues Fahrzeug für das kommunale Wasserwerk und ein neuer Radlader schaffte die Gemeinde hier an (110.000 Euro).

Das gesamte Investitionsprogramm belief sich im vergangenen Jahr auf rund 2,4 Millionen Euro. „Hier war es unser Ziel 600.000 Euro einzusparen“, erläuterte Keller. Das erreichte Ziel lag bei 515.000 Euro.

Dennoch gelang es der Kommune, ihre Rücklagen aufzustocken. Geplant waren hier 40.000 Euro. 947.000 Euro waren es am Jahresende (ein Plus von 907.000 Euro). So belief sich die Netto-Entnahme aus den Rücklagen bei Verrechnung der hohen Zuführung aus dem VerwHH auf nur noch 92.465 Euro. „Das ist ein durchaus vertretbarer Betrag“, kommentierte Keller.

Die Gesamtschulden des Marktes Nesselwang beliefen sich am Jahresende 2020 auf rund 5,4 Millionen Euro – was bei einer Einwohnerzahl von 3753 Personen eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1431 Euro ergibt. Hier sind die rentierlichen Schulden (gedeckt durch die Wasser- und Abwassergebühren – rund 2,3 Millionen Euro) mit eingerechnet.

Ohne diese liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei nur noch knapp 819 Euro je Einwohner. „Das ist ein Wert, mit dem sich Nesselwang durchaus sehen lassen kann“, lautete das Fazit des Finanzverantwortlichen. „Seit 2012 haben wir unseren Schuldenstand mehr als halbiert“. 2012 lagen die Verbindlichkeiten des Marktes Nesselwang noch bei deutlich über zehn Millionen Euro.

In seiner Zusammenfassung zum Haushaltsergebnis 2020 war der Kämmerer vorsichtig optimistisch. „Aufgrund der breiten Aufstellung von Industrie, Gewerbe und Handwerk, deren Lage trotz der Pandemie stabil blieb, sind wir gut durch das Jahr gekommen“, meinte Keller. „Im Tourismus, Einzelhandel und dem Gastgewerbe mussten wir erhebliche Einbußen verzeichnen. Trotz allem ist die Gewerbesteuerentwicklung mit 2,4 Millionen Euro wieder sehr positiv“.

Durch Einsparungen bei den Investitionen, die mit 2,4 Millionen auf einem erfreulichen Niveau lagen, und einem konsequenten Schuldenabbau, sei die finanzielle Lage des Marktes gut. Mit Rücklagen von 3,3 Millionen Euro sei die Ostallgäuer Kommune zudem in der Lage, wichtige Projekte anzustoßen.

Bürgermeister Pirmin Joas (CSU) dankte seinem Kämmerer und dem Team für die Aufstellung der Jahresrechnung und lobte die Arbeit des Marktgemeinderates angesichts der Pandemie. „Die Einnahmen-Seite ist sehr erfreulich“, sagte der Bürgermeister.

Sein Dank galt allen Unternehmen und Betrieben im Ort sowie den Bürgern. „Bei den Investitionen liegen wir nach wie vor recht gut, beim Schuldenabbau sind wir top. Aber wir dürfen uns nach wie vor keine Luftsprünge beim Haushalt erlauben“, mahnte der Rathauschef. „Wirtschaftlich gesehen können wir aber positiv in die Zukunft blicken. Auch da die Unternehmen am Ort bereits signalisiert haben, dass sie ihre Vorauszahlungen beibehalten“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Stadtgärtnerei Füssen gibt Einblicke in ihre Arbeit
Die Stadtgärtnerei Füssen gibt Einblicke in ihre Arbeit
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenzen gehen weiter zurück
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenzen gehen weiter zurück
Inder wollen illegal nach Deutschland einreisen
Inder wollen illegal nach Deutschland einreisen
100 Jahre Plansee: Von der kleinen Firma im Außerfern zum Weltmarktführer
100 Jahre Plansee: Von der kleinen Firma im Außerfern zum Weltmarktführer

Kommentare