Ein Zeichen für Nachhaltigkeit

Die Stadt Füssen wird "Pestizidfreie Kommune" 

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Artenreiche Wiesen sind heutzutage kaum noch zu finden. Um das zu ändern, macht die Stadt Füssen bei dem Projekt „Wiese x 16” mit. Mit der Teilnahme an der Aktion „Pestizidfreie Kommune” möchte sie jetzt ein weiteres Zeichen setzen.

Füssen – Füssen wird pestizidfrei – zumindest auf städtischen Flächen. Denn die Stadt nimmt jetzt an der Aktion „Pestizidfreie Kommune“ teil. Das hat der Bau- und Umweltausschuss auf Initiative des Blumen- und Gartenbauvereins vergangene Woche einstimmig beschlossen. Allzu groß ist der Aufwand dafür allerdings nicht.

„Wir leben in einer glücklichen Naturlandschaft, die wir entsprechend pflegen“, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Deshalb verwende die Stadt schon seit langem keine Pflanzenschutzmittel mehr, weil sie ihre Schädlichkeit erkannt habe. Schließlich befördere das Regenwasser die Pestizide ins Grundwasser – das Trinkwasser der Bürger. „Wir legen sehr viel Wert auf die Natur“, so der Rathauschef. 

Um diese Haltung nun auch nach außen zu tragen, will sich die Stadtverwaltung an der Aktion beteiligen. Dabei geht es um sechs Punkte: Bei der Bewirtschaftung städtischer Freiflächen soll die Stadt auf chemisch-synthetische Pestizide verzichten. Auch private Dienstleistungsunternehmen, die öffentliche Freiflächen pflegen, sollen diese nicht einsetzen, und private Firmen mit kommunaler Mehrheitsbeteiligung sollen dazu aufgefordert werden. 

Daneben will die Stadt das Verbot von Pestizideinsatz festschreiben, wenn kommunale Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung verpachtet werden. Als weiteren Punkt soll die Stadt ihre Bürger über die Bedeutung der Biodiversität in der Stadt und über giftfreie Alternativen beim Gärtnern informieren und insektenfreundliche Blühflächen oder Projekte initiieren. Den letzten Punkt hat die Stadt bereits in Angriff genommen. „Wir versuchen möglichst viele Gebiete in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen“, erklärte Iacob. Zum Beispiel mit dem Leader-Projekt „Wiese x 16“ (der Kreisbote berichtete). Das sei ein langwieriger Prozess, der manchmal auf Unverständnis bei den Bürgern stoße. Schließlich machen diese Wiesen oft einen ungepflegten Eindruck. Dennoch wolle man daran festhalten und auch die weiteren Punkte der Aktion umsetzen. 

Der Aufwand für die Kommune ist dabei überschaubar. Denn weder Bauhof noch Stadtgärtnerei verwenden bereits jetzt Pestizide im öffentlichen Freiraum, heißt es aus der Stadtverwaltung. In der geschlossenen Halle greift die Stadtgärtnerei dagegen restriktiv und nur im Bedarfsfall darauf zurück. Dabei werde jedoch auf Bienen gefährdende Mittel verzichtet. Daneben habe die Stadt Hausmeister städtischer Einrichtungen angewiesen, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Auch auf dem Friedhof kommen sie nicht zum Einsatz – das wurde in den Verträgen festgeschrieben. 

Stadtwerke ziehen mit

Anders schaue es hingegen bei den verpachteten Liegenschaften aus. Dort gebe es keine solche Regelung. Sollte sich der Ausschuss für eine Teilnahme entscheiden, müsste diese in die Verträge eingearbeitet werden, was mit zu hören Kosten für die Stadt führen könnte. Denn eine aufwendigere Pflege lassen sich Firmen entsprechend bezahlen. Trotzdem befürwortete die Verwaltung diesen Schritt. 

Grünes Licht signalisierten auch die Stadtwerke Füssen. „Wir als Wasserversorger ziehen da mit“, informierte Werksleiter Helmut Schauer. Denn viele Böden in Bayern seien durch Pflanzenschutzmittel „extrem belastet“, besonders in Ober- und Niederbayern. 50 bayerische Wasserversorger müssen deshalb ihr Wasser aufbereiten. Besser schaut es dagegen in Schwaben aus. Auch in Füssen müsse das Grundwasser noch nicht aufbereitet werden, so Schauer. Und so soll es auch bleiben. Denn solche Stoffe seien sehr lange im Grundwasser nachweisbar. 

Gespritzte Stoffe aus den achtziger Jahren seien heute noch im Wasser zu finden. Daneben seien Pestizide auch „extrem schädlich“ für Bienen. „Etliche Waldbienen sind schon ausgestorben. Sie werden durch diese Gifte extrem belastet“, erklärte der Werksleiter. Von einem Verzicht profitieren deshalb alle: Die Wasserqualität, die Artenvielfalt und die Lebensqualität der Menschen. „Es ist unsere Pflicht, das Wasser unseren Nachkommen so zu bewahren, wie wir es bekommen haben“, appellierte Schauer.

Auf guten Willen setzen

Eine Einstellung, die auch Christine Fröhlich (FWF) und Wolfgang Baader (SPD) teilten. „Wir habe die Welt von unseren Kindern geliehen“, meinte Baader. Deshalb sollte die Kommune ein Zeichen setzen und diese höheren Kosten auf sich nehmen. Wie das dann mit den Pachtverträgen geregelt werde, wollte noch Fröhlich wissen. Mit den derzeitigen Pächtern werde man das besprechen und auf deren guten Willen setzen, erklärte Iacob. „Wir können die bestehenden Partner nicht dazu zwingen. Wir können das deshalb nicht garantieren.“ In neuen Verträgen werde die Stadtverwaltung das dagegen festschreiben.

kk

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